Der Moment, wo die Lüge die Welt betritt

(v1.1) Vielleicht kennen Sie ja den Spruch: „Man kann dem Volk nicht die Wahrheit sagen“. Da ist in der Tat etwas Wahres dran – und auch, warum sich das ganze Szenario so hinzieht.

Was bisher zur Erhaltung des Systems der alten Ordnung von nutze war, entpuppt sich im Sinne des Wandels als anerzogener, langsam dahinschmelzender Hinderungsgrund dar: der verdreht gelernte Umgang mit der Angst. Die führt zu einem nahezu Stillstand in der natürlichen Entwicklung des Menschen. Also eine reine Kopfsache.

Das dabei entstehende Bild sieht so aus: Den Schlüssel in der einen und den Daumen der anderen Hand auf dem Schlüsselloch, während der Betroffene schreit: „Lasst mich raus, Ihr Schweine!“ Die „Betreuer“ werden nur zögerlich (im Sinne von indirekt) darauf hinweisen, was er nächste, wirklich sinnvolle Schritt ist.

Der verdreht gelernten Angst steht die Lüge gegenüber, die mit der Bestrafung zu einem Mittel, um sich vor weiteren Bestrafungen schützen zu wollen, einst entstanden ist – als wirksames Mittel der Verdrängung. Die weitläufig in der Familie anerzogene Obrigkeitshörigkeit ist dabei das Ziel. Auf diese Weise sind der Manipulation Tür und Tor geöffnet. Der pauschale Unglaube (ebenfalls ein Mittel zur Verdrängung) hält Einzug.

Aus der Lüge entstehen all jene Scheinwelten, die dann als einzige und unumstößliche Realitäten existieren dürfen, mit der sich die so programmierte Gesellschaft immer weiter vom Leben entfernt – während sie der festen Meinung ist, das sei bereits das Leben selbst, was sie zu leben glauben. Jedoch ist es nur ein Leben aus Fiktionen und Rollenspielen – „so tun, als ob“.

„There’s a man goin‘ ‚round takin‘ names
And he decides who to free and who to blame“
The Man Comes Around, Johnny Cash

„Herr Berg, was können wir wegen des Geldes tun?“ „Glauben Sie einfach nicht mehr daran.“

„Es gibt nichts zu fürchten, außer der Furcht.“ Scarecrow, „Batman begins“, 2005

Auf den Ausgang hat jeder selbst zu kommen. In der Regel würde er es kaum glauben (wirklich annehmen). Auch dies ist ein Verhalten zur Aufrechterhaltung der „öffentlichen“, durch den Schutz der eigenen geistigen „Ordnung“.

Die beiden mit dem System zusammen existierenden Methoden Belohnung (für Entsprechung und Hörigkeit) und Bestrafung (für Abweichung) (Anmerkung: klingen wie Kain und Abel) und damit verbundene, irrige Vorstellung von „Gerechtigkeit“ (im Sinne von Rache und Vergeltung) und „Frieden“ (Verdrängung von allem, was die eigene Ruhe stört), beherrschen nicht wenige Köpfe – sowohl bei den Betreuern wie auch Betreuten.
Gerade dieser Umstand lässt die Sache heikel werden.

Es geht darum, dass der sich belohnt gegängelt fühlende Mensch darüber bewusst wird, sich selbst für das was Freiheit bedeutet stark zu machen. Und selbst das, was ihm bisher als „Freiheit“ dargelegt wurde, ist nur ihr Zerrbild. Freiheit hat auch nichts mit „finanzieller Freiheit“ gemein, ist diese das genaue Gegenteil.
Jetzt wissen Sie, wo Sie sich bewegen. Wenn Ihnen nun das „mit-oder-ohne-Geld-Argument“ über die Lippen geht, liegt das an Ihrem „Ich“, was Ihnen sagt, was Sie in seinem Sinne „zu glauben“ haben – ob Sie wollen oder nicht.

Die Frage nach dem Geld haben oder nicht, ist die falsche Frage. Es ist die Frage, auf welche Art und Weise es zu einem gelangt. Und das macht den Unterschied aus, wie der Mensch lebt.
Das Präsentieren und Erkennen wollen von Feindbildern, ist dabei das Mittel, sich selbst oder durch die Feindbild-Schauspieler über den Tisch zu ziehen – verbunden mit gewohnter Schuldzuweisung. Es ist sinnvoll, dies dauerhaft unterbleiben zu lassen, wenn man einen wirksamen Schritt weiterkommen will.

Dem ganzen Tamtam kommt die kollektiv vereinbarte (und belohnte) Reduktion des Menschen auf Arbeiten und Haben hinzu, gefolgt von der Abgrenzung der Menschen zueinander, um sie gegenseitig vor sich selbst zu „schützen“.
Auf diese Weise wirkt ein gewaltiger Mechanismus belohnter Selbstunterdrückung, während der sich unterdrückt fühlende an „sein“ Schicksal gewöhnt zu haben scheint.

Die Lüge als solche zu enttarnen ist dabei kein Anlass gleich von Wahrheit sprechen zu wollen, sondern lediglich von einer wahren aussage – im Sinne der Logik. Denn Wahrheit ist nochmal etwas ganz anderes.

„It‘s true, but not truth.“

„Wahrheit ist das, was funktioniert.“ Ernst von Glasersfeld

Musikalische Untermalung: