Der rote Faden – Teil 11: Rückwirkende Abhängigkeiten

Nicht, dass das „Ich“ nur für sich an seiner Programmstruktur festzuhalten versucht, findet es sich gern in Parteien, Gruppen und Interessensgemeinschaften zusammen, um im Kern genau dieses Grundverhalten kollektiv weiter propagieren zu wollen.
Deshalb haben derartige Verbünde immer geistige Grenzen, wenn das Ziel ist, den Bewusstwerdungsprozess damit auszuhebeln versuchen.

Politisch motivierte Ideologien finden sich in der Regel als parteiliche Aushängeschilder wieder, deren Gedankengut (Liedgut) man sich gewohnt anschließen kann – in der Regel hierarchisch organisiert und mit einem Feindbild ausgestattet.

„Solange Du jemanden wählst, der darüber befinden, was für Dich „gut und richtig“ sein soll, sollst Du im Schweiße Deines Angesichts, das Brot des anderen verdienen.“

Ungeachtet, dass bei der klassischen Politik insgesamt erkennbar ist, dass sie sich zur Strukturerhaltung, über die „Parteigrenzen“ hinweg, mit Gleichgesinnten in „Koalitionen“ wieder zusammenfindet.
Es geht in der Regel um die Aufrechterhaltung erklommener Machtstrukturen und Positionen und des kollektiven Ichs.

Dieses Spiel geht solange weiter, wie es Unbewusste gibt, die das – ohne in der Regel nachzudenken – stimm- und lautlos (nicht selten belohnt) mittragen, weil sie selten darüber Bescheid wissen, was mit ihnen eigentlich traktiert wird oder, wenn sie es wissen, es einfach nur noch ertragen und sich andere zumindest beklagen und dass das eine oder andere unbedingt „gesetzlich geregelt“ werden muss.

Dabei macht es Sinn, sich vom Glauben an Gesetze und gerechte Vorgesetzte an sich zu trennen, denn ändern Gesetze nicht wirklich etwas. Und Gesetze bestrafen nicht, dass sind immer die willig-belohnten Handlanger. Belohung und Bestrafung sind Erfindungen des Ichs zur Kontrolle, Regulierung und Aufrechterhaltung seiner Struktur(en).
Mit Gesetzen und Änderungen lassen sich tolle Schreckgespenster bei jenen erzeugen, die sich über ihre einige Manipulierfähigkeit so gut wie keine Gedanken machen, weil sie auch nur an ihren Ich-Mustern kleben, dafür auch noch belohnt werden oder sogar schon ihren Besitz in Gefahr sehen.

Auf der anderen Seite meint man immer noch durch „Gesetzgebung“, auftretende Symptome bereits gemaßregelt zu haben. Das ist ungefähr so, als ob man in 1000 Metern im Ballon fährt und versucht, mit einem Wohlfaden, einen auf der Straße angeklebten Kaugummi aufheben zu wollen.

Wie gesagt: Das muss alles auch so sein, damit erkannt wird, dass das System und seine Prinzipien in der jetztigen Form so keine Zukunft mehr besitzt, als nur die Erkenntnis zu erleben, wie es nicht funktioniert.

Wenn klassisch von „Machtkampf“ gesprochen wird, ist der größte Fehler überhaupt zu glauben, dass es andere gäbe, die die Angelegenheiten der Betreuung später wohlwollender bewerkstelligen. Mehrheitliche Machtbestrebungen, in der Regel mit der Absicht einer Ablösung vorhandener „Vorgesetzter“, enden im gewohnten System. Und damit verbunden: die Realisierung und Bestätigung des Systems selbst. So die sinngemäße Erkenntnis eines AfD-Mannes vor einigen Jahren.

Es gilt zu erkennen, dass „wohlklingende Etiketten“, wie „Deutsches Reich“, Partei- und Vereinsbezeichungen oder ähnliches, überhaupt keine Auswirkungen haben, wenn die Masse der Akteure sich in ihren Denk- und Verhaltenmustern gefangen hält: Betreut werden wollende und nette Betreuer.

