Das Ende üblichen Gezänks

Stellen Sie sich vor, die Deutschen würden ihre Ostgebiete wieder zurückbekommen. Was wäre dann mit den Menschen, die darauf wohnen und woher haben die Deutschen diese Gebiete, bevor sie ihn abhanden gekommen wurden? und wer bestimmt, wer fortan welchem Land angehörig ist?

Fragen, die jedoch nur in die Vergangenheit zurückführen – vereinfacht ausgedrückt und eine recht müßige Diskussion aus der Sicht unterschiedlicher Volksmeinungen. Dem gesinnt sich wird dann auch noch das Bundesverfassungsgericht mit seiner klassischen „Reichsaussage“ hinzu.

Schaut man jedoch in die Vergangenheit (ca. die letzten 150 Jahre) zurück, so gewinnt man den Eindruck, dass sich alles in einem fortlaufenden Auflösungsprozess befindet und wenn man über die Konventionen hinaus denkt, machen künstliche Abgrenzungen überhaupt keinen Sinn mehr, da sie die Grundlage gewohnter Diskussion und (möglichem) Gerangels bilden.

Darüber hinaus bedingen sie Strukturen und Institutionen, die im Ernstfall von Verteidigung auf Angriff umschalten.

Im Kern findet dieses ganze Brimborium nur statt, da sich ein „kollektives Ich“ gegen ein anderes „kollektives Ich“ (Staat) abzugrenzen versucht, was wiederum ein Verhalten ist, sich gegen Veränderungen an sich abgrenzen zu wollen. Man könnte es auch als das Wesen des Nationalismus bezeichnen.

Im Kern sind dies alles Dinge, die dem Gestern zuzuordnen sind, während sich die Welt mittlerweile auf eine nach vorne – dem Leben zugewandte – Sicht- und Handlungsweisen einstellt, wo das Gestern zunehmend in Frage gestellt wird, weiter an Bedeutung verliert und zu jener Erinnerung wird, wie es nicht funktioniert hat. Und nicht nur der deutsch sprechende Mensch ist gefragt, sich im Sinne des Wandels (s)einem Um- und Weiterdenkprozess zu widmen.

Und so geraten jene Denk- und Verhaltensmuster, die bisher Garant für ein „stabiles System alter Ordnung“ sorgten zunehmend unter Druck, weil im Außen zwar Veränderung gefordert, jedoch „heimlich“ wieder nur nach dem Gestern geschielt wird. Da geben sich klassische Politik und „Reichsambtionierte“ ein gewohntes Stelldichein, was im Kern die Frage aufwirft, welches Gestern ist das bessere.

Die Signale des Wandels zeigen jedoch eine andere Bewegungsrichtung an, die dem klassisch Orientierten gegen seine gewohnte Ausrichtung geht.
Auf der anderen Seite gibt es genug, die Horrorszenarien einer „Neuen Weltordnung“ an die Internetwände klatschen, während sie jedoch schweigen, wenn man sie nach dem Unterschied zur alten Weltordnung befragt.
An dieser Stelle sehe ich, dass sich noch immer so gut wie keine Gedanken gemacht werden, welche sich mit dem System an sich beschäftigen. Lieber kümmert man sich darin um Phänomene, statt um das was dahinter wirkt und diese erzeugt.

Bildlich kann man das etwa so erfassen, dass sich die Fische im Aquarium über das schmutzige Wasser beschweren, während es jedoch an der Zeit ist, die Sichtweisen des Aquariumsverantwortlichen einzunehmen, um zu erkennen, was sich im Kern über das gewohnte Beschäftigen mit Symptomen des Systems hinaus bewegt und zu tun ist.

Unter der Kategorie „Gestern“ sind unter anderem abgelegt: Staat, Nation, Grenzen, Verwaltungen, Behörden, Steuern, Abgaben, Recht (an sich), Gesetz, Verfassung, Gerichte, Betreuer, Betreuung, Politik, Parteien, Staatsvolk, Staatsgebiet, Staatsgewalt, Staatsangehörigkeit usw. sowie nahezu jede andere Art von Institution, die sich der Mensch „woanders“ schuf, um seinem persönlichen Entwicklungsprozess soweit als möglich aus dem Wege gehen zu wollen – ein wesentliches Verhalten, was sich aus gewohnter Fremdbestimmung ergibt.

Denn all dies existiert(e) lediglich aus einem Grund: der künstlich verlängerten, gesellschaftlich tolerierte Unvernunft, damit verbundene Existenz der Betreuer und einhergehender – bereits in der Familie implementierter – Fremdbestimmung, basierend auf der Bedingung: „Du bist solange gut, solange mir das gefällt.“

Aus diesem Grunde ist ein souveränes Land auch nur eine reine Lachnummer, wenn seine Angehörigen weiter im gewohnten Modus der Unvernunft, Gewissenlosigkeit und damit verbundener Notwendigkeit der Betreuung unterwegs sind.

2 Comments on Das Ende üblichen Gezänks

  1. Warum machen wir beim „Gestern“ nicht weiter mit Einfriedung, Hausürschloss,Wohnungstüschloss, feste Hauswände, Bankkontozugangsbeschränkung. Wo hört es auf im Gestern zu verschwinden und fremdes herein zu migrieren?
    Grüße Gerhard

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