Der Verfall klassischer Systemstrukturen

Wenn einem was nicht passt und der Frustbedarf nach dringlicher Deckung verlangt, gründet man einen Verein, eine Arbeitsgemeinschaft oder eine Partei.

Dann finden sich alle unter jenem Etikett zusammen, um der Verdrossenheit entsprechend kollektiven Ausdruck verleihen zu wollen. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man merkt, dass es irgendwie nicht so weitergeht, wie man sich dies zu erhoffen glaubte.

„Wir haben dich gewählt, damit du für uns was tust“, sagen in der Regel die Blinden unter den Einbeinigen.

Doch warum sollte es jenen besser, als den anderen gehen, wenn sie sich auf die selben Mechanismen berufen, die andere auch gewohnt besetzen. Und so kommt es zum gewohnt lustigen Nebeneinander, um die Gunst der Wählerstimmen, Erkierwilligen und Mitglieder – auf der Suche nach wirksamen Lösungsmustern und Erlösern.

Doch wie sich zeigt, reicht es in diesem Wandel keineswegs aus, nur kräftig genug „gegen etwas“ zu sein oder andere vor sich herschieben zu wollen, während wahrgenommene Probleme weiterhin unbehandelt bleiben – das „Stimmengewirr“ von einem Trog zum anderen hetzend. Altes tendiert zunehmend zur Selbsthaltung, während man sich gemeinsam an goldenen Rettungsringen klammert – bevor alles versinkt.

„Wenn sich die Weltanschauung ändert, so ist dies nur die Art und Weise der Betrachtung, was wir als „Welt“ vereinbaren.“ „Ach so. Also zunächst eine rein mentale Angelegenheit, wenn die Welt ‚untergeht‘.“

„Ja, aber was willst du denn machen?“, lautet in der Regel dann die Frage und die entspricht gewohnt genau jener Geisteshaltung, derer sich der Fragesteller gleichzeitig zu entziehen versucht. Wer hinterfragt schon das Denken, welches zu jenen Problemen führte, mit dem man die Probleme jedoch nicht mehr aus der Welt schaffen, jedoch fleißig betreuen kann?

„Gib doch schnell eine Antwort, damit wir wieder so weitermachen können, wie bisher.“

Jedoch genügt es dieses Mal nicht, nur eine kurzzeilige Antwort in den Raum zu posaunen, damit die Erkorenen oder Selbsterkorenen aufschnappend nur weiter das bekannte Schauspiel galant zu Markte tragen. Sichtlich erkennbar, dass die Politik, die man bekämpft oder stigmatisiert, mehr für den Wandel unternimmt, als der Widerstand zu erkennen glaubt – denn zum Wandel bedarf es eines „Durcheinanders“.

Und schon kann ich die Klageweiber wieder hören, die sich mit selbsterfüllender Prophezeiung übend, bereits auf „ihre“ Unterwerfung (aller Menschen) einstimmen – dabei eine Träne der Entrüstung verlierend, während sie in ihrem eigenen Umfeld selbst ein manipulativ-destruktives Verhalten zu oktroyieren versuchen.

„Wir werden alle unterworfen, versklavt und unterjocht.“ „Wieso ‚wir‘? Nur du.“

„Der klassische Zombie frisst kein Fleisch. Die eigentliche Verseuchung geschieht über den Geist.“

Wenn also zur Massenbildung aufgerufen wird, geschieht dies nicht selten unter der Fahne kollektiv vereinbarter Opferhaltung.

Engagierte Lösungen, wie sie weiträumig und mehrheitlich „gedacht“ sind, bemühen sich in der Regel nur um Pflege und Betreuung oder symptomhafter Bekämpfung, wenn Ignorieren allein zu keinem Ergebnis mehr führt. Und auf Gewohntes zurückgreifen zu wollen, reicht dieses Mal nicht aus.

Mal Ehrlich? Wer will schon Lösungen, wenn es genügt, für fruchtloses und oberflächliches Bekämpfen bereits einen angemessenen „Lohn“ zu erhalten?

Erkennbar, dass es wohl genügt, an Liebgewonnenem weiter festhalten zu wollen. Oder etwa doch nicht?

Weiträumiges Misstrauen ist jedensfalls ein Garant dafür, dass sich die Situation weiter zuspitzt, während die Klagelaute parallel mit anschwellen.