Die Illusion schaffen, erkennen und gemeinsam überwinden

Der Glaube, man könne Verantwortung von sich abstreifen, schafft jene Illusion, dass man sich weiterhin unbehelligt in einer Welt aus Haben, Schönem und Besitz bewegen mag, einschließlich damit verbundenem Ausbleiben von Anpassung an notwendigen Veränderungen durch lernen. Nennen wir es: das Zuträgliche.

Auf diese Weise schuf sich der Mensch auf der anderen Seite das, was er das Böse nennt: das Abträgliche. Und die Kirche nahm diesen Gedanken auf und man teilte fortan die Welt in Gut und Böse. Belohnung und Bestrafung. Diener und Herren. Unvernunft und Kontrolle. Ohnmacht und Macht. Opfer und Täter. Polarisation. Monokausalitäten. Gegeneinander.

Die Ursache beruht auf der Vorstellung, alles sei voneinander getrennt und was man sendet, kommt zu einem nicht zurück und man bewegt sich im Prinzip vom Mehr des Selben. Und um die Illusion aufrechterhalten zu wollen, schuf sich der Mensch das Prinzip der Vermeidung und Verdrängung:

„Das geht mich nichts an!“ und „Damit will ich nichts zu tun haben!“

(In dem Moment, wenn Du es weißt, hast Du damit zu tun.)

Der im Menschen ruhende Bedarf an Wissen durch Lernen (Anpassung an stattfindende Veränderung, also Bewusstwerdung), wurde verschoben auf überwiegend materielle Ausrichtung. Mehrheitlich heute vermittelte Lehrinhalte sind geprägt von der Vorstellung einer getrennt existierenden Welt und halten damit das gleichzeitig zu Wandelnde aufrecht.

Denn im Kern haben wir uns in den letzten 2.500 Jahren nicht wesentlich entwickelt, spiegelt dies unsere Welt wider. Die Abgabe der Verantwortung sorgt für eine Gesellschaft, die sich stets im Kreise dreht.

Doch sind wir nun in eine Zeit gelangt, wo wir nicht länger wegschauen können und erkennen mögen, dass das Wissen – die Vorstellung einer Welt der Dinge und Teile, wie sie Descartes in seiner Maschinentheorie manifestierte, zu keiner Lösung mehr führt. Schuf dieses Wissen komplexer werdende Strukturen, die aufrechterhalten bleiben wollen – und dies stets auf Kosten der Systemteilnehmer oder der Natur.

Der Prozess der Verantwortung trägt jedoch stets beide, sowohl das Zuträgliche wie auch das Abträgliche in sich. Denn ein Bewusstwerdungsprozess bedarf einer Aufgabe, um zu lernen und sich zu entwickeln und auf der anderen eine damit verbundene Energie, die zur Anpassung notwendig ist. Durch das Erzeugen von künstlichem Mangel wird dieser Prozess verhindert – zumindest für eine Weile. Dies geschieht über das Mittel des Geldes.

Sich einfach mal vor Augen führen
Man bedenke: 63 Billionen US-Dollar sind das jährliche Weltbruttosozialprodukt. Das sind echte geschaffene Werte, entstanden durch Produkte und Leistungen. Dem gegenüber stehen einige Billiarden an virtuellem Geld – aus dem Nichts geschaffen, dem sich die Wertschöpfenden durch abgeben der Macht (Verantwortung) hingeben, im Glauben, alles andere ginge sie fortan nichts an oder beträfe sie nicht.

Das Geld ist zu einer Verlockung geworden, dafür die Verantwortung abzugeben und damit ist jener Moment entstanden, wo man die Gewährleistung der Lebensgrundlagen in fremde Hände gab, stehen hinter Unternehmen auch stets jene, die das Geld schaffen und gerne Teile, solange man gemeinsam herrschen mag. Das erinnert mich an den Satz eines Kunden, der mal sagte, ob ich meine Leute „im Griff“ hätte. Ich bin jedoch ein hierarchieloses Miteinander wirken gewohnt, im Sinne von Wissen und Fähigkeiten des Einzelnen im Sinne einer gemeinsamen Aufgabe: Primus inter pares.

Zur Verlockung fällt der Investmentbanker 2010 ein, der ein wirklich treffendes Angebot machte, an den weltweiten Börsen zwischen 100 und 200 Millionen US-Dollar anzusammeln, was ich jedoch ablehnte. Dieser Vorfall zeigt jedoch die Bedeutung jenes Modells, welches wir in  Händen halten, da man damit überfrachtete Strukturen wieder in für die Gesellschaft als Ganzes wirksame Strukturen zurückverwandelt.

„Denn wenn jemand bestimmt was Du isst, was Du trinkst, was du arbeitest und ob du ein Dach über dem Kopf hast, klingt dies nach…“

Um die Kirche und ihre eigentliche Aufgabe wieder ins Boot zu holen, zeigt sie, wie auch das System auf eine sehr eigenwillige Weise in dem Moment, wo man seine Verantwortung nicht mehr verschieben kann, den einzigen Weg, den es gibt: Den zu sich selbst. Dafür Dank.

Zeit, darüber einmal nachzudenken und zu handeln.

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