Lohn der Angst

(v1.1) Eine reizvolle Überschrift mit Hang zum sich darüber richtig aufregen.
Es wird in der Regel von der Vorstellung ausgegangen, es sei ja das Leben des Einzelnen, was jeder für sich zu gewährleisten hat, mag, „muss“, „kann“ oder „soll“. Anders ist es, wenn die ultimative Nachricht unterwegs ist, dann, ja dann hat die Mehrheit plötzlich etwas gemeinsam: Angst.

Der Mensch der alten Ordnung hat Angst vor dem Morgen, vor dem Gestern, vor Veränderungen, vorm Stillstand, vor Fremden, vor Bekannten, vor Krieg, vor Frieden (Er will im Kern in Ruhe gelassen werden. Frieden ist ihm fremd.), vor Krankheit, vor Gesundheit, vor kleinen Räumen, vor großen Räumen, vor der Lüge, vor der Wahrheit, vor Hunden, vor Katzen, vor Einsamkeit, vor Massen &c.
Angst vor der Angst hat er auch – und vor den Reichsbürgern – vor denen ganz besonders – und vor Terroristen. Die Liste ist sicher um einiges länger und wer seinen persönlichen Favoriten nicht darunter gefunden hat, mag mir eine E-Mail schicken.

„Vor einer Milliarde Jahre wurde uns das Leben geschenkt. Macht etwas daraus.“ Lucy, 2014

Alle als negativ wahrgenommenen „Probleme“, Zustände und Situationen weisen im Kern darauf hin, einen grundlegenden Umdenkprozess zu starten.

So mancher will doch souverän (besser: selbstbestimmend) sein, und das fängt mit der Beschäftigung der wahrgenommenen Probleme im Sinn einer Lösungsentwicklung an – okay, jetzt nicht mit der gewohnten drei Minuten „Argumentationsvorstellung“: „Das da ist Mist, dort sind die Schuldigen und die müssen weg.“

„Merkel muss weg!“ „Ich auch. Ich habe einen Termin!“

„Der Verein, bei dem die meisten Leser hier Mitglied sind, die Bundesrepublik Deutschland, hat volle Kassen. Die öffentliche Hand hat im vergangenen Jahr einen neuen Überschuss-Rekord aufgestellt.“ „Geldregen geht über dem Finanzministerium nieder“, n-tv, 11. April 2018

Dieses Beispiel weist – wie viele andere –  nur auf die Illusion hin, in der sich die meisten Menschen bewegen, die sie mit ihren Verhaltensmustern und sich daraus ergebenden, nicht selten vorgekauten und leicht verdaulichen Glaubensbekenntnissen, notfalls auch zu verteidigen versuchen – in der Regel durch Verdrängung, als gesellschaftlich toleriertes und „alternativloses“ Handlungskonzept.

Es handelt sich schon um eine Realität, die sich zwischen Geist und Materie abspielt. Es ist mehr die Illusion der Abgegrenztheit, in Form eines Sammelbeckens selbst geschaffener „Einzelschicksale“ – „jeder hat ja seine eigenen Probleme“, da sich der Einzelne durch Abgrenzung (ebenfalls ein Verdrängungskonzept) gegen Veränderung zu „schützen“ versucht. Das ist die eigentliche Illusion. Im Kern will kaum jemand, dass sich etwas ändert, da die angestrebten „Lösungen“ im wesentlichen keine sind. Lieber ist es ihnen sich darüber zu beklagen, sich zu beschweren und „man könne ja sowieso nichts tun“ oder: „Wir müssen kämpfen“.

„Menschen verteidigen notwendigerweise ihr eigenes „ich“. Wir nennen das: „ohne Grenzen“. Sie werden lügen, betrügen, stehlen, morden. Sie werden alles tun, was notwendig ist, um das aufrechtzuerhalten, was wir „die Grenzen des Ichs“ nennen.“ Andrew Samuels, Ph. D., Film: „Revolver“

Die alte Ordnung und nahezu alles darin – was das Geistige betrifft – ist dazu gedacht, die breite Masse von ihrer Entwicklung abhalten zu wollen – entstanden aus einer Bestrafung für eigenständiges sich entwickeln wollen in der Kindheit. Am besten ist, wenn sie nur noch den Vorgang der Wertschöpfung betreibt und „Andere“ für sie das Denken übernehmen.

„Sie werden hier fürs Arbeiten bezahlt und nicht fürs Denken.“

Erkannt, wo die eigentliche Aufgabe, die eigentliche Herausforderung liegt?

Unterwanderung von Entwicklung ist nicht nur ein Vorgang, der von „oben“ kommt, sondern hält sich die Masse gegenseitig im Zaum und es bedarf immer nur  Impulsen, das „Verhaltensmuster der Unterhaltung“ zu (re)aktivieren. Und alles, was nicht in gewohnte Denkstrukturen passt, wird eben mal „wegignoriert“ oder „weggelobt“.

Solange die Mehrheit nicht wissen will, wie sie funktioniert, solange rennt sie weiter jeder Schreckensnachrichten sich hingebend hinterher. Mal sehen wann das Besatzungsrecht mal wieder ausläuft („Frau Müller, bitte auf die fünf!“), das Bodenrecht gefährdet ist, ein dritter Weltkrieg ansteht, die Gemeinden reorganisiert werden sollen oder ein Reich, ein König gekrönt, ein Reichskanzler ernannt oder irgendein Gericht endlich mal Recht sprechen wird. All dies bewegt sich nur in innerhalb der Ordnungsprinzipien der alten Ordnung.

