Lektion 3: Totale Vernetzung durch industrielle Revolution 4.0

(Fulda, K.H.Schubäus, 9. April 2014) Lektion 2 endete mit der Erkenntnis: Während wir unsere Lebensräume seit Jahrhunderten auf unbewegliche und unverrückbare Bausteine und Teile (Descartes Irrlehren) aufbauen, sind wir auf dieser Basis bisher nicht in der Lage, uns den Anforderungen veränderten Verbraucherverhaltens und den global orientierten Wettbewerbsmustern anzupassen.

Was der Informationstechnologie bisher – selbst durch gigantische „Rechnerleistung“ nicht gelang, sollen jetzt „lernende Maschinen“ richten, und alle schwärmen davon.

Nur, wer schwärmt heute noch von IT Lösungen, die zwar alle Probleme lösen sollten, jedoch weit mehr Konflikte geschaffen haben. Wer spricht heute noch über CIM: die Computer Integrierte Manufaktur, über SOA: die Service Orientierte Architektur, New Ökonomen und viele andere ehrgeizige Versuche, Probleme von morgen zu lösen.

Durch IR 4.0 kommt der Befreiungsschlag wieder einmal aus der IT Branche und wieder einmal mit der Forderung nach Standardisierung von Lösungsmustern, die individuell bereits in unterschiedlichen Unternehmen funktionieren.

Nur, keines dieser IR 4.0 Lösungsmuster gleicht dem anderen. Jedes ist auf seine Weise unter seinem Namen auf eine bestimmte Produktstruktur zugeschnitten.
Das eine für den Automobilbau, das andere für deren Zulieferer. Zur Standardisierung für alle Unternehmen, deren Größenordnung und Produktgliederung nicht geeignet.
Denn, was in einem Produktbereich funktioniert, versagt in einem andern.

Wie so oft sollen auch hier wieder einmal durch gigantische Forschungsaktivitäten vernetzte Lösungsmodelle entwickelt werden, ohne die dazu erforderliche Praxis-, Wissens- und Erfahrungsgrundlagen zu beherrschen.
Denn, traditionell konventionelles Wissen wird immer noch durch die Irrlehren Descartes beeinflusst: von Teilen, Dingen, Macht- und Befehlshierarchien und streng abgegrenzten Lehrfächern, Denk- und Verhaltensmustern.

Was wir jedoch zur Neuorientierung brauchen, sind dynamisch vernetzte Beziehungen, wechselseitige Abhängigkeiten, kausale, synergetische, kybernetische und symbiotische Wirkmechanismen. Nur auf diesen Grundlagen, entstehen vernetzte Teilsysteme im Kontext des jeweils größeren Ganzen.

Und weil wir es nicht anders wissen, sind Bildung & Ausbildung, Wissenschaft, Informatiker und die Wirtschaft selbst, immer noch Gefangene irrealer Bildungs- und Ausbildungsmuster, abseits ganzheitlich systemischer Realitäten.

Solange jeder sein eigenes Süppchen kocht und glaubt, dass es allen bekommt, wird er erkennen müssen, dass das dynamisch vernetzte Zusammenwirken aller Teilsysteme (Unternehmen) anderen Gesetzmäßigkeiten und Regeln folgt, als den immer noch gültigen Irrlehren Descartes.

Bereits seit Jahrzehnten existiert parallel zu den Ordnungsprinzipen Descartes ein Modell auf der Basis dynamisch vernetzter Beziehungsmuster und wechselseitiger Abhängigkeiten, das SCHUBÄUS MODELL, als Ergebnis vier Jahrzehnte langer Praxis als System Consultant, neunzehnjährigen wirtschaftswissenschaftlicher Recherchen und der permanent, intensiven Aktualisierung meines dualen Erfahrungswissen.

Betreffs synergetisch vernetzter Zusammenhänge erkannte ich, dass auch individuelle Organisationsformen zwischen Kunden, Zulieferern und Fremdlieferanten über gemeinsame Schnittstellen verfügen und sich durch Kunden-, Artikel- und Teilenummern, Mengen, Bestell- und Lieferdatum, Preisabsprachen, Konditionen, Verpackung und Lieferart, miteinander kommunizieren.
Beide Seiten bleiben eigenständig und unabhängig. Kein Unternehmen mischt sich in die Internas anderer Unternehmen ein, die Individualität des anderen wird respektiert.

Nur, Wunschdenken und Euphorien – wie sie in IR 4.0 postuliert werden – sind keine Triebfeder für Abenteuer, die wieder einmal nur die Industrie tragen wird. Und wie die Erfahrung zeigt, sahnen wieder einmal die einen ab und lassen die anderen für ihre Experimente kräftig zahlen.
Nicht selten – wie SKET Magdeburg – überleben das die Patienten nicht.

Das, was sich die Akteure unter IR 4.0 vorstellen, habe ich 40 Jahre in einer Vielzahl individueller Unternehmen realisiert und zeitgemäß innovativen Technologien angepasst.
Dabei weit mehr erreicht als nur materiellen Nutzen. In einigen Fällen – im Möbelgroßhandel und in der Textilindustrie – wurden die Ergebnisse nahezu versiebenfacht, im Hochseeschiffbau verdoppelt. Von Stress und Frust keine Spur, es wurde wieder gelacht.

Dort und in anderen Unternehmen werden nicht alle Prozessinformationen und deren Abweichungen permanent erfasst und systemimmanent gesteuert und überwacht. Es reichte völlig, um Abweichungen, Störfälle und Behinderungen durch Signale zu erfassen und zu normalisieren.

Statt reibungslos funktionierende Prozessstrukturen durch begleitende Daten- und Informationsvielfalt zu belasten und zu verkomplizieren, nur den Signalen folgen, um Störursachen und Behinderungen aufzuspüren und zu beseitigen nach dem Motto: Aufwandsminimierung statt sinnloser Verkomplizierung durch Daten- und Informationen. Freiräume statt nicht mehr beherrschbare Datenvielfalt und unüberschaubaren Informationsdschungel.

Geht es nach IR 4.0, dominieren Software-Standards menschliches Wirken. Sie bestimmen Tempo und Ergebnisse auch dort, wo sie als Fremdkörper im betrieblichen Umfeld nichts als Frust und Stress erzeugen.

Nicht auszudenken das statt Menschen, digitale Systeme und Maschinen die Wirksamkeit eines Unternehmens ordnen und reglementieren.

Nur, soweit sind wir noch lange nicht, denn die Wirklichkeit von Menschen für Menschen erzeugter Systeme, kann und darf nicht zu Lasten derer gehen, die wieder einmal den Unheil bringenden Sirenengesängen des Mädchens mit dem Vogelleib folgen und dabei ihr „Leben“ aufs Spielsetzen.

Nicht alles was unter IR 4.0 bereits existiert ist irreal, sondern durchaus sinnvoll und für einzelne Produktbereiche geeignet. Nur, aus vielen inkompatiblen Teilsystemen entsteht noch lange kein für alle gültiges Standardmodell.

Wir sollten darüber reden!

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