Die üblichen Verdächtigen – Das Unternehmen „Finanzamt“ in meinem Zimmer

Um ca. 11:00 Uhr – offen gesagt habe ich nicht auf die Uhr geschaut – stehen vier Bedienstete von Unternehmen „Polizei“ und zwei Mitarbeiter der Firma „Finanzamt“ vor der Tür und begehren Einlass.

Die Holde – ja, dieselbe Holde vom letzten Mal – liest mir vor, welche Schulden ich haben soll. Es kommen sage und schreibe 32.000 Euro auf den Tisch. In dem Moment wusste ich: „Oh, ein Schauspiel der besonderen Art.“ Meine anfängliche Nervosität, die sich später doch nur als Hunger herausstellte, verflog sofort. Beachtlich, welche Phantasie man haben muss, wenn einer nur Hartz 4 bis Anfang 2013 hatte, um zu solchen Zahlen zu kommen. Während die Holde mir die Zahlen vorliest, drehen sich die anderen dezent zur Seite. Und sie sind gekommen, um zu kassieren.

Geschwind greife ich zu meinem Geldbeutel und zücke 26,04 Euro und übergebe sie mit der Info, dass dies mein einziges Geld ist. Man fragt, ob man mein Zimmer einmal durchsuchen mag. Und wir betreten gemeinsam mein Zimmer. Der bedienstete beginnt den Schrank nach irgendwelchen Unterlagen zu durchschauen. Zwischendurch fragt der Mann von der Firma „Finanzamt“ ob er die Sachen auf mein Bett legen darf. Ist ja kein Problem.
Als man nichts findet, wird der Schrank sauberer eingeräumt, als er vorher ausgeschaut hatte. Besten Dank für Ihre Ordnungsliebe.

Im anderen Schrank findet man bei durchschauen meiner wenigen Ordner auch nichts. Obwohl die im Schrank offen im Schrank liegenden Münzen von der Olympiade von 1972 aus Silber sind, scheint dies niemanden zu interessieren. Ebenso wenig wie meinen alten Laptop oder den alten Rechner, auf dem ich gerade diese Zeilen schreibe.

Als man mich, ob ich noch mit den anderen zusammen bin, sage ich: „Nein, die drehen sich im Kreis. Denn das Rechtssystem ist eine Waschmaschine… aber gut, dass Sie gerade da sind, denn es geht im Kern um Verantwortung und ich habe einen Vortrag, den ich Ihnen gern mal zuschicken möchte, denn dort steht auch die Lösung drin, wie wir die Probleme aus der Welt schaffen.“ Und erzähle ihm die Sache mit Indien. Denn 500 Mio. Farmern und der Anfrage nach der Versorgungskette zu 1,3 Mrd. Menschen, die wir Neuorientieren sollten. „Da geht es um ein bisschen mehr Geld, als nur um Peanuts!“, sage ich zu ihm. „Ich schicke Ihnen mal meinen Vortrag zu.“ Was er auch gerne annahm.

„Sie machen doch Medien.“ „Ja, besser nennt man es aber Medienkommunikation. Aber da mache ich nichts. Und zwei Kunden sind mir gerade weggebrochen.“ „Und warum?“ „Weil beide vom Finanzamt geplündert wurden.“ Ein Kollege vor 14 Tage und der andere in Griesheim in der letzten Woche.“

„Aber ich habe da noch einen Kunden.“ „Wer?“ „Der schuldet uns noch Webhosting-Gebühren.“ „Haben Sie Verträge oder eine Rechnung?“ „Nein, ich habe dafür keine Zeit. Sie wissen ja, was ich mache.“ Und lache dabei.

Die Holde von der Firma „Finanzamt“ fragt mich, ob ich irgendwelche Vermögenswerte habe, was nicht der Falls ist. Zuletzt bekomme ich noch die Info, dass ich vom Protokoll eine Kopie erhalte. Sie hat auch nur im Mädchenschrift mit dem Nachnahmen unterschrieben.

Auf dem Tisch liegt noch die Quittung über 26.04 Euro und dann zieht die Truppe wieder von dannen.

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  1. Für jeden etwas dabei – oder: Bestern war alles gesser – BERG.

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