Bedingungsloses Grundeinkommen

Vielleicht haben Sie schon davon gehört, vom bedingungslosen Grundeinkommen (BGE). So mancher sieht darin die Lösung für so manches Problem in der Gesellschaft.

Vor einiger zeit habe ich mal drauf herumgedacht und mir auch die Frage gestellt, warum es nicht da ist und was passieren müsste, damit es da ist – das BGE.

Bedingungslosigkeit ist in der alten Ordnung ein recht seltenes Wesensmerkmal, ist das Haben stets an eine Bedingung geknüpft: Arbeiten.

Jedoch nicht das Arbeiten an sich.

Wer gewohnt nur dann „arbeitet“ (was im Kern der verkehrte Ausdruck ist, besser ist: Wertschöpfung), wenn er dafür was „kriegt“, wird demnach auch nichts tun, wenn er nichts „kriegt“. In diesem Fall ist er der beste Sklave, den man sich vorstellen kann, weil er nahezu fremdbestimmt „funktioniert“.

Ja, wer „fremdbestimmt“ denn da so vor sich hin?

Alles Geld (alt- und mittelhochdeutsch: gelt) kommt als Kredit ins System und wird in einem wunderlichen Schöpfungsakt per Eintippen von Zahlen in den Computer durch den Banker (Dar-Lehensgeber) geschaffen. Dem Kreditnehmer (Dar-Lehensnehmer) und erscheint diese Zahl als „Sichteinlage“ auf dem Girokonto.

Während der Betrag auf dem Girokonto gebucht wird, werden die notwendigen Zinsen im Geldschöpfungsakt nicht mitgeschaffen.

Da der Banker von den Zinsen lebt, steht die Rückzahlung von symbolisch für das vertraglich entstandene Lehensverhältnis – deshalb Dar-Lehen.

So gibt es jene, die in der Vorstellung unterwegs sind, die Politik müsse sich für ihre(!) Bürger ja engagieren und für eine solche Lösung sorgen.

An dieser stelle ist erkennbar, das nicht wirklich über „Bedingungslosigkeit“ und ihre Auswirkungen nachgedacht wurde, wie auch sie kein Akt ist, der von oben auferlegt wird.

Zudem haftet am klassischen Geldsystem die Fremdbestimmung auch der Aspekt der Belohnung für Systemgläubigkeit (im Kern der Glaube an die gerechten Vorgesetzten und Autoritäten) sowie Bestrafung für Ungläubig- und Eigenmächtigkeit. Man bekommt, wenn man „schön brav und artig“ ist.

Auf diesem Konzept ist die gesamte alte Weltordnung aufgebaut. Das gewohnte Gejammere, was die Neue Weltordnung betrifft, ist also vollkommen aus der „Opferluft“ gegriffen.

Brav und artig sein nimmt seinen Anfang in der Familie und endet an der obersten Ebene der Fremdbestimmung: dem Staat.

Warum sollte also gar die Politik daran interessiert sein oder jene Bürger, die selbst unter ihresgleichen eine Artigkeit erwarten?

Dass sich die Gesellschaft gegenseitig unterhält, fällt im Zusammenhang mit den Zinsen auf, die gern für „gute Geschäfte“ erwartet werden.

Geld arbeitet jedoch nicht, sondern immer nur der Mensch. Und im Fall der Teilnahme am Zins fürs Ersparte (das Zurückgehaltene) unterjocht sich die Gesellschaft gegenseitig.

Es macht also Sinn, das Thema „Bedingungslosigkeit“ weiter zu denken – über den Rahmen gewohnter Vorstellungen über „Lösungen“ hinaus. Denn würde die Einführung des BGEs nur reine Symptombekämpfung bedeuten.

Dies allein schon als Hinweis, um die für das System typischen Ursachen gesellschaftlicher Entfremdung und Selbstentmenschlichung herauszuarbeiten – eine Aufgabe, die im Kern jeden betrifft, selbst wenn er sich noch so sehr andere erwählt, die das für ihn erledigen sollen, damit er ja weiter die „alte Nummer schieben“ kann.

Bedingungslosigkeit ist eine Eigenschaft des Lebens, jedoch nicht des Systems, was sich der Mensch schuf, um sich vom Lebensprozess nahezu abkapseln zu wollen, während er wie ein Süchtiger schön brav dem Gelde hinterrennt und anderen die Schuld für sein Dasein gibt oder zumindest ab und zu am Jammern, Klagen und sich beschweren ist. Auf diese Weise macht er sich selbst zum Opfer.

„Wer sich beschwert, erleichtert sich nicht.“

„Über den Tellerrand“ hinaus zu blicken hat nichts damit zu tun, sich nachher nur wieder auf die Erbsen und Möhrchen zu stürzen.

Die Herausforderung ist eine größere, als sich dies so mancher erhofft – und gleichzeitig so einfach.