Das System in Frage stellen, Teil 2

Dass der Mensch gewohnt nur seinem „Ich“, also seinen Programmierungen nachgiebig ist, ist ihm in der Regel nicht bewusst. So reagiert er bei auftretenden Unsäglichkeiten mit gewohnter Verdrängung: Die anderen seien ja an der Misere schuld und müssen weg.
Da er selbst „ja sowieso nichts tun kann“, wählt er sich andere, die das dann alles „besorgen“ sollen. Am Ende wird es jedoch immer nur den Besorgten „besorgt“. „Das was gesät wird, wird am Ende geerntet“, hat also was für sich. Es regel sich von selbst oder wie es in der Bibel steht:

Die Rache ist mein; ich will vergelten. Zu seiner Zeit soll ihr Fuß gleiten; denn die Zeit ihres Unglücks ist nahe, und was über sie kommen soll, eilt herzu. 5. Mose 32, 35

Was dieses Verhalten der Schuldzuweisung möglich macht? Ganz einfach: Fehlende Selbstreflektion, durch fehlenden Infragestellungsprozess für das eigene Handeln oder: „Man“ funktioniert nur.

„Denken ist jener Prozess, der hinter gewohnter Verdrängung stattfindet.“

Im Grunde genommen zeigt sich die Schuldzuweisung in etwa so: Alle stehen auf einem Platz und zeigen auf den, der sich ändern soll, damit es besser wird. Erkannt, wo der Denkfehler zuhause ist?

Verdrängung zeigt sich durch Kampf, Widerstand, Flucht, Ignorieren, Beratungsresistenz, „Unglaube“ („Das glaube ich dir nicht.“) sowie besagte Schuldzuweisung i. V. m. der Schaffung von Feindbildern.

Das mit den Feindbildern funktioniert dabei nur, wenn beide Seiten als „Gegner“ ferngesteuert (durch ihre Vorgesetzten) in der Außenorientierung unterwegs sind und dem anderen jenes Feindbild auferlegen, während sich auf der anderen Seite wie nicht gescheit dagegen gewehrt wird, was dann als Kampf interpretiert wird.

„Erst haben wir sie bis aufs Blut gereizt. Dann haben sie uns angegriffen. Wir mussten uns natürlich wehren und haben sie dann getötet.“

Erkannt wie bekloppt die Mehrheit ist, während sie vollmundig einen auf „Vernunftsbolzen“ macht?

Die einen „wissen nicht, was sie tun“ und die anderen „tun nicht das, was sie wissen.“

Ja, aber…
So ein „verletztes Ich“ kann nicht nur „so tun, also ob“ („Ich bin ja das Opfer, beschütze mich vor dem Feind dahinten!“), sondern es kann auch durch sein Schweigen und sich dumm stellen dafür sorgen, dass die wesentlichen Informationen, die ggf. zu einer friedlichen Lösung beitragen, außen vorgelassen werden, weil Macht, Enttäuschung, Vergeltung und Rache seinen Lebensinhalt bestimmen.

„Das Opfer hat Macht über jene, die es vorschickt, um seine Probleme lösen zu lassen.“

Kommt es zur Enttäuschung, ist diese nur eine Selbstenttäuschung, die durch Schuldzuweisung anderen angedichtet werden soll.

Weiterführendes
In der letzten Zeit hatte ich einige Dialoge mit Vertretern der vier Disziplinen Theologie, Psychologie, Philosophie sowie Recht. Darüber hinaus gibt es eine fünfte Disziplin: die Politik.
Alles Werkzeuge, dazu gedacht, das System in Frage zu stellen. Darum geht es nicht mehr und nicht weniger. Jedoch nicht mit den darin gewohnt gelernten, „gültigen“ Inhalten.
Denn auch die gewohnten Inhalte sind zu hinterfragen, ob sie letztlich direkt der Entwicklung oder durch ihre Infragestellung der Entwicklung dienlich sind – und dies nicht im üblichen Sinne der Mehrung, Erhaltung oder Verteidigung von Geld, Eigentum, Besitz, Hab und Gut, weil auch deren Bedeutungen in Frage zu stellen sind.

Dazu braucht es auch keine fünf Doktortitel, um sich mit gesundem Menschenverstand, Selbstreflektion und einem intuitiven Gefühl für das Richtige (im Sinne der inneren Entwicklung) auf den Weg zu machen.

Warum das System selbst bisher kaum in Frage gestellt wird? Weil dieser Prozess dazu führt, dass die Scheinwelt, die sich der Mensch schuf, in sich kollabiert.

Beispiel „Recht“:

„Als römisches Recht bezeichnet man das Recht, das ausgehend von der Antike, zunächst in Rom und später im ganzen römischen Weltreich galt. Die im Corpus Iuris Civilis gesammelten Quellen des antiken römischen Rechts wurden im Mittelalter vornehmlich in Bologna wiederentdeckt und bis ins 19. Jahrhundert in den meisten Staaten Europas als maßgebliche Rechtsquellen betrachtet.

