Gedanken zur solidarischen Landwirtschaft und darüber hinaus…

Ich selbst bin diesem Thema und solch einem Prozess aktuell nur am Rande involviert. Aus einem gemeinsamen Gespräch mit einem Kollegen, der sich direkt in dieses Thema in seiner Heimatstadt einbringt, kamen mir heute ein paar Gedanken.

In 2006 habe ich Erfahrungen eines 40-tägigen Fastens machen dürfen. In dieser Zeit machte ich mir vereinfachte Gedanken zu einem Gesamtablauf vom Einkaufen, über das Lagern und die Zubereitung von Lebensmitteln auf konventionelle Art.

Etwa acht Jahre später erlebte ich in sieben Monaten, was die Praxis gesunder Lebensweise (Rohkost, vegan, vegetarisch und basisch) betrifft, mich als klassischer Esser sofort und ohne Probleme einlassen konnte/kann und die vielbesagten Abgewöhnungen für mich überhaupt keine Rolle spielten, bzw. gar nicht vorhanden waren.

Zu erkennen war für mich dabei auch, dass man nicht jedes Thema gedanklich sein eigen nennen braucht und es Menschen im Sinne ihrer Aufgabe gibt, die sich intensiv damit beschäftigen und man sich im Tun ergänzt ,jedoch nicht alles vom anderen bis ins haarklein in der Praxis beherrschen muss.

Als ich vor ein paar Tagen mit meinem Kollegen über Skype sprach, war schnell klar, dass es vom Boden aus gesehen, auch einer entsprechende Haltung der Bauern bedarf, die sich – zunächst dann in einer Übergangsphase bewegend (von klassischer, hin zu natürlicher Landwirtschaft) lediglich darauf einlassen brauchen, also frei dazu entscheiden oder das Bewusstsein für nachhaltige Landweitschaft bereits verkörpern. Dabei kommt die Permakultur mit ihren Wissensträgern ergänzend zur Anwendung.

Erste Berührungspunkte über natürliche Landwirtschaft hatte ich vor etwa fünf oder sechs Jahren mit einem Bauern aus dem Lauterbacher Raum, der keine künstlichen Düngemittel mehr verwendet – und sich aus diesem Grunde einigen Unsäglichkeiten seiner Mitbauernschaft aus der Umgebung ausgesetzt sah: Denn er düngte den Boden nur noch mit Steinmehl.

Auf der anderen Seite stelle ich mir natürlich auch die Frage, wie das Interesse im Allgemeinen weiter belebt werden kann. So kam der Gedanke, dass das Kommunikationsbild auch durch die Einbindung von Ernährungsexperten sinnhaft ergänzt werden kann, die in der Regel so eine weitere Kommunikationsplattform für sich finden, um ihre Fähigkeiten und Leistungen auch selbst mit vermarkten können.

Durch Hinzufügen dieser Disziplin entsteht eine nach Innen und Außen gerichtete Win-Win-Win-Situation für den mögliche Interessenten und die Anwender selbst sowie für die Ernährungsexperten.

Ich schreibe dies, weil es gilt, eine Brücke von der einen zu einer neuen/natürlichen Lebenshaltung geht. Und die Notwendigkeit bioenergetischer Lebensmittel durch die Option, des Wissens über Lagerung, Zubereitung und Wirksamkeit von Lebensmitteln ergänzt wird. Denn wir haben es mit einem zusammenhängenden Prozess zu tun.

Als ich die Freude hatte, diese gesunde Lebensweise am eigenen Leibe zu erfahren, sah ich jedoch auch, dass sich zwischen der klassischen Ernährung und einer bewusst gesunden Zubereitung noch immer Klüfte befinden, die durch Kombination beider „Best-Offs“ überbrückt werden können, um so einen fruchtvollen und leichten Übergang zu ermöglichen. Denn auch hier gilt: Es gibt kein „entweder…, oder“, sondern auch hier ein „sowohl, als auch…“.

Denn in der Regel fehlt den Klassischen das Wissen, wie sie sowohl Gehaltvolles wie auch Geschmackliches miteinander verbinden zu können.

Für mich selbst, als klassischer Esser geschah der Übergang lautlos und die Brücke wurde durch Zubereitungstechniken zur Erhaltung des Lebens, in Kombination passendender Verwendung von Gewürzen zu einem echten und intensiven Erlebnis, was sich alsdann in einer aufgabenorientierten Symbiose entfaltet. Denn nicht jeder muss jetzt Experte in Sachen „Bio“ werden. Ich habe mich einfach darauf eingelassen und so wächst man dann auch hinein.

Die Basis spielt bei allem, die natürliche Ausrichtung und Beziehung zum Boden. Darum sammelt sich das Wissen um die Früchte und Jahreszeiten, darum das Wissen über die Lagerung und wirksamer Zubereitung.

Der klassische Bauer ist aktuell über Subventionen an das System gebunden und ein vollständiges Ablassen, führt für ihn nicht selten zu erheblichen Problemen. So macht es Sinn – entsprechend organisiert – zweigleisig zu fahren, um auf der einen auch das Neue langsam zu beleben.

Dabei fiel mir auf, dass die Leute aus Permakultur, die ich kennen gelernt habe, etwas machen wollen, während die Bauern nicht selten als Einzelkämpfer unterwegs sind. Die Möglichkeit einer wechselseitigen Ergänzung – eine Symbiose?