Aus diesem Grund kann man sich auch von allem entspannt fernhalten, wenn man selbst erst einmal erkannt hat, dass das eigentliche – klassisch ausgedrückt – „Übel“ durch die Hierarchie selbst verkörpert wird, was letztlich nur der organisatorische Ausdruck für das „kollektive Ich“ darstellt.

Da sich kaum ein „Ich“ selbst anpassen mag, wählt es sich ein Über-Ich, was dann darüber befindet, was „gut und richtig“ (im Sinne des Erhaltens) sein soll, bis irgendwann die Spitze erreicht ist – vereinfacht ausgedrückt. Dabei ist es vollkommen Wurst, wie eine Hierarchie betitelt ist. Selbiges gilt auch für personelle Titel an sich, die einen hierarchischen Aspekt in sich tragen oder gar heraufbeschwören.

„There’s a man goin‘ ‚round takin‘ names.
An‘ he decides who to free and who to blame.“
The Man comes around, Johnny Cash,

Um sich den Auswirkungen einer hierarchischen Ordnung (aus klassisch konditionierten Ichs in vordringlich einseitigem Empfangen) zu entziehen, reicht es nicht, auf der „Ebene der Gesichter“ andere sich wohlwollend Gebende „zusammenkreuzigen“ zu wollen.

„Ein „Ich“, was sich zu erhalten versucht, wird stets die ihm dargebrachte oder dargebotene Macht missbrauchen, um seinem Programmerhaltungstrieb nachgehen zu wollen.“

„Zwang“ entsteht, wenn man selbst nicht erkennt, dass man nur ein „Ich“ hat, jedoch nicht das „Ich“ (Programmierungen) ist.

In diesen Absätzen ist auch bereits die Lösung – sonst mehrheitlich „woanders“ hinprojizierter „Beauftragung“ – enthalten: Die freie Entscheidung liegt beim Individuum selbst und in der Entwicklung seiner Vernunft: von gewohnter vordringlich einseitiger Ausrichtung im Empfangen (überlagert im Nehmen) und Festhalten, hin zum bedingungslosem Geben und bedingungslosem Empfangen.

„Nimm‘ Dir noch einen Apfel, bevor du gehst, Eva.“

Es handelt sich hierbei um einen selbstauferlegten Lernprozess und keiner „von jetzt auf gleich“ Zustandsänderung und auch der Grund, warum man den anderen keinen Groll entgegenbringen braucht, weil sie ja selbst aus dem System heraus wollen.

„Am Tun wird man sie also erkennen.“

Ich muss gerade schmunzeln, wenn in den vielen stattgefundenen Dialogen, der Satz wie aus der Pistole geschossen kam: „Ja, aber wie willst du das denn den anderen(!) erzählen?“

Offen gesagt, interessieren mich in einem Dialog nicht irgendwo, irgendwelche „anderen“, sondern die Anwesenden.

Auf der anderen Seite gibt oder gab es so manchen „Reichsbürger“, der sich als selbsternannter Fürsprecher seiner anonymen Gleichgesinnten in der „Verantwortung“ sah, über deren Kopf hinweg zu entscheiden, was für sie „gut und richtig“ sein soll.

Solange sich die sogenannte „Reichsbürger-Szene“ nicht über ihre eigenen Verhaltensmuster Gedanken macht, solange verweilt sie wie in einem Auffangbecken kollektiver Unzufriedenheit und Wehklagerei – als Ergebnis eines übergeordneten Strukturerhaltungs- und Ausfilterungsprozesses der alten Ordnung.
Im Kern sind sie auch nicht wirklich „gefährlich“, da das Denken, dem Systemdenken (alte Weltordnung) entspricht und jene prima als „Feindbild“ herhalten können – mal was Provokantes.

Das System (im Kern dass es erzeugende Ich) funktioniert solange, solange Feindbilder in die Welt posaunt werden und dies wiederum solange, wie nicht über die gewohnten Denkgrenzen hinausgedacht wird: die Beschäftigung mit der eigentlichen Bedeutung der Vernunft und damit verbundene Selbstentwicklung, sich entwickelnde Authentizität und Souveränität (also nicht die gewohnte Schutzform davon) udn damit fundamentale Veränderung des Menschen in seinem Wesen.

