In Sachen „einfach“

Am Sonntag telefonierten Peter und ich miteinander. Er war mit Angelika unterwegs gewesen und hatte vor anderen über den Ablauf des SEPA-Mandats gesprochen. Er erwähnte dabei ein mir wohlbekanntes Phänomen, dass die Zuhörer entweder das ganze Thema nicht verstanden und sich gewohnt in der Polarisation bewegten.

„Merkel muss weg… die USA sind die Bösen…“

Nebenbei kurz erwähnt: Ist es nicht weniger erstaunlich, dass „Spiritualität“ auch als Schutzmechanismus missbraucht werden kann, um sich vor der Notwendigkeit der eigenen Anpassung an stattfindende Veränderungen schützen zu wollen.

In diesem Zusammenhang mag ich heute einen Beitrag über das beliebte Wort „einfach“ zu Papier bringen.

Was ist eigentlich einfach, und was lässt etwas „kompliziert“ erscheinen?

Ich blicke dazu in meine eigene Vergangenheit zurück, um einen Satz zu formulieren, der mir damals „kompliziert“ erschien und dennoch….

Es war in 2005, als ich ein Dokument mit dem Titel „Ganzheitliche Neuorientierung ökonomischer Systeme“ in Händen hielt und es an einem sonnigen Samstag auf dem Sofa zu lesen begann. Darin fand ich diesen Satz:

„Unternehmen sind offene, dynamisch vernetzte Beziehungsmuster, bestehend aus wechselseitigen Abhängigkeiten, kybernetischen, symbiotischen, synergetischen und kausalen Wirkmechanismen.“

„Kybernetik“ war der einzige Fachbegriff, von dem ich das erste Mal in einem „Marvel-Comic“ mit 12 Jahren gelesen hatte. Man sieht, dass Comics nicht grundsätzlicher Blödsinn sind, als es meine damalige Klassenlehrerin stets zu sagen pflegte.

Doch selbst, wenn man sich beim Lesen der Fachbegriffe inhaltlich distanzieren mag, fängt die Thematik doch bereits mit den Begriffen „Unternehmen“, „Abhängigkeiten“ „sind“ usw. an.

Denn es kommt darauf an, welche Bedeutung sie für uns haben, welche sie im eigentlichen Sinne haben. Dass zum Beispiel „wechselseitige Abhängigkeit“ in der Soziologie „Reziprozität“ genannt wird, hört man eher selten – mehr in einer Fachorientierung (Die Betrachtung der Menschen und ihrer Verhalten ist auch nur ein Teil des Puzzles, hin zu einem Gesamtlösungsmuster.).

Man sieht wie „kompliziert“ es schnell wird, wenn der Leser mit „Fremdworten“ bepflastert wird.

Und was bedeutet eigentlich „eigentlich“?

„Kompliziert“ ist in der Regel jedoch nur, wenn man das Dargebotene oder Wahrgenommene als unübersichtlich oder unverständlich empfindet. Was wiederum nur ein Signal ist, sich über die Bedeutung der Worte in einem größeren Sinnzusammenhang näher zu informieren – wenn einem danach ist. Das dabei Empfundene ist ein Signal fehlender Informationen, wie wir es gewohnt mit einer „Angst“ verbinden.

„Angst ist das Signal unserer Verhaltensmuster, dass uns zu einer gegebenen Situation einfach nur Informationen fehlen.“

Ein also vollkommen natürlicher Mechanismus, dessen Umgang wir nur falsch gelernt haben. Aber da wollte ich jetzt „eigentlich“ nicht hin. Es hängt jedoch damit zusammen und betrifft – jeden.

Jetzt versteht man auch den eigentlichen Sinn des „Komfortsofas“, als geistige Schutzzone vor Veränderung und damit verbundener Anpassung. Schaue man einfach mal ins Außen und erblicke das damit „Erreichte“ im Sinne der aktuellen Situation.

Einfach.

Der Satz: „Unternehmen sind offene, dynamisch vernetzte Beziehungsmuster,…“ zeigt, dass er einfach formuliert ist. Einfach im Sinn des Schreibers, nicht jedoch im Sinn des Lesers. Er ist einfach im Sinne eines Konzentrats, im Sinne von Zeitaufwendung.

„Schreibe es so, dass es ein Kind versteht.“ „Du bist aber keins…“

Wenn ich den obigen Satz und die Worte in einer allgemein verständlichen Sprache formulieren würde, reichten sicher keine hundert Seiten aus, um der Vorstellung einiger Leser entsprechen zu können. Es wäre „einfach“ beschrieben, doch würde es zur Komplexität im Umfang führen. Und wer mag schon hundert und mehr Seiten lesen?

Also liegt es wieder am Leser selbst, sich entweder die Zeit für die hundert Seiten zu nehmen oder die Zeit mit einem Selbststudium zu verbringen.

Letzteres hat für mich den Vorteil, da ich diesen einen Schritt im Erkenntnisprozess, den der andere noch vor sich hat, bereits durch habe und die Zeit für mich nutze.

Ein sich „Zusammensetzen“, um jemanden „etwas beizubringen“ bedeutet stets doppelten Zeitaufwand – und ein Verweilen im Selben. An dieser Stelle bekommt „energetischer Ausgleich“ eine neue Bedeutung – als Ausgleich für entgange, eigene Entwicklungsmöglichkeit.

Bedeutung. Darum geht es im Kern, wenn man etwas formuliert. Die Bedeutung von Worten.

„Wort“, dessen Eigenschaft sich aus dem Begriff „Wert“ ableitet.

Man sieht, dass Philosophie nicht etwas ist, was man sich mal in einem Abendseminar einverleibt. Denn sie bestimmt im Wesentlichen unser Fühlen, Denken und Handeln im Täglichen.

Einfach.

„Ja, aber Verantwortung und Vernunft wird doch von jedem anders verstanden.“ „Das mag richtig sein. Doch gibt es nur ein Prinzip auf dem diese Interpretationen beruhen. Und darauf kommt es an – auf die Prinzipebene.“

„Im Prinzip ist es vernünftig, wenn mein Konto voll ist.“

„Ich finde es vernünftig, wenn man Menschen für ihre Vergehen bestraft.“

„Vernunft ist der intuitiv getriggerte Prozess, zwischen Geben und Empfangen, beruhend auf Selbstvertrauen.“

„Misstrauen ist ein nach Außen projiziertes, mangelndes Selbstvertrauen.“

„Wenn Du etwas Neues machen willst, hinterfrage alles – auch die Konventionen, nach denen Du funktionierst und so zu einem Teil einer Ordnung wirst, derer Du Dich gleichzeitig zu entziehen versuchst.“

„Werdet wir die Kinder, aber benehmt Euch nicht wie welche.“

„Umdenken fängt im Kopf an.“ „Damit kann ich nichts anfangen.“ „Genau deshalb sind die Dinge so, wie sie sind.“

Um ein Prinzip erklären zu wollen, ist die Metapher ein wunderbares Hilfsinstrument. Als Beispiel sei die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Bewusstseinsebenen nachfolgende beschrieben:

„Der Fisch weiß nicht, dass er im Wasser schwimmt. Das kann ihm nur der Angler sagen, wenn der Fisch ihn nur verstehen würde.“ „Ja, aber Fische können doch nicht reden.“ 

„Wir sind alle eins.“ „Das mag sein, es genügt aber nicht.“