Falls Du dachtest…

Oder: Warum es nicht genügt, sich nur auf die Geschichte rückbesinnen zu wollen,… um sie unhinterfragt nur zu wiederholen.

Wohl seit einer Weile, versucht man sich an der Wiedererweckung vergangener Reiche und Staaten und damit verbundenem Glauben an gewohnte Verfassungen und Rechtsordnungen.
Hingegen ist erkennbar, dass es über eine lange Zeit bereits wie nach einer Erosion insgesamt gewohnter Strukturen und damit zusammenhängender Werkzeuge aussieht.

Sicher mag so manches „Reich“ nicht untergegangen sein. Doch mal ehrlich, wie müsste es sich denn vom Individuum aus definieren? Und was wäre das Individuum bereit selbst dafür zu tun?

So klammert man sich – aufgrund noch bestehender Verhaltensmuster – an jegliche Formen gewählter und nicht gewählter Vorgesetzter und damit verbundener Organisationsform – in der Regel, der Hierarchie (Anmerkung: Erst vor kurzem habe ich einer Gruppe, auf Hinweis eines Kollegen hin, diese angeschrieben und bis heute noch keine Antwort erhalten, obwohl von ihr erzählt wird, dass man auch bereits sehr weit denkt. Im Internet findet man hingegen nichts davon – lediglich das Übliche.).

Das mit den Vorgesetzten liegt auch ein bisschen daran, dass man im Notfall immer jemandem die Schuld geben kann – also sich im eigentlichen Sinne einen Sündenbock wählt, der am Schluss wieder für alles herhalten soll – „den Leithammel“.
Auf der anderen Seite trägt der Vorgesetzte die „Verantwortung“ für das Handeln seines Untergebenen – im eigentlichen Sinne übt er Macht über ihn aus – also Fremdbestimmtung.
Er sagt dann auch, was „gut und richtig“ (für die Masse) sein soll – also nur die gewohnte Fortsetzung der Rolle von Mutter und Vater – im Kern der Mutterrolle.

Auf diese Weise erspart man sich den doch so anstrengenden Prozess des Selbstnachdenkens, eigenständigen Handelns und damit verbundener Selbstverantwortung für das Ergebnis. In der Regel beruht dies auf beibehaltenem, mangelnden Selbstvertrauen, was gerne im Außen als „Misstrauen“ gegen andere „zur Schau getragen“ wird.
Misstrauen ist dabei nur ein Signal, was darauf hinweist, dass sich die Gesellschaft am Ende selbst im Zaum hält. Denn die Angst vor gesellschaftlicher Ausgrenzung und Stigmatisierung durch ein Fehl an Entsprechung (Einhalten ihrer Konventionen) lässt die Mehrheit gehorchen.) – geregelt durch Fremdbestimmung: Fremdliebe, Fremdvertrauen, Fremdwertgefühl und Fremdbewusstsein.

Damit dieser Zustand noch weiter aufrecht erhalten werden kann, sind die Probleme entsprechend groß oder räumlich möglichst weit weg – sozusagen unerreichbar – zu wählen, gefolgt von reichlich Konjunktiven (hätte, könnte, würde, müsste, sollte). Nicht zu vergessen: die „anderen“ hätten, könnten, würden, müssten und sollten… Und auf der anderen Seite zeigt man dann gern den „schwarzen Mann“, um die weiterhin kindlichen Verhaltensmuster zum Gehorsam „anzukurbeln“.

Und wenn man der Erkorenen überdrüssig ist, besteht immer die Möglichkeit, aus einer begrenzten Menge anders gefärbter Vorgesetzter zu wählen und sich deren populistischen Vorstellungen anzuschließen – oder: Man wagt sich ganz weit raus und versucht sich mit einem eigenen Ding – unter Anwendung gewohnter Mittel. Zeit den Verstand – also die Werkzeugkiste – mal aufzuräumen.

Populistisch ist dabei all das, was die Folgenden gerne von ihren erwählten Führern hören. Und wenn der Hörer gerne seine Meinung von den Erwählten hört, ist alles gut. Die Waschmaschine ist fleißig am Laufen.

Wählen beruht auf dem Verhalten, für auftretende „Probleme“ stets andere als „Erlöser“ vorhalten zu wollen, um selbst nicht über Lösungen nachdenken zu müssen – vereinfacht ausgedrückt. Denn das strengt ja an.