„Weiterdenken, statt nur weiter denken.“

Die Lösung liegt nicht in der Schaffung „neuer anderer“ hierarchischer Strukturen und Ansammlungen von sich (freiwillig) unterwerfenden Untergebenen und ihren gewählten und selbsternannten Vorgesetzten.

„Wir stehen alle hinter dir,… wenn die Kugeln kommen.“

Wie gesagt, es ist vollkommen egal, wie die Hierarchie benannt wird: ob Deutschland, Hessen, irgendeine Stadt oder Gemeinde, Verein, Partei oder Familie oder welche Farbe es hat.

„Es gilt erst einmal ein Bewusstsein des Missstandes zu schaffen. Jetzt nicht gleich zu fragen: „Gib doch die Antwort.“
Ein Dutschke will keine Antwort geben. Das wäre genau die manipulative Antwort, die, ich nicht zu geben bereit bin.
Denn was soll es bedeuten, als Einzelner Antworten zu geben, wenn die gesamtgesellschaftliche Bewusstlosigkeit bestehen bleibt. Die muss durchbrochen werden, dann können Antworten gegeben werden…“
Rudi Dutschke

„Es geht nicht darum, was du wählst, sondern dass du überhaupt andere zu wählen vorhast. Das Ergebnis wird stets eine mehr oder weniger schöne Betreuung für Dich sein, die nichts mit Selbstbestimmung zu tun hat.“

Die klassische Wahl funktioniert auch nur noch, weil auf den Wahlplakaten freundlich gelächelt wird, während der Wähler viel zu „beschäftigt“ ist, dass das gesamte System, in dem er sich bewegt, seine Vorgesetzen wählt, sich nur auf seinem Rücken austobt.
Für seine Beschäftigung wird er ja auch „belohnt“ und wenn man hier die Belohnung sukzessive herabsetzt, wird er sich in der Regel seinem „Schicksal“ fügen, weil er selbst nicht nachdenken will und auch nur unter seiner gewohnten „Ich-Problematik“ funktioniert und immer noch eine Ausrede findet, nichts zu untenehmen.

„Wer sagt, dass er keine Zeit hat, hat tatsächlich keine. Wer sich Zeit nimmt, wird erkennen, dass er welche hat. Eine Sache der Selbstkonditionierung.“

Das muss auch alles so sein. Denn manche lernen nur mit Schmerz, den sie selbst erzeugen, weil sie sich an ihre alte Programmierung klammern, im Glauben, sie seien(!) diese Programmierung.

Zu sehr noch versucht sich eine große Mehrheit (in der Szene), vom Alten trennen zu wollen, während man jedoch fleißig auf „gestrige Mittel“ zurückzugreifen versucht und so Kampf, Niederlage und das Gestrige automatisch vorprogrammiert sind.

Verteidigung und Kampf finden in der Regel auf der gleichen Ebene statt, wo es letztlich nur darum geht, entweder der eine oder der andere. Beide im Mechanismus, am Vorhandenen festhalten zu wollen.
Treffen zwei klassische Ichs zusammen, von denen jedes sich zu erhalten versucht, funktioniert die Zusammenarbeit solange, wie der äußere „Anlass zur Besorgnis“, bspw. ein gemeinsamer Feind, gegeben ist.

Mit „Feind“ bezeichnet man in der einfachsten Form jemanden, der nur eine andere Meinung, als man selbst hat. Wobei „der Feind“ wiederum nur eine Erfindung des Ichs ist, um seine eigenen Programmierung vor Veränderung schützen zu wollen.

Angesammelte Besitztümer und damit verbundene Besitzstandsicherung, sind dabei nur der äußere Ausdruck dieser Schutzfunktion. Das kann man auf die „eigenen“ Wertschöpfer und deren Fähigkeiten erweitern.

Die Kernfunktion, an der sich das „Ich“ festzuhalten versucht, ist seine Konditionierung der Programmierung im vordringlich einseitigen Empfangen (besser: Nehmen).

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