Die Illusion vorteilhafter Einseitigkeit

In der Regel wächst man in jenem System auf, wo es mehr oder weniger nur um den eigenen Vorteil geht – bei gleichzeitigem Versuch, alles Abträgliche und Nachteilige für sich außen vor zu lassen. Das klassische Ego.

So gewöhnte sich jeder schnell daran, weil es von den Eltern ja auch „gewohnt“ vorgelebt wurde, an ein Leben aus Hab und Gut, Belohnung und Bestrafung zu glauben. Und man war dann etwas, wenn man „besaß“ – etwas hatte.

„Besaß, besitzen, besetzen. Mein, dein, privat und öffentlich.“

Und da die Nummer mit den Vorteilen zu Ende geht, stehen in der Regel alle möglichen Unsäglichkeiten vor der Tür und begehren um Einlass.

Nicht seltenes Verhalten ist dann, die Verantwortung für das Ergebnis für bisherige, einseitige Selbstbevorteilung (Bereicherung) an andere oktroyieren (auferlegen) und damit versuchend, es verdrängen zu wollen.

Und wie in meinen bisherigen Reisen und Beobachtungen zu erkennen ist, ist die gewohnte Reaktion, sich dabei als unschuldiges Opfer hinzustellen und lauthals nach Gerechtigkeit in Form anderer Vorgesetzter rufen zu wollen.

Dabei wird zunehmend erkennbarer, dass der Mensch sich Gesetze schuf – im Glauben – dadurch den Vorteil einer Kontrolle ausüben zu können und so in seiner Selbstermächtigung und kollektiver Abkehr von den universellen Gesetzmäßigkeiten ein Schnippchen schlagen zu wollen. Auf diese Weise erlebt der Mensch nun das, was er „eigentlich“ nicht haben wollte – und dies in einem Nullsummenspiel.

„Wer sich also sein Leben lang bereicherte…“

„Die anderen sind so, also bin ich auch so!“ Zitat ehemaliger Kollege, als Rechtfertigung, sich die Tasche vollmachen zu wollen

Denn die alte Ordnung lebte vom einseitigen Nehmen, Besitzen, Behalten, Haben, und Bekommen wollen – das klassische Ego und gesellschaftlich gelehrte und kollektiv tolerierten, einseitigen Empfangen.

Vielleicht versteht nun so mancher, warum es „Steuern“ gibt (bedingtes Haben, befördert bedingtes Wegnehmen) und warum so manche Situation sich nicht selten so „unerträglich“ zeigt und auch, warum jene dann nach Massebildung rufen.

„Wenn das Nullsummenspiel zu Ende geht, ist Tag der Abrechnung.“

„Sie werden Jammern und Greinen und ihresgleichen für 30 Silberlinge verraten.“

Bei allem wird übersehen, dass es im Sinne der Aufmerksamkeit vollkommen schnuppe ist, ob man „gegen“ oder für den Krieg ist, solange der Fokus auf Krieg gerichtet ist.
Gleiches gilt für „Bürgerkrieg“, „Eliten“, „Regierungen“ und beschuldigte andere. Das sind alles nur selbsttäuschende Verdrängungskonzepte, die den Bogen weiter anspannen lassen und das verdrängte Feedback nur verstärken.

Das ist der eigentliche Abgrund, den der Mensch sich selbst schuf, an dem er nun steht, entweder erkennt und umdenkt oder selbst vergeht – an seiner selbst geschaffenen Grenze. Und hier ist die Angst am größten, dass er nun für etwas zahlen muss, obwohl er als Gutmensch in der Vorstellung lebte und eigentlich doch nur „Gutes“ wollte.

Es gibt nicht nichts Gutes und nichts Böses – denn auch die Bedeutung beider wurde von Generation zu Generation unhinterfragt einfach von den „Vorgesetzten“ hingenommen. Künstliche, willkürlich-opportune Belohnung und Bestrafung ist eine Erfindung des Menschen, in einer hierarchischen Ordnung.

Wer die mit der Übernahme (Angebotsannahme) der Macht über das Leben an sich, somit auch über den Mensch und der Natur durch Besetzung an sich reißt, erlebt den so unnatürlich zunehmenden Druck und damit verbundenes Feedback. Wie viele erheben sich über andere, bestimmen über deren Handeln und wundern sich dann, wenn es dann doch bei ihnen „knallt“.

„Ich bin doch ein guter Mensch, warum erfahre ich soviel Leid?“

Wer sagt zum Beispiel, dass irgendjemand überhaupt etwas besitzt? Selbst der Papst besitzt nichts, das sieht nur so aus, weil es jene gibt, die an die Gerechtigkeit der Vorgesetzten glauben, in der Vorstellung, es gäbe bei all den Schafen auch noch Hirten, die über sie befinden.

Was nun folgt, mag sehr hart klingen und sicher nicht jedem schmecken: Man sieht, es tut gut, die Konventionen – darin ebenfalls enthalten – das belohnte Klein-in-Kleindenken, was der Masse in Form eines Pawlow’schen Hundes ankonditioniert wurde, in Frage zu stellen – ebenso der gewohnte Versuch Klein-in-Klein auf andere projizieren zu wollen.

Wenn man sich neu ausrichtet, mag man sich dem Gedanken „Global Denken und lokal Handeln“ in einer vollkommen neue Bedeutung öffnen. Denn erst durch diese gedankliche Ausrichtung bei der Entwicklung von wirksamen Lösungen, ausgehend von der größtmöglichen Überschrift, während dann das Handeln wiederum im Kleinsten mit den eigenen Händen seinen Anfang nimmt.

Der vernunftvolle Umgang mit den natürlichen Ressourcen, aus denen sich die ökonomie als Grundlage bildet.

„Vernunft ist der intuitiv getriggerte Prozess zwischen bedingungslosem Geben und bedingungslosem Empfangen.“

Und dies ist etwas, wo der Einzelne sich in seinem eigenen Denken und Handeln ungehindert selbst hinterfragen kann. Da steht ihm niemand, außer er selbst, im Wege.

Geben und Empfangen, als die kleinsten Prozesselemente und der Entscheidung als die kleinste Veränderung im Universum – dem Quantensprung.

„Das ist es, wie die Dinge immer anfangen: klein und bescheiden.“

„Das Leben selbst entfaltet sich für den Menschen erst in seiner Bedingungslosigkeit. Das ist dann jener Moment, wo uns das berührt, was man im eigentlichen Sinne mit Liebe bezeichnet.“

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