Man spielt der Masse ein Kindertheater vor, und nur weil grimmig und ernst dreingeschaut wird, muss es etwas anderes sein, als „Räuber und Gen-Darm“. Wenn so mancher das erkennt, welche Rolle er selbst dabei spielt, lautet nicht selten die Ausrede: „Ja, aber ich muss doch…“. Denn das „müssen“ wird ja bezahlt.

Die einen werden die Opfer verhaften. Sie haben nur den Befehl ausgeführt, jemanden festzunehmen. Andere verantworten den Transport in die Lager. Und dabei haben sie nur ihren Beruf als Lokomotivführer ausgeführt. Und der Lagerkommandant, der die Pforte hinter den Opfern zuschlägt, tut seine Pflicht wie ein gewöhnlicher Gefängnisdirektor. Natürlich werden die Mörder und Henker am Ende der Kette besonders ausgesucht. Aber den einzelnen Gliedern der Kette macht man den Gehorsam so einfach wie möglich.“ Aus dem Film: I, wie Ikarus.

Mittlerweile ist erkennbar, dass die Masse wach gemacht werden soll. Das ist dann der Fall, wenn es ihr an den Geldbeutel geht und ans geliebte Land, was beides auch nur Erfindungen aus dem „Ich“ heraus sind und zum einen auf Belohnung und Bestrafung (Geld, gelt) und im Weiteren auf einer Abgrenzung beruht. Es läuft stets auf die gleiche Ursache hinaus.

„Wohnen Sie noch in einem Land oder leben Sie bereits auf der Erde?“

„Es gilt erst einmal ein Bewusstsein des Missstandes zu schaffen. Jetzt nicht gleich zu fragen: „Gib doch die Antwort.“
Ein Dutschke will keine Antwort geben. Das wäre genau die manipulative Antwort, die, ich nicht zu geben bereit bin. Denn was soll es bedeuten, als Einzelner Antworten zu geben, wenn die gesamtgesellschaftliche Bewusstlosigkeit bestehen bleibt. Die muss durchbrochen werden, dann können Antworten gegeben werden…“ Rudi Dutschke

Was Dutschke mit Missstand meinte, waren nicht die wahrgenommenen „Probleme“, damit verbundenes Kritisieren, gewohntes dagegen Vorgehen oder sich schwach zu unterwerfen oder die Suche nach verantwortlichen „Schuldigen“, die von Auserkorenen „bekämpft“ werden sollen, siehe Parteien.
Damit verbundene Beschäftigung (üblicher Weise durch Behandlung von Symptomen) ist die Grundlage der alten Ordnung.

Als „Probleme“ wahrgenommene Sachverhalte sind jedoch nur Symptome des Systems!
Für den gewohnten Denker ist das schwer verstehbar, der im Verhalten der Verdrängung unterwegs ist.
Es macht auch keinen Sinn, sich mit jenen auszutauschen, da sie „selbstverschlossen“ ein Leben der Abgrenzung führen. Der Mensch schafft sich auf diese Weise selbst ab. Jene, die dies jedoch erkannt haben, sie bleiben. Das zu erkennen, ist jedermann eigene Entscheidung. Also? Zeit zum Umdenken.

Was den Hinweis einschließt, dass der Mensch bereits in einer Art Gemeinschaft lebt, doch aufgrund seiner ankonditionierten Abgrenzung, in Form einer Ansammlung. Und auf diese Weise gestaltet er auch seine Wirkumfelder und seine Organisationsstrukturen. Es bedarf jedoch einer anderen Denk- und davon abgeleitet auch Handlungsweise, um wirksame Strukturen und Umfelder zu schaffen – vereinfacht ausgedrückt. Doch das soll hier nicht das Thema sein.

Dass sich die Situation also insgesamt weiter zuspitzt, liegt an der Tatsache, dass notwendigen Anpassungen an stattfindenden Veränderungen gewohnt mit Angst, Abneigung und widerstand begegnet wird. Angst, deren Umgang nebenbei verdreht(!) gelernt wurde:

„Das Sinnesorgan Angst, zuständig für die Signalisierung noch unklarer Bedrohungen, ist zwar unangenehm, jedoch vital notwendig und daher kerngesund; nur am falschen Umgang mit Angst (zum Beispiel Abwehr, Verdrängung) kann man erkranken…“ Deutsches Ärzteblatt, 2002

Diese „Verdrehung“ beruht ebenfalls aus der oben genannten Bestrafung in der Kindheit.
Das Kernverhalten des Menschen ist seine Abgrenzung gegen Veränderung, was wiederum im „Ich“ abgespeichert ist, was sich an seiner Existenz jedoch solange wie möglich festzuhalten versucht.

„Die Mehrheit der gewöhnlichen Bevölkerung versteht nicht, was wirklich geschieht. Und sie versteht noch nicht einmal, dass sie es nicht versteht.“ Noam Chomsky

Nachtrag: Das System funktioniert solange, solange es sich der Verdrängungsverhalten seiner Teilnehmer gewiss ist.

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