In 2009/10 kam ein Kollege mit der Bitte auf mich zu, für eine ländlich geprägte Region ein Grobkonzept zu formulieren, was aus heutigem Stand etwas überholt wirkt. Doch vielleicht enthält es noch einige Denkanstöße und veröffentliche es nun an dieser Stelle.

Denn bei allem gilt es zu erkennen, dass die wesentlichen Komponenten vorhanden sind, und lediglich in Regelkreisen zu organisieren sind.

Dazu ein Beispiel, welches man mir vor vielen Jahren erzählt hat- mich grob erinnernd.

Ein Unternehmen plante und baute Pelletmaschinen und entschloss sich eines Tages selbst Pellets herzustellen und anzubieten. Erste Pellets gewann man aus Halmverschnitt, der bei abgeernteten Feldern übrigblieb. Währenddessen schrieb eine Frau an einer Dissertation für ihren Doktor über die Hygiene im Stall, bei der sie feststellte, dass Pellets sich weitaus als positiver auf die Gesundheit der Tiere auswirkten und wesentlich aufnahmefähiger war, als klassisches Stroh.

So begannen Pferdezüchter sich für die Pellets zu interessieren. Die Firma freute dass, weil ein Bedarf entstanden war. Den eigentlichen Markt schien man nicht zu erreichen.

Als die Pellets in den Ställen gesättigt waren, überlegte man sich in der Firma, die Pellets wieder abzuholen und einer Biogas-Anlage zuzuführen. Das ausgegaste Material verarbeitete man alsdann wieder zu Pellets, die nun den Weg – mit etwas weniger Heizleistung – in den klassischen Markt fanden.

Doch das Unternehmen ging noch einen Schritt weiter und holte die verbliebene und mineralstoffhaltige Asche wieder ab, verarbeitete sie wieder zu Pellets, die  dann als natürlicher Dünger den Bauern anboten wurden, die ihre Felder damit düngten, aus denen sich später wieder aus den Halmverschnitten die Pellets gewinnen ließen.

Ein anderes Beispiel fand ich im Buch von Fritjof Capra „Verborgene Zusammenhänge“ aus dem Jahre 2002, was ich aus dem Gedächtnis ungefähr so wiedergeben kann:

Kaffeepflanzen, wenn sie zu Kompost verarbeitet werden, haben die Eigenschaft, den Boden mit Coffein zu kontaminieren. Um dem zu begegnen, pflanzt man darauf Shiitakepilze, die das Coffein für ihren Wachstumsprozess umwandeln und so in großem Mengen entstehen. Dabei entsteht soviel, dass die Pilze auch als Futter für das Rind verwendet werden können, der so hochqualitative Dung wird wieder in dem Wachstumsprozess hinzugefügt, während die verbleibende Menge an Shiitakepilzen dem Markt der Verbraucher zugeführt wird.

Wenn ich gerade von Verbraucher spreche, bedeutet dies für die Neue Zeit auch zu erkennen, dass der Mensch nicht nur Verbraucher, sondern ebenfalls Erzeuger (Unternehmen) ist.

Die eigentliche Aufgabe ist aus offenen Prozessabläufen in sich miteinander wirkende und vernetzte Regelkreise zu entwickeln: Lokal, regional, national und global – um so langsam von einer einseitigen „Besetzung“ der Natur durch den Menschen, hin zu einer Integration seiner selbst zu gelangen.

Dazu dient das Denken in Zusammenhängen, Wechselwirkungen in einem vernunftvollen Fühlen, Denken und Handeln des Menschen – dem holistischen Denken und Handeln. Vereinfacht ausgedrückt.

In 2013 lernte ich bei der Republik Freies Deutschland einen Menschen aus Berlin kennen, der durch sein Wissen aus der Chemie in Verbindung mit diesem Denken in der Lage ist, aus komplexen chemischen Verbindungen entsprechende Rückführungsprozesse zu den natürlichen Ausgangsstoffen zu entwickeln.

Sich „die Erde Untertan zu machen“ führt in einer hierarchischen Denkweise zu einer Überhebung des Menschen und wie man sieht mit aktuell entsprechenden Ergebnisse. Auf der anderen Seite bedeutet „sich die Erde Untertan zu machen“ im Sinne holistischen Denkens und Handelns, die Erde mit uns, als ein Ganzes zu verstehen und sich der universellen Prinzipien bewusst zu werden, in denen sich der Mensch bewegt.

Im Kern haben wir es immer noch mit einer ökonomischen Aufgabe zu tun.

Die selben Prinzipien lassen sich auch in klassischen Unternehmen der Produktion, der Dienstleistung, des Handels, der Instandhaltung – im Kern bei allen vom Menschen gestalteten Abläufen anwenden. Wobei wir es hier mit drei Ebenen zu tun haben, Mensch (Funktion, also Aufgabe und Zuständigkeit), Information- und Kommunikationsfluss sowie Wertschöpfungsprozesse zu tun haben, die ineinander verwoben sind und durch schrittweise Umgestaltung so aus starren, zähflüssigen, (Lebens)energiezehrenden und naturfeindlichen Abläufen, wieder zu lautlos fließenden und sich an den Prinzipien der Natur orientierende Strukturen verwandeln.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.