Ich – oder: Die gesellschaftliche Selbsthaltung im Wandel

Max Inzinger hätte jetzt gesagt: „Ich habe da mal was vorbereitet.“

Dass das „Ich“ sehr pfiffig ist, sieht man daran, dass es über die Jahrhunderte an nahezu alles gedacht hat, um sich von seinem natürlichen Entwicklungsprozess und so vom Lebensprozess selbst abkoppeln zu wollen: Es sei denn, es erkennt für sich einen werten Vorteil.

Alles andere wird ausgegrenzt – vor allem jenes, was möglicherweise eine grundsätzliche Veränderung seiner eigenen Programmstruktur betreffen könnte, die es selbst verkörpert.

Es kämpft, es widersteht, es flüchtet, es ignoriert, es lügt, es betrügt, es tötet, nur um seiner Programmstruktur (also die Denk- und Verhaltensmuster die den Menschen ausmachen) festhalten zu können – im Kern um einer Bestrafung aus dem Wege zu gehen.
Doch hat der Mensch – als Träger seines „Ichs“ – in der Regel vergessen, warum er so reagiert.

„So tun, also ob“, ist ein Paradebeispiel für fehlende Authentizität und wiederum nur eine Schutzfunktion des „Ichs“. Gleichzeitig unternimmt das „Ich“ alles, um in der Masse sich hinter dieser verstecken zu können, wenn es ihm „an den Kragen geht“.

Es erzeugt seinesgleichen von Generation zu Generation, durch Auferlegung von Bedingungen, damit auch seine Nachfolger seiner vorherigen Version entsprechen. Und wer nicht entspricht, wird bestraft.

„Wir wollen, dass ihr es mal besser habt, als wir… wenn ihr so seid, wie uns das gefällt.“

Bestrafung zielt im Wesentlichen darauf ab, den natürlichen Lern- und Entwicklungsprozess des Menschen und somit die Veränderung seines „Ichs“ zu unterwandern, möglichst nahezu außer Kraft zu setzen und durch die Fremdbestimmung die „herrschende Ordnung und damit verbundene Gesetzmäßigkeiten“ zu oktroyieren (auferlegen) und diese aufrecht zu erhalten.

Die – nenne ich sie mal – künstliche Fremdbestimmung, findet dabei ihren Anfang aus der natürlichen Betreuungsfunktion des geborenen und jungen Menschen heraus, die sich subtil in eine Erhebung über das fremde Leben transformiert.

„Du bist solange gut, solange mir das gefällt.“

Diese Bedingung ist die Ouvertüre des ganzen Szenarios (Alte Ordnung, Matrix, der alte Bund), in dem sich über 99% der Menschen auf diesem Planeten bewegen. Ich komme etwas später darauf, woran man das ganz nett erkennen kann.

Die gesellschaftlich tolerierte Fremdbestimmung hat zudem noch „Nebenwirkungen“ von nicht zu unterschätzendem Ausmaß für das Individuum, das gesellschaftliche Umfeld, die Zivilisation wie auch den Planeten mit seinen Ressourcen.

„Ei der Daus.“

Durch Fremdbestimmung kann sich der Mensch selbst nicht in seinen beiden Wesenskernen der Vernunft und dem Gewissen entfalten, davon abgeleitet: Intuition, Empathie, Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit in ihrem eigentlichen Wesen.

Solch ein Zustand muss natürlich auch betreut werden und so „verschweigen“ die Betreuer (in der Regel weiß man es jedoch nicht besser, weil es ja schon immer so war), dass die Basis funktionierender Selbständigkeit auch einer Selbstbestimmung bedarf. Das Fundament, dies zu entwickeln, obliegt jener Institution, die sich Familie nennt – dies als freundlicher Aufruf und Hinweis: Es so viel wie möglich in die Welt zu tragen.

Achten Sie stets darauf, wenn sie einen jungen Menschen mit sich herumschleppen, dass er nicht zum obrigkeitshörigen Verbraucher wird. Das ist so ein Wunsch, damit sich das, was von allen Seiten gefordert wird, auch mal zum Tragen kommt.

Was Sie da gelegentlich auch mal schlafen lässt, nicht selten eine Frohnatur in Sachen hartnäckiger Umfeldverunreinigung und -neugestaltung verkörpert, ist deswegen nicht dumm, weil es gerade mal nicht laufen kann.
Was Ihnen da gelegentlich entgegen lächelt, kann Ihr Weltbild ins Wanken bringen – besser: wird Ihr Weltbild ins Wanken bringen.

Die Netflix-Serie „Mindhunter“ zeigt dabei auf, was bei gewohnheitsmäßiger „Erziehung“ für Extrema herauskommen: Serienmörder kommen nicht zur Welt – sie werden dazu gemacht. Herzlicher Dank geht an die Macher der ersten Staffel.

Im Zeichen der Burg
Nun darf man sich nicht wundern, wenn irgendwann fürs „ich kann es ja nicht anders“, trotzdem eine Rechnung präsentiert wird, mit der man sich einfach nicht identifizieren mag und so manche nach „Sicherheit und Schutz“ rufen – beides übrigens Eigenschaften der Abgrenzung. Es wird immer nur das geerntet, was vergeigt worden ist, siehe: „Mindhunter“ usw.

Die in der Familie implementierten Bedingungen der Entsprechung, werden in nachfolgenden Institutionen wie Kindergarten, Schule, Kirche, Unternehmen und Staat nur weiter ausgeformt.

„Das gesamte schulische und berufliche Bildungssystem ist ein sehr aufwendiger Filter um zu freie und selbstständige Menschen auszusortieren. Menschen, die nicht wissen, wie man sich unterwirft und in die vorhandenen Institutionen integriert.“ Noam Chomsky

Eine individuelle Entfaltung des Menschen wird durch Fremdbestimmung (und Sicherstellung der Gleichschaltung) verhindert und bestimmt, was für ihn „gut und richtig“ sein soll. Dazu gehört auch die unumstößliche Tatsache der bedingungslosen Anerkennung der Autorität und ihrer Regelwerke.

Jene „Autorität“, in der ebenfalls ein „Ich“ wirkt, was über seinen Menschen herrscht und sich hinter ihm versteckt. Die Größte Angst des „Ichs“ ist anzunehmen, dass seine Existenz nur eine „Übung“ für den Menschen war, wie es nicht funktioniert – zumindest für all jene, die es erkannt haben.

„Der Zauberer von Oz.“

„Der Zweck der Macht, ist die Macht selbst.“ 1984, George Orwell

Wie kommt die „Herrschaft“, also die Beziehung des „Ichs“ über seinem Menschen zustande?

Die Mehrheit der Denk- und Verhaltensmuster werden dem Menschen in seiner Kindheit aus der Gewohnheit heraus unbewusst „verabreicht“.
Dazu gehört auch jener bedeutende Moment, ihn für eigenständige Entwicklung, Erfahrungen und Erkenntnisse vielfältiger Art und Weise zu bestrafen.
Erfahrungen und Erkenntnisse, die die Autorität (also ihr „Ich“) in ihrer wahrgenommenen Machtposition (als Sammelsurium beizubehaltender, „ewig“ geltender Rechtmäßigkeiten) in Frage stellen könnte.

Durch die „Bestrafung“ entwickelt sich im „Ich“ (Person, Persönlichkeit) des Menschen (als Behälter seiner, Denk- und Verhaltensmuster, Programmierungen) ein Verhalten, dass „Neues“ als eine Gefahr darstellt, die notfalls bekämpft (bestraft) werden muss, da die gewohnte „Ordnung“ gefährdet ist.

„Neues = Bestrafung -> Gestern (Bekanntes) war alles besser = Sicherheit = Schutz“

Damit ist auch die Grundlage der Verdrängung geboren – mit all ihren netten „Ablegern“ wie Kampf, Widerstand, Lügen, Betrug, Gewalt, Ausgrenzen, Stigmatisieren &c.
Die Mehrheit weiß noch nicht einmal warum sie so funktioniert – besser: Sie will gar nicht wissen, wie sie funktioniert.
Das macht es ihren Betreuer mit ihren Institutionen natürlich einfach. Und damit die Masse das Gefühl hat, dass sie wenigstens etwas macht, lässt man sie wählen, klagen, jammern und sich beschweren.

Der verdreht gelernte Umgang mit der Angst sorgt dafür, dass die Masse einer Lösung ihrer Probleme wirksam fernbleibt und vielleicht auch reuig zu seinen Betreuern zurückkehrt. doch wer will das schon? Jene, die etwas zu verlieren haben, haben bereits verloren.

„Wer sich beschwert, erleichtert sich nicht.“

Als Hinweis, warum man dem „Volk“ auch nicht die Wahrheit sagen kann: Es hat die Aufgabe seinen „Zustand“ selbst herauszufinden.

„Die Mehrheit der gewöhnlichen Bevölkerung versteht nicht was wirklich geschieht. Und sie versteht noch nicht einmal, dass sie es nicht versteht.“ Noam Chomsky

Das Verdrängungsverhalten sorgt nicht nur dafür, dass der Mensch fortan eine eigenständige Selbsthaltung entwickelt, die automatisch alles ablehnt, was die/seine gewohnte Ordnung (das „Ich“ über seinem Menschen) in Frage stellen könnte. Und so wird auch das Signal: „Oh, das ist ja was Neues“ fortan als Warnsignal „Angst“ umgedeutet.

Und da „man“ sich fortan ja „gegen alles schützen“ muss, versteckt sich das „Ich“ hinter dem Menschen.

Der Mensch glaubt seit jeher, er sei sein „Ich“ und so ist die Illusion geschaffen, dass er ja „nur“ so sei wie er sei und auch nur so könne.

