Menschenwürde – eine kurze Betrachtung

Menschenwürde, ein Begriff, welchen wir meist mit dem ersten Artikel des Grundgesetzes in Verbindung bringen: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

Der Ursprung des Wortes
Um den Begriff „Würde“ näher zu beleuchten, werfen wir zunächst einen Blick auf seinen sprachlichen Ursprung.

„Würde“ stammt vom althochdeutschen Wort „wirdi“ oder dem mittelhochdeutschen Wort „wirde“ ab und bedeutet im engeren Sinne „einen Gegenwert habend“ und ist eng verwandt mit dem Adjektiv „wert“.

Mit Würde stehen Begrifflichkeiten wie Achtung, Selbstachtung, Wertschätzung und Selbstwertschätzung in Verbindung. Das Gebot: „Liebe Deinen Nächsten, wie dich selbst“ finden wir dazu in der Bibel.

Weitere Synonyme von Würde sind: Wesen, Wesensart und -merkmal, Wesen aller Dinge, Wirtschaft, Mehrwert, Würdigung, Hochachtung, Ansehen, Ehre, der Begriff „Wort*“ an sich und viele weitere, welche die Liste beliebig erweitern.

Dass das Schaffen von Werten in der „Wirt“-schaft vonstatten geht und somit auch eine Gestaltungsaufgabe verbunden ist, wird hier mehr als deutlich. Würde bezeichnet aber auch eine innere Wesenseigenschaft, wie sie von allen lebenden Wesen ausgeht.

Um Würde zu verstehen, ist es notwendig sich jedoch von vorhandenen Begrifflichkeiten und Betrachtungen einer kategorisierenden und begriffsvergleichenden Welt zu lösen und dies unter Zuhilfenahme einer holistischen, also ganzheitlichen  Betrachtungsweise näher zu beleuchten. Zuvor sei erwähnt, dass Menschen mehrheitlich von der Wahrnehmung einer Welt in Teilen geprägt sind, manifestiert in der Maschinentheorie von René Descartes, welcher die Welt in sichtbare Dinge (Wissenschaft) und das Unsichtbare (Glauben) teilte.

* Der Begriff „Wort“ an sich beschreibt somit auch die Versinnbildlichung seiner eigenen
inneren Wertigkeit. An dieser Stelle findet eine Selbstreferenzierung statt.

Spätestens mit der namentlich bekannten Quantenphysik sowie der Kybernetik**, beginnen die beiden getrennten Welten wieder ineinander zu verschmelzen. Es geht um Zusammenhänge und Wechselwirkungen. Dazu sind jedoch andere Begrifflichkeiten sowie Denkweisen notwendig, Würde „begreifbar“ zu machen.

„Das Ganze ist mehr, als die Summe seiner Teile.“ Aristoteles

Vorab ein Beispiel aus einem Philosophie-Forum zur Veranschaulichung von Wertigkeit und Mehrwert. So fragte ein Mann: “Eine Torte wiegt 1000g, ich schneide sie in 4 Teile, also 250 Gramm je Teil, das Ganze mal 4 ergibt wieder 1000 Gramm. Irgendwie steh‘ ich auf der Leitung!?“

Als Antwort schrieb ich: „Zum Thema Torte und Teile: Man möge die Urbestandteile, welche zum Herstellen einer Torte notwendig sind, jