Der Glaube hält die Dinge zusammen

Ob man sich „für“ oder „gegen“ etwas entscheidet, ob man etwas für „gut“ oder „schlecht“ befindet, ob etwas „gültig“, „geltend“ oder entsprechend nicht gültig oder nicht geltend sein soll, ist der „Sache“ an sich egal, solange man ihr Aufmerksamkeit schenkt oder Aufmerksamkeit „verordnet“ bekommt.
Solange ein Einzelner oder ein Kollektiv in diesem Modus unterwegs ist, solange mag man sich mit der Sache beschäftigen – und wenn es sein muss, auch bis zum Sanktnimmerleinstag.

„Es sind nicht die Dinge an sich, die uns beunruhigen, sondern die Bedeutung, die wir den Dingen verleihen.“

Leihen ist dabei der wahrlich treffende Ausdruck: etwas auf Zeit geben.

Einer Sache Bedeutung verleihen, gilt im Besondern für die oft überall geforderten Werte, die man in sich selbst zu entwickeln hat.

Die Entscheidung, einer Sache keine Aufmerksamkeit mehr schenken zu wollen, bedarf der Widmung und der Schaffung einer anderen Sache, damit die vorhergehende zunehmend ihre Bedeutung verliert.
Wenn es bspw. nur darum ginge, einen anderen Staat schaffen oder „ausgraben“ zu wollen, weil das aktuelle System sich zunehmend komisch „entblößt“, wäre dies im eigentlichen Sinne eine einfache Angelegenheit. Doch warum gestaltet es sich dennoch nicht so einfach?

Das liegt daran, weil vom Prinzip(!) her auf der Ebene einer „Staatsbildung“ keine wesentlichen Unterschiede zwischen der vorhergehenden und der zu gestaltenden Struktur bestehen würden. Und einfach nur von „gültigen Gesetzen“ und „gerechten Vorgesetzten“ sprechen zu wollen, kann es wohl nicht sein.

Denn würde man sich nur wieder eine Struktur erschaffen, wo Wertschöpfungsfreie über Wertschöpfer urteilen und Letztere wieder einmal „Mehrwert“ zu erbringen haben, um wiederum nicht wertschöpfende Strukturen mitzuversorgen. Und wer nun näher darüber nachdenkt, wird erkennen, dass wir das alles schon einmal hatten oder haben.

Das wäre ja alles auch kein Problem, wenn sich der nicht wertschöpfende Teil nicht durch zunehmende Aufgabenerfüllung und damit verbundene, symptomorientierte Arbeitsteilung über die wertschöpfenden Strukturen zunächst „wie von selbst erheben“ würde – und später die vordringliche Selbsterhaltung(!) mehr und mehr ins Auge fasst.

„Babel, ick hör‘ dir trapsen.“

Deshalb sind die Nichtwertschöpfenden auch daran erpicht, die „Artigen“ bei Laune zu halten und Aufrührer notfalls zur „Vernunft“ zu zwingen oder auch: Man ist solange Bruder, wie man genauso denkt. Und wenn das nicht mehr funktioniert, erfolgt die Ausgrenzung (also im Kern: die Verdrängung).

Dass jene sich dabei gewohnt gegenseitig das in ihnen selbst ruhende Feindbild aufprojizieren (vorwerfen), daran glaubt in der Regel noch kaum jemand. Feinde sind ja immer die „anderen“.
„Feind sein“ beginnt klassisch bereits dann, wenn „andere“ nicht der gleichen Meinung sind, wie man selbst. Somit kann es sich in der Feindbild-Projektion nur um ein Nullsummenspiel handeln, wo letztendlich niemand gewinnt – es sei denn, es wir umgedacht.

Es bedürfte auch einer absoluten Gewissenlosigkeit, wenn man aus einer Sache als Sieger hervorgehen wollte, wo nicht zumindest die eigene Psyche nachher ebenfalls „durch die Mangel gedreht“ wird.
Deshalb wählt man dazu die geeigneten Akteure aus, die sich durch übermäßigen Gehorsam „berufen“ fühlen, jene Dinge zu tun, die unsäglicher Natur sind und nicht selten im „Sinne gesetzlicher Vorgaben“ geschehen. Egal, von welchen Gesetzen nun die Rede sein mag.

Das System und seine(!) Gesetzmäßigkeiten (von denen die geschriebenen lediglich zurechtgefriemelte Abkömmlinge sind), überlagern also jeweils die beiden „Feindeslager“, die sich nicht selten dann nicht nur in gegenseitiger Beschuldigung, Stigmatisierung und Verachtung für einander bewegen und auf den jeweils anderen projizieren. Sie sind zueinander Spiegel, ohne davon zu wissen.
Hinzukommt dabei, dass jeder den anderen zu seiner eigenen Vervollständigung und Lösung benötigt. Das wäre so die Kurzbeschreibung eines Harmagedon: Die letzte Schlacht zwischen „Gut“ und „Böse“. Somit kann die Lösung nur darin liegen…?

Das alte System ginge vielleicht nochmals bei einem gänzlichen Neuanfang. Doch wer will diesen Preis bezahlen? „Woanders“ ja, aber nicht bei einem selbst. Was demzufolge also Blödsinn ist. Und die „Zurückführung“ würde dann für die Verbliebenen im Mittelalter ihren Neuanfang finden und nicht selten noch in der Mehrheit der Köpfe unterwegs ist.
Die übliche Trennung von Wertschöpfern und Nichtwertschöpfern, wäre zu Beginn kein Problem, wenn nicht der nicht wertschöpfende Anteil durch die ihm zugeschobenen Probleme (Systemsymptome) und damit verbundener organisatorischer Arbeitsteilung, was dazu führen würde, dass aus einer „Zusammenarbeit“ zunehmend eine „parasitäre Zusammenarbeit“ wird – also insgesamt ein „No-Go“.

„Zeit, die Ärmel hochzukrempeln.“

Bei be- und entstehenden Strukturen kann man über längere Zeit diesen schleichenden Transformationsprozess sehr gut beobachten, und deshalb macht es keinen Sinn, parallel ähnliche Organisationsformen aufzubauen, die sich an den gewohnten Verhalten, Konventionen und damit verbundenen Werkzeugen orientieren. Das gilt im Wesentlichen auch für die klassische Vorstellung von Politik und ihren „Auftraggeber“.

Denn das Kreuz bei der Wahl ist lediglich der symbolische Akt, die Verantwortung auf andere übertragen zu wollen, die wiederum andere ernennen und damit beauftragen, auf die einstigen „Kreuzchenmacher“ (Auftraggeber) zurückzuwirken. Man „erntet“, was man sät.

Dass die so entstehenden Positionen in der Regel mit Menschen gefüllt werden und diese ja auch ein Anrecht auf Leben haben, versorgen die einstigen Auftraggeber nun diese Struktur durch Steuern und Abgaben, die sie zuvor mit ihrem Denken und Handeln „gewertschöpft“ haben.

So etwas wie eine „Lösung“, wie sie überall propagiert gefordert wird, wenn man den Forderungen glauben schenkt, kann also nicht darin bestehen, es wie bisher zu machen, damit es anders wird.
Das Prinzip „vom mehr des Selben“ findet dabei immer nur ein Ende… wenn nicht umgedacht wird.

Sicher kann man dabei alles jetzt noch viel komplizierter reden, was jedoch zu nichts führen würde. Beobachtet.

Jeder weiß, dass die Wahlgesetze keine Relevanz mehr haben und dennoch wird gewählt. Denn es wird nicht gewählt, weil es Wahlgesetze gab, sondern aus der Gewohnheit heraus, die Verantwortung abgeben zu wollen – man hätte ja sonst gar nichts, wo man in der Politik etwas „entscheiden“ könnte. Hust, hust.

Dass den Auftraggebern in diesem Spiel gar nicht klar ist, dass sie selbst eine Struktur erzeugen, die ihnen eines Tages um die Ohren fliegt, übersieht man geflissentlich, da ja stets die eine oder andere „Belohnung“ winkt oder man sich am Ende den schwer erarbeiteten Rentenbonus erhofft – auf eine der letzten Sendungen der „Anstalt“ verweisend, dass es dem nicht so ist.

„Betreuungsanstalt.“

Dabei fällt mir gerade der gesellschaftliche Selbstbetrug ein, der sich nicht selten aus der zeitlich versetzten Satzkombination ergibt: „Wir wollen, dass ihr es mal besser habt“, in Verbindung mit: „Ihr seit solange gut, solange uns dies gefällt“. Es handelt sich stets um eine rückwärtsgewandte Entwickeln – also eine gesellschaftliche Degeneration, basierend auf einer Anfangsbedingung.

Sich also andere erwählen zu wollen, macht letztlich keinen Sinn, die dann den Karren für alle aus dem Dreck ziehen sollen. Das endet in der Regel nur in Beschäftigungstherapie.
Auf der anderen Seite zeigte sich die Politik sogar mal erbost, wenn der Bürger die Dinge selbst in die Hand nahm.
Man darf also alles, nur die Autorität und ihre Methoden nicht in Frage zu stellen, was jedoch der einzige Ausgang darstellt – indem man das System hinter der Autorität in Frage stellt – wobei es erforderlich ist, das Alte in seinen Prinzipien gänzlich(!) in Frage zu stellen.

Das Opfer wird in der Regel fragen: „Was habe ich davon?“ Das ist prinzipiell die gleiche Frage, ob Selbstwertgefühl für einen selbst von Nutzen sein. Erlebtes. Kopfschüttelnd.

Auf der anderen Seite machen sich die Gewählten und ihre Strukturen zunehmend Gedanken darüber, da sie sich einen ruhigen Lebensabend erhoffen – gewohnt auf Kosten der Wertschöpfenden. Alles völlig normal. Kein Vorwurf.