„Ich habe nur den Gashahn aufgedreht“, wäre jetzt das passende Beispiel oder wie ein Filialleiter einer Sparkasse mal sagte: „Ich bin nur der Erfüllungsgehilfe meines Dienstherren.“

Man sieht hier deutlich, dass bis jetzt nichts aus der Vergangenheit gelernt und verstanden wurde: man „funktioniert“. Wenn da nicht das ganze Gejammere wäre, würde das alles auch gar nicht so tragisch sein.
Vergewaltigungen, Pädophilie, Mord, Totschlag, Verfolgung, Ausgrenzung, Hunger, Krieg, Not und was es noch so alles gibt. Das kann man doch locker wegstecken, wenn es einen nicht betrifft. Komisch, warum das auf einmal nicht mehr möglich ist. Und was wird gemacht? Geklagt, demonstriert und sich beschwert – nur eines nicht: Es wird nicht gedacht.
Denn Denken fängt hinter der gewohnten Verdrängung an. Dazu müsste man auch die Selbstreflektion wieder aktivieren und sich fragen, was zu ändern ist, damit es anders wird. Sicher käme so manche(r) auch drauf.

Durch die Illusion, dass der Mensch sein „Ich“ sei, ist ihm auch der Blick auf sich selbst verwährt und das „Ich“ kann so weitermachen, wie es in der „Erstausführung“ vorliegt, siehe Esau (der unbewusste Mensch) und Jakob („Ich“) und die Aufgabe „Esaus“, siehe: „Esau-Segen“.

Da der Mensch in der Regel nach dem Willen seines „Ichs“ wortwörtlich „funktioniert“ und sich nicht in der Lage sieht, etwas daran ändern zu können, „herrscht“ das „Ich“ über dem Menschen: Die erste Ordnung. Der Mensch, der fortan in einer Organisationsform lebt, die sich durch die Hierarchie zum Ausdruck bringt.

Wer nun in die Welt blickt und sich die Organisationsform (nicht Staatsform) anderer „Länder“ anschaut erkennt, dass ich mit den über 99% recht gut liege. Im Sinne des Wandels sortieren sich derartige Denk- und Verhaltensmuster automatisch aus. Was entsteht ist der Druck, der sich ändern müssend fühlenden Masse. „Muss“ ist hierbei nur der gefühlte Ausdruck des Widerstands des „Ichs“ gegen Veränderung im Inneren, während im Außen Veränderungen gefordert(!) werden.

Erinnerungswürdig
Die Autorität mahnt das Menschen-Ich, sich stets im freiheitlichen Rahmen der Fremdbestimmung und damit verbundener, gesellschaftlicher Entsprechungen (Konventionen) zu bewegen. Das nennt man dann „Freizügigkeit“. Die Autorität handelt dabei gern entgegen gesetzt ihrer eigenen Haltung willkürlich-opportun.

Damit ist gewährleistet, dass die Untergebenen sich fortwährend in der Zone der Ungewissheit bewegen, aus der sie nur die wohlwollende Autorität herausholen kann.

Da die Masse in ihren Programmierungen nahezu gleichgeschaltet ist, ist es auch ein Leichtes, sie mit den gewohnten Mitteln zu beherrschen.
Das funktioniert durch den in der Gesellschaft verdreht gelernten Umgang mit der Angst, siehe: oben im Text.
Dieses „Beherrschen“ findet auch untereinander in der Gesellschaft statt und ist nicht  nur ein Phänomen sogenannter „Eliten“. Erlebtes.

„Würden Sie ein Opfer bringen?“ „Ja, meinen Nachbarn.“ „Ich meinte, würde Sie SELBST ein Opfer bringen?“ „Ja! Meinen Nachbarn! Sie müssen mir nur sagen, wohin ich ihn bringen soll!“

„Die herrschende Meinung, ist die Meinung der Herrschenden… Masse.“

„Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“ Verweis auf das Dokument „Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland“, Art. 20

Erkannt, dass die notwendige „Nummer“ eine umgekehrte ist?

Warum sich das alles lohnt, kann man hier ablesen:

Eines Tages kam mein 12-jähriger Sohn Maximilian zu mir.
„Du, Papa? Du hast doch gerade die Avocado gekauft.“ „Ja.“
„Und nun hast du den Kern gepflanzt.“ „Ja.“
„Und sicher willst Du, daß auch etwas wächst.“ „Ja.“
„Und wenn es dann gewachsen ist, dann willst du sicher auch ernten.“ „Klar, deshalb habe ich das auch gemacht.“
Mein Sohn umfasste meinen Oberarm, schaute mir in die Augen und sagte leise: „Papa, das hast du gut gemacht.“
Ich fühlte mich geschmeichelt und da umfasste er plötzlich nochmals meinen Oberarm, schaute und sagte: „Das ist aber auch wiederum schlecht.“
Ich war sichtlich verwirrt und fragte warum. „Weil der Mann, der dir die Avocado verkauft hat, kein Geschäft mehr mit dir machen kann.“

Tja, so schnell kann man „alt“ aussehen und genau das ist, es, was die Welt lebendig macht.
Das Leben lebt sich nach vorne, während das klassische „Ich“ eine dem Leben rückwärts gewandte Haltung einnimmt und sich verteidigt, bis es umdenkt oder vergeht.

Musikalische Untermalung:

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