Die Anerkennung des Corpus Iuris Civilis als geltendes Reichsrecht im Heiligen Römischen Reich führte zu ab dem Mittelalter und der frühen Neuzeit geltenden Ordnungen im heutigen Europa, die als rezipiertes römisches Recht bezeichnet werden können.“ Wikipedia

Da isses, das Recht und jetzt „hängen“ wir an diese Aussage nachfolgend mehrere Gedanken an und schauen, was dann mit dem „Recht“ passiert.

„Als Fiktion bezeichnet die Rechtswissenschaft die Anordnung des Gesetzes, tatsächliche oder rechtliche Umstände als gegeben zu behandeln, obwohl sie in Wirklichkeit nicht vorliegen.

Hierbei kann die Fiktion das genaue Gegenteil der tatsächlichen Umstände als rechtlich verbindlich festlegen.

 Eine Fiktion kann deshalb im Prozess auch nicht widerlegt oder entkräftet werden, da sie definitionsgemäß vom tatsächlichen Sachverhalt abweicht. Das Wort „gilt“ ist in Gesetzestexten ein Indiz für das Vorliegen einer Fiktion, sie kann sich aber auch in Legaldefinitionen verbergen.“ Wikipedia

Unter derselben „Fiktion“ läuft auch die Nummer mit den „Staaten“, da Gesetze darin(!) über vier Geltungsbereiche verankert werden: sachlich, persönlich, räumlich und zeitlich. Staaten verwalten und bestehen aus Personen und nicht aus Menschen, da Menschen sich lediglich am überpositiven Recht orientieren – was man ihnen verschweigt, damit man sie weiter betreuen kann.

„Eine natürliche Person oder physische Person ist der Mensch in seiner Rolle als Rechtssubjekt“ Wikipedia („in der Rolle als“ = „so tun, als ob“)

Zum Thema „Recht und Gesetze“ an sich, eine Hintergrundbetrachtung aus dem 17. Jahrhundert, die auch heute noch Wirksamkeit besitzt:

„Das Recht ist fragwürdig, die Macht ist unverkennbar und fraglos. So konnte man die Macht nicht mit dem Recht verleihen, weil die Macht dem Recht widersprach und behauptete, es sei ungerecht und sie wäre es, die das Recht sei. Und da man nicht machen konnte, daß das, was recht ist, mächtig sei, macht man das, was mächtig ist, zum Recht.“ (Blaise Pascal, 1623-1662, Fragment Nr.298) Zitat aus „Der verborgene Pascal“ von Theophil Spoerri, Seite 132)

„Es ist gefährlich dem Volke zu sagen, daß die Gesetze nicht gerecht sind, denn es gehorcht ihnen nur, weil es glaubt, daß sie gerecht sind. Deshalb muß man ihm gleichzeitig sagen, daß man ihm gehorchen muß, weil sie Gesetze sind, wie man den Vorgesetzten gehorchen muß, nicht weil sie gerechte Leute, sondern weil sie Vorgesetzte sind.
Wenn es gelingt, dies verständlich zu machen und daß hierin die eigentliche Definition der Gerechtigkeit besteht, dann ist man jeder Auflehnung zuvorgekommen.“ (Blaise Pascal, 1623-1662, Fragment Nr.326) Zitat aus „Der verborgene Pascal“ von Theophil Spoerri, Seite 133)

Jetzt schiebe ich sozusagen noch den Hinweis auf den „Ausgang“ nach:

„Positives Recht
Positives Recht oder gesatztes Recht ist das „vom Menschen gesetzte Recht“. Der Gegenbegriff ist das überpositive Recht oder Naturrecht. Anschaulich erklärt ist positives Recht das Recht, das vom Menschen erschaffen wird, während Naturrecht vom Menschen bloß entdeckt wird. Der Ausdruck wird spezifisch in der Rechtswissenschaft und Rechtsphilosophie verwendet.

Der deutsche Ausdruck ist eine Lehnübersetzung des lateinischen ius positivum. „Positiv“ (von lateinisch ponere „setzen“, positum „gesetzt“) bedeutet dabei insbesondere „durch Rechtsetzung entstanden“ oder „durch Rechtsprechung entstanden“. Positives Recht sind nicht nur förmliche parlamentarische Gesetze, sondern unter anderem auch das Gewohnheitsrecht und das Richterrecht – soweit als Rechtsquelle anerkannt.“ Wikipedia

 „Überpositives Recht – Naturrecht
Der Begriff Naturrecht (lateinisch ius naturae oder jus naturae, aus ius ‚Recht‘ und natura ‚Natur‘; bzw. natürliches Recht, lat. ius naturale oder jus naturale, aus naturalis ‚natürlich‘, „von Natur entstanden“) oder überpositives Recht ist eine Bezeichnung für universell gültiges Recht, das rechtsphilosophisch, moralphilosophisch oder theologisch begründet wird.