Und so beschließen jene gesellschaftliche Probleme auf die Weise lösen zu wollen, indem statt das Problem wirklich lösen zu wollen, nur den Schein einer Lösung angeboten und umgesetzt wird, die sich in der Regel als „Symptombekämpfung“ herausstellt und bei genauerer Betrachtung sogar nur dem Strukturerhalt auf Kosten der breiten Masse dient.

Das was es zu überdenken gilt, ist das System an sich, was – vereinfacht ausgedrückt – aus der Gewohnheit heraus erschaffen wird. Die gilt es in Frage zu stellen, statt sich nur irgendwelcher Täter und Schuldigen zu widmen.

Denn solange dies geschieht, dreht sich die tosende Mehrheit nur im Kreise und je mehr dies sind, umso schneller muss sich die Waschmaschine drehen, wo es zu besagten Opfern kommt, die man sich ersparen könnte.

Dass die „Opfer“ sich selbst zu Opfern gemacht haben, will in der Regel kaum einer anerkennen, stellt er sich nicht selten als „Kämpfer für das Gute“ dar.
Doch ist das Kämpfen auch nur ein Handlungsmuster, was auf einer Verdrängung beruht – auf der Verdrängung, mal den eigenen Kopf zu benutzen und sich die Frage zu stellen, ob das „Gewusste“ für eine „Lösung“ überhaupt ausreichend erscheint.

Wenn also der ganze Zusammenhalt des Systems nur auf Glauben an seine Kernmechanismen beruht und man selbst nur „dagegen“ ist, dann ist man letztlich doch dafür.

„Kann mir nochmal jemand das PDF mit dem Gewohnheitsrecht zuschicken?“

Es erfordert also ein Vielfaches an Gehirnschmalz, als nur von einem ins nächste Hamsterrad „jumpen“ zu wollen. Hamsterrad meint hier: von einer hierarchischen Ordnung zur nächsten.

Das wiederum bedeutet, dass es wieder nur ein großes „Kriegslager“ gibt, wo für alle die gleichen Prinzipien gelten, nur halt mit anderen „Vorgesetzten“ in anderen Zelten, die man „anzubeten“ hätte, um wieder Zugehörigkeit, Aufmerksamkeit, Anerkennung und Belohnung (falsche Liebe) zu erhalten, während der nächste „Feind“ auserkoren wird.

An dieser Stelle kann ich für mich getrost sagen, dass ich froh bin, mein Ding zu machen: die Infragestellung des Systems an sich. Dazu braucht es weder ein Gesetz, noch einer Fremdbeauftragung oder Erlaubnis, noch einer juristischen Person, wie z. B. ein Staat, ein Verein, eine Partei, eine Gemeinde oder einen Bundesstaat etc., um dies zu tun.

Sicher mag hinter den genannten Strukturen Ehrenhaftes zugrunde liegen, doch regt sich in der Regel dahinter nur das Verhalten, seinen „Besitz sichern“ zu wollen – das Bestehende, das Liebgewonnene, das – Gewohnte – gefolgt von sich zunächst sicher fühlenden Untergebenen und deren erkorene oder „selbsternannte“ Vorgesetzte, verbunden mit der Unterwerfung unter künstlich geschaffene Gesetze.

Solange nicht die Bereitschaft besteht, „einander als Mensch auf einer grünen Wiese“ bewegen zu wollen und man sich schon vorher wieder an vorgegebene „Regeln und Erwartungen“ zu halten versucht, wird das nichts.

Der Grund, warum auch so viele Aktionen zum Scheitern verurteilt sind, jedoch auch den Gedanken eines Weiterdenkens und damit verbundenem Infragestellens des bisher Erreichten in sich tragen. Es nutzt also nichts, prinzipiell(!) (vom Wesen her) dem Selben nur einen anderen Namen geben zu wollen.

Denn es wäre nur das Gewohnte: der Mensch (so hart es klingen mag) schafft eine „leere“ Struktur mit einem schönen Etikett. Das nennt man Täuschung und im eigentlichen Sinne ist es eine Selbsttäuschung. Das wiederum zieht weitere „leere“ Menschen (mit Erwartung) an.

Das beantwortet auch so manches persönliche Gespräch, warum bei einer „Gemeindegründung“ keiner mitmacht. Wenn bei den anderen die ökonomischen(!) Grundlagen bereits geregelt sind und das „vermeintlich Neue“ nur eine leere Hülle (Hölle) darstellt, so braucht man es nicht. Denn ist die Ökonomie ja aktuell bereits von Nichtwertschöpfern „besetzt“.

Bevor man also etwas „startet“, gilt es sich selbst zu erfüllen und dann stellt sich die Frage, ob man das „zu Startende“ überhaupt noch benötigt.

Wie wäre es, mal über die Grenzen der Konventionen hinauszudenken?

Musikalische Untermalung: „Young Sherlock Holmes“

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