Das Phantom der Opfer

In der letzten Woche meldete sich jemand per SMS und tat dabei sehr geheimnisvoll: Er wäre derjenige, bei dem sich die Welt verschuldet hätte und er mache sich nun erhebliche Sorgen, dass es in jedem Fall keinen 3. Weltkrieg geben darf. Er suchte das Gespräch und war über den Blog auf mich aufmerksam geworden.

Im Telefonat stellte sich heraus, dass es sich um einen jungen Menschen handelte, der wohl sein ganzes – besser ausgedrückt: sein bisheriges Leben damit verbracht hatte alles zu beobachten und wohl die wesentlichen Dinge erfasst zu haben. Nur Tun und Handeln waren in seinen Worten nicht zu erkennen – den Kopf voller Wissen, jedoch keine Erfahrungen.

Er bewegte sich noch weit im Alten, was sich nicht nur durch Beschuldigung anderer für seine aktuellen Lebensumstände zum Ausdruck brachte, gefolgt vom Klagelied seiner unsäglichen Kindheit und was er aktuell so erleiden müsse.

Aus den Informationen war ersichtlich, dass er sich selbst seiner innewohnenden, praktischen Aufgabe und sich selbst noch nicht richtig bewusst zu sein schien. Dafür sprachen die auf ihn einwirkenden Zustände. Doch sprach er in den SMS-Nachrichten von Lösungen, die sich dahingehend darstellten: die Menschen aufklären zu wollen.

Zwischen den Inhalten der SMS-Nachrichten und dem was ich da am Telefon vernahm lagen Lichtjahre.

Zunehmend machte sich bei mir ein Unwohlsein in der Magengegend bemerkbar, was darauf hinwies, dass es sich hier um den Versuch einer „Involvierung meiner Person“ handelte.

Als mir dies zuviel wurde, da auf einige Gedanken meinerseits ständig ausweichende Antworten seinerseits kamen, galt es das Gespräch damit zu beschließen, dass er sich um seine eigentliche Aufgabe, die mit Händen zu tun ist, Gedanken machen möge, weil auch alles darauf abziele.

Das Gespräch wurde zunehmend fordernder und glich einer Art Belagerungszustand mit einem Touch von „Katze um den heißen Brei“. Ich nutzte dies, um den Dialog und die Wechselwirkungen eingehender zu beobachten. Alles hat ja seinen Sinn.

Aus diesem Gespräch war erkennbar, dass es an jedem selbst liegt, sich seiner eigenen Aufgabe bewusst zu werden, die sich über die Konventionen und Mechanismen der alten Weltordnung hinweg bewegen.

„Hilfe ist lediglich ein voranbringender Impuls, statt Dauerbetreuung mit eingebautem Händchenhalten.“

Es mag also von besonderer Bedeutung sein, sich nicht nur klagend und beschwerend über dargebotene „Probleme“ auszumähren, sondern sich darüber Gedanken zu machen, wie ein jeder selbst einen machbaren und vor allem realistischen Beitrag leisten mag.

„Lieber Gott, schenke mir Geduld… aber bitte sofort.“

Realistisch bedeutet: Was man selbst mit seinem „eigenen“ praxisorientierten Wissen tun kann und rein theoretisches Wissen über was auch immer einen selbst nicht weiterbringt.

„Willensbekundungen, Absichtserklärungen und noch so viel theoretisches Wissen allein nutzen gar nichts.“

„Welche Handlungsgrundlagen kannst Du aus Deinem Wissen ableiten?“

„Sagt ein Mann in der Wüste zu einem Reiter auf einem Kamel: „Ich bin hier um das Wohnzimmer zu tapezieren.“ „Da sind Sie hier leider falsch.“

In den nachfolgenden Tagen erhielt ich weitere Nachrichten vom SMS-Schreiber, die eine deutliche Belastungen zeigten, denen sich der Schreiber nicht zu stellen bereit war und durch oberflächliche Beschuldigungen von sich zu weisen versuchte:

„Ich (Alex) würde mich über andere stellen, er würde ab jetzt die Toten zählen und ich (Alex) sei dafür verantwortlich.“

Ich sagte ihm, dass es mir früher auch so ergangen sei.

Das wiederum zeigte, dass das Opfer andere erhöht, um sich als selbst Opfer zu manifestieren. Es geht jedoch um Bewusstsein und nicht persönliche Befindlichkeiten, darum auch der Blog im Internet, wo sich jeder selbständig ein eigenes Bild machen kann.

An dieser Stelle ein Gedanke an all jene, die sich in einer ähnlichen Situation bewegen, sich besser selbst auf eine sich für sie positiv Entwicklung zu fokussieren, statt sich fortwährend in einer zunehmend selbstdestruktiven Ausrichtung zu bewegen.

„Das Opfer macht sich stets selbst zum Opfer, weil es sich als Opfer in der Kindheit selbst konditioniert hat, um „gehorsam“ an bedingte Liebe, Aufmerksamkeit, Zugehörigkeit und Anerkennung zu gelangen.“

„Liebe Staatshörige,… oh, Verzeihung…“

Das Opferverhalten ist der Schwachpunkt in jedem Netzwerk und somit ein absolutes „No-Go“ für eine nachhaltig wirksame Zusammenarbeit und  Sachorientierung. Bisherige Erfahrungen haben gezeigt, dass das Opferverhalten in dem Moment, wenn es in der Gruppe zu einem Entwicklungsschritt kommt, es die aktive Entscheidungsmitwirkung versagt und sich lieber auf das vorhandene besinnt.

„Der Spatz in der Hand…“

Diskussionen, die zur Erkenntniserlangung in der Gruppe als normal erachtet werden, führen in der Regel nur zur Beibehaltung des Erkannten, da die Konditionierung „Ablehnung von nicht systemkonformen Informationen und damit verbundene Veränderung“ überwiegt.

In der Regel wissen die Betroffenen nicht, dass sie ihren Verhalten bereits erlegen sind.

Es zeigt sich, dass „Gemeinsam sind wir stark“ letztlich ein vorgeschobener Aspekt alleiniger Schwäche darstellt, der sich in der Gruppe auch nicht verändert, sondern nur vortäuscht, dass jetzt alles anders zu sein scheint.

„Erst sind es drei weiße Häschen, die Angst vorm bösen Wolf haben und nachher sind es 20 weiße Häschen, die Angst vorm bösen Wolf haben.“

„Gemeinsam sind wir nicht mehr einsam.“

„Gewalt ist letztlich ein Werkzeug Unwissender.“

Ich verurteile das nicht oder setze mich gar darüber hinweg. Es ist lediglich ein Erkenntnisschritt von vielen, um die alte Zeit und damit verbundenem Denken, Handeln, Gewohnheiten und Konventionen zu überwinden – darlegend.

Gefordert ist also ein jeder selbst. Und mit Mitleid, Mitgefühl und Bedauern allein erreicht man nichts.

„Ein runde Mitleid: Ooooooooooh!“

Telefonate, die sich in der Vergangenheit auf aufklärender Ebene bewegten, fanden zur Genüge statt und endeten stets im gleichen Thema – der Grund, warum das PDF „Hinüber in die Neue Zeit“ über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren entstanden ist.

Es spart allen letztlich Zeit und verschafft so jedem seinen eigenen Entwicklungsraum. Und darauf kommt es an. Doch letztlich bleibt es dem Einzelnen selbst überlassen, was oder ob er etwas damit anzufangen gedenkt.