Probleme versucht man dann lieber mit der Vorstellung „lösen“ zu wollen, dass das Medikament nur um einiges größer zu sein hat, damit es „wirkt“. Diese Vorgehensweise basiert jedoch auf einem kollektiv gelernten Irrglauben, da es sich lediglich um gewohnte Symptombekämpfung handelt.

Gleiches gilt für die Vorgehensweise der zunehmenden Systembekämpfung, die im Übertragenen Sinne nur dann „funktioniert“, wenn man sich NICHT an den es erzeugenden Werkzeugen orientiert. Und solange die Vorstellung, dass das „System“ nur „BRD“ und die Lösung „DR“ sein soll, bewegt man sich vom Prinzip her nur innerhalb des „Systems“, da beide darin selbst nur Phänomene sind, die auf den Werkzeugen des Systems selbst beruhen.

Es genügt also keineswegs, nur die Gesichter oder die Ideologien zu tauschen, denn das ist alles nur von oberflächlicher Natur. Anhand der Organisationsform der Hierarchie kann man die Kernverhalten einer Gesellschaft ableiten.

Auf der anderen Seite macht der Erwählte nicht selten dass, was er selbst für „gut und richtig“ hält, um nur noch seine auserkorene Position erhalten zu wollen. Man sollte es also grundsätzlich unterlassen, irgendwelche Akteure in gottähnliche Positionen zu erwählen und sich ihnen belohnt gläubig zu unterwerfen. Das hat ganze wenig mit souveränem Staat zu tun. Denn was nützt es, wenn der „Staat“ selbstbestimmend ist, jedoch die „Bevölkerung“ nur wieder artig und belohnt hörig ist?

„Ja, aber die anderen sind noch nicht soweit“, ist nicht selten eine solche Aussage der Erkorenen oder Selbsterkorenen im Sinne einer Fremdbestimmung. Jeder mag darüber selbst nachdenken, was eine solche Aussage eigentlich für eine Bedeutung in sich trägt. Und wie oft habe ich diesen Satz schon gehört.

Das wiederum hat zur Folge, dass es keinen „souveränen Staat“ einfach mal so geben kann, sondern zunächst nur souveräne Individuen, die dann wie von selbst zu souveränen Gemeinschaften zusammenfinden – ein echtes Wir. Der Weg zum selbstbestimmenden Menschen ist dabei der innere – alles andere im Außen erreichen, herbeiwünschen oder erzwingen zu wollen, ist dabei nur Ablenkung, Beschäftigungstherapie und Selbsttäuschung.

Dabei wird auch klar, dass mehrheitliche „Souveränvorstellungen“ auch vom System bekämpft werden, da man darin nur sich selbst wiedererkennt. Der Grund, warum so manches „verschwindet“ oder „verschwunden wird“.

Souveränität (Selbstbestimmung) ist somit keine Eigenschaft, die man „per Order di Mufti“ von oben verordnet bekommt, denn sie erfordert vom Einzelnen genau das, was ihm nicht selten am Unmöglichsten erscheint, weil er ja andere vorzuschicken gewohnt ist: das Selbstnachdenken, Infragestellen, Um- und Weiterdenken. Die Pauschaldeklaration „souveränes Volkes“ ist somit nur eine Worthülse – besser: nur eine Worthülle. Hülle – Hölle.

Mit zunehmender Entwicklung hin zur Selbstbestimmung wird man dann erkennen, dass so manches Gewünschte, Gedachte und Erhoffte an Bedeutung verliert und aus Kompliziertem Einfaches und Klares hervorgeht.

Das ist jetzt extra sehr allgemein formuliert, denn es wäre sonst nur ein Vorgeben, was zu keiner echten Verinnerlichung und Selbsterkenntnis beim Einzelnen führen würde. Verinnerlichen ist etwas anderes, als es aufgesetzt vortragen, bzw. nachbeten zu wollen.

Eine souveräne Gesellschaft zeichnet sich wohl durch ein inkludierendes Verhalten aus. Das stattfindende Spektakel hat somit auch noch eine andere Bewandtnis: Fehlverhalten aufzuzeigen, um grundsätzlich(!) über die Grenzen hinaus darüber nachzudenken, was man mit der kollektiv tolerierten Verdrängung an sich zu gewinnen glaubt – und doch letztlich die ganze Zeit nur erzeugt hat.

Passender Beitrag: Null Vierhundert…

Musikalische Untermalung: „Flight – Man of Steel“

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