Briefe nach Afrika

Lieber Awanou,

mein Name ist Alexander Berg. Angelika gab mir Deine ersten Ausfertigungen mit dem Titel „Das Europabild der Afrikaner im Roman“. Ich habe sie gelesen und dazu spontan einige grundlegende Gedanken verfasst.

Um nicht nur das Phänomen afrikanisch-europäischer Wanderschaft befriedigend zu beantworten, bedarf es eines Gesamtbildes, bestehend aus ineinander verwobenen Puzzleteilen unterschiedlicher Disziplinen.

Innerhalb eines langen Zeitraums sind wir an einem Punkt grundlegend zivilisatorischer Veränderungen angelangt. Denn was wir gerade mitbekommen, sind die Auswirkungen eines stattfindenden Paradigmenwechsels auf drei Ebenen: geistig-individuell, individuell-gesellschaftlich und gesellschaftlich-strukturell.

Um zu verstehen, was Menschen bewegt, gilt es sich unter anderem auch mit ihren konditionierten Verhaltenmustern, Gewohnheiten und Konventionen zu beschäftigten, mit denen sie aufgewachsen sind. Denn sie befinden darüber, wie Menschen über sich und andere denken und mit ihrem gesellschaftlichen und natürlichen Umfeld interagieren – welche Weltanschauung sie besitzen.

Ein Prinzip, welches sich zunächst in der westlichen Hemisphäre abzeichnet, beruht auf einem ungeschriebenen Gesellschaftsvertrag:

„Der Mensch macht sich durch Verschiebung der Verantwortung selbst zum Sklaven und schafft sich so seine Herren, die ihm sagen, was er zu tun hat.“

Wenn man dieses Prinzip als Basis des gesellschaftlichen Miteinanders heranzieht und nun auf andere Länder blickt, wird schnell klar, dass es vollkommen gleich ist, welcher Religion, Hautfarbe oder Ideologie man als Basis einer Gesellschaft nimmt.

Denn aus jenem Verhalten ersteht die hierarchische Ordnung und mit ihre alle von Menschen geschaffenen künstlichen Methoden und Werkzeuge, wie das Recht und das Geldsystem, um die natürliche Ordnung überlagern zu wollen.

Das Thema der Sklaverei ist nicht vorbei, es hat sich von sichtbarer Gewalt auf eine psychologische Ebene verschoben, ist nur subtiler geworden. Die „Sklaven“ gehen freiwillig an die Arbeit und bekommen fürs „artig sein“ eine Belohnung und damit haben und besitzen (solange man das macht, was andere von einem wollen). Dafür erzählt man ihnen Märchen durch die Medien.

Man kann auch von „unvernünftigen Betreuten und ihren Betreuern“ sprechen, wo andere darüber befinden, was für einen selbst „vernünftig“ sein soll.

Die Ursache ist mangelnde Selbstliebe und die Suche nach Liebe, Anerkennung, Aufmerksamkeit und Zugehörigkeit im Außen und findet ihre Ursache in der Familie – Traditionen und Konventionen.

Das Geldsystem spielt dabei die Aufgabe, den Zustand bedingter Liebe und Zugehörigkeit aufrechtzuerhalten, doch ist es lediglich der Spiegel einer in sich leeren Gesellschaft, die sich selbst als unwürdig erweist – ohne es zu wissen.

Auch das Geldsystem ist eine „Luftnummer“, da Geld aus dem Nichts als Kredit geschaffen und als Bilanzverlängerung (Buchung im Haben und im Soll) bei der Bank gebucht wird. Der Zins wird dabei nicht mitgeschaffen und ist letztlich stets die Arbeit eines anderen. Geld arbeitet nicht. Und da alle gerne Zinsen auf dem Konto haben, beuten sie sich gegenseitig selbst aus.

Der Zinseszins ist lediglich ein Symbol von der Gier nach der Gier. Und jetzt kommen die Afrikaner ins Spiel, denn um das System zuhause (hier in den Industrienationen) aufrechtzuerhalten, bietet man den dritten Ländern Kredite an, und da kaum ein Land in der Lage ist diese zurückzuzahlen Und da sie nicht haben geben sie ihre Ressourcen her.

„Der Sklave versklavt sich selbst, weil er sich selbst täuscht und irgendwann ent-täuscht wird, weil er eine Vorstellung hatte – eine Erwartung.“

Wir sprechen von einem globalen Phänomen konditionierter Selbstversklavung, Selbstentmachtung, Selbstverletzung, Selbsttäuschung, Selbstentmündigung und Selbstausbeutung.

All dies verbunden mit der Frage, ob man Opfer oder Gestalter sein will. Nur das Opfer findet stets Ausreden. Der Mächtige hat es dann einfach mit jenem.

Und jene, die für sich die Macht propagieren, wollen diese Position nicht abgeben, weil sie weiter die Betreuer der unvernünftig gehalten Betreuten sein wollen.

Doch dies geht alles bereits zu Ende.

Denn die Flut der Flüchtlinge wird das System zum Zusammenbruch bringen – gewollt.

Doch alles hat seinen Sinn.

Die Mutter aller der Ursachen
Die hierarchische Ordnung beruht auf der einseitigen Konditionierung des weiblichen Prinzips durch die Mütter, denn sie bringen seit jeher die Kinder zur Welt und befinden darüber, ob Liebe, Zuneigung, Aufmerksamkeit und Zugehörigkeit bedingt oder bedingungslos sind. Doch war es ihnen selbst nicht bewusst, weil es ja immer schon so war.

Im Kern gibt es zwei wesentliche Prinzipien, die einander bedürfen: Das Geben (männliches Prinzip) und das Empfangen (weibliches Prinzip). Andere Begriffe für „Empfangen“ sind: bekommen, erhalten und kriegen.

Durch dieses Prinzip, bewegt sich die Mehrheit konditioniert im Außen und ist so für jegliche Manipulationen anfällig, siehe Medieneinflüsse, Machthaber usw.

Wer sich nicht freiwillig fügt, wird gezwungen.

„Du bist nur dann gut, wenn uns das so gefällt.“

Ich krieg‘ dich!
Krieg hat lediglich zwei Urgründe: Zum einen in einem fremden Land sich über die Ressourcen oder Menschen zu bemächtigen, um die eigene Ordnung (Hierarchie) zuhause weiter aufrecht halten zu wollen. Das religiöse Glaubensprinzip ist da nicht anders: Es geht stets um die Aufrecherhaltung der Hierarchie. Wenn dann von einem strafenden „Gott“ gesprochen wird, ist es lediglich der Mensch, der über andere richtet, sie bestraft, wenn sie sich nicht „seiner“ „Ordnung“ unterwerfen.

Männer spielen eher eine nachgelagerte und gesteuerte Nebenrolle – auch wenn es zunächst anders erscheinen mag. Die alte Weltordnung beruht auf einer Vereinbarung, der sich der junge Mensch in der Familie freiwillig oder erzwungen unterwirft:

Väter bringen dies nachgelagert zum Ausdruck: „Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst, machst du das, was ich will.“

Dies sind nur einige wenige Gedanken. Es geht noch viel weiter – auch über das Alte hinaus.