Von diesen Vorstellungen abgeleitet dient es dem gesetzten (manchmal auch gesatzten) oder positiven Recht als höchstrangige Rechtsquelle zur Legitimierung. Die historische Schule des Rechtspositivismus hat das Naturrecht weitgehend abgelöst.

Der Rechtspositivismus vertritt die Auffassung, dass verfassungsmäßig zustande gekommenes Recht keine höhere Begründung braucht: Die säkularen rechtsphilosophischen Ausprägungen des Naturrechts, die nicht aus religiösen Grundwerten hergeleitet sind, sondern von der Erkennbarkeit durch menschliche Vernunft, werden als Vernunftrecht bezeichnet. Wikipedia

Ab hier geht die Luft aus dem klassischen Rechtssystem raus, welches dazu geeignet ist, die Auswirkungen(!) gesellschaftlich tolerierter Unvernunft zu kaschieren.

Die Ursache gesellschaftlich tolerierte Unvernunft wird dabei tunlichst nicht in Frage gestellt. Denn an dem Punkt gehen nahezu alle Geschäftsmodelle „über den Jordan“.

Warum es jedoch noch weitergeht?

Man ignoriert und stigmatisiert die Andersdenkenden. Damit die einen weiter daran „glauben“, weil sie dafür belohnt werden, es zu vertreten – erkennen damit auch ihre Vorgesetzten an. Die Beglaubigung auf amtlich erscheinenden Dokumenten, ist symbolisch gesehen nur die Anerkennung der Machtstruktur.

Die anderen wiederum „glauben“ daran, wenn sie betroffen sind, weil ihnen etwas „weggenommen“ wird oder buckeln, um nicht in den Fokus der Autorität zu gelangen.
Es erweckt manchmal den Eindruck, dass es immer noch eine dünnere Staubschicht gibt, worunter sich so manche zu verkriechen verstehen… klassisch ausgedrückt.

„Ja, aber… ich muss doch.“

Woran glauben beide im Grunde genommen? An Geld, Eigentum, Besitz, Hab und Gut – das ultimative Werkzeuge der Fremdsteuerung. Dies verbunden mit der Vorstellung, dass es so etwas wie Besitz und Eigentum gibt, der einem wieder weggenommen werden kann – wenn man nicht „brav und artig“ ist.

In dem Fall handelt es sich nicht um Rechte auf Besitz und Eigentum, sondern um Privilegien, die man jemandem, wenn er vom Glauben an die Autorität (nicht an das Göttliche, sondern nur an die Vertreter) abfällt, wieder entzieht.
Auch diese Privilegien sind lediglich Erfindungen, da niemandem irgendetwas oder irgendjemand „gehört“.

Damit das ganz hübsch funktioniert, erzählt man der Masse eine Runde „Unfug“ über das, was „Gott“ sein soll, damit die „Alternativlosigkeit“ die Abtrünnigen immer wieder als reuige Sünder zurücktreibt.

Besitz und Eigentum, i. V. m. mit dem Akt des Kaufs oder Erwerbs (also einem „so tun, als ob“ man etwas gegen etwas anderes tauscht, dessen Hintergrund stets auf dem Glauben an Geld basiert, erzeugt die Illusion des Besitzes (Besetzung) von Materie oder Macht (Möglichkeit zur Bestimmung über das Leben anderer (durch Wahlen oder Eroberung)) – die Eroberung des Sandkastens an einem Sandstrand.

Materie in ihrem eigentlichen Sinne ist lediglich ein Mittel zur Speicherung des Gelernten und Erkannten im Akt der Organisation von Materie – denn ohne Reflektion keine Entwicklung.

Durch Schaffung von Markt, Handel und Verkauf von Wertgeschöpftem, wird von diesem Aspekt bewusst oder unbewusst abgelenkt.
Auf diese Weise halten sich die Betroffenen (gegenseitig) selbst von einer Entwicklung ab, während andere nur von der Wertschöpfung profitieren, ohne selbst welche zu betreiben.

„Die Kolonialmacht hat die Münzen geprägt und hat gesagt: „Ihr wirtschaftet, ihr müsst uns Steuern zahlen, aber in diesem Geld“.
Also: Sie haben Steuern als Zwang eingeführt, damit überhaupt Geld verwendet werden musste, um Steuern zu bezahlen. Und da haben sie gesagt: „Wie kommen wir dann das Geld?“ „Ganz einfach dafür machen wir für euch den Markt.“
Franz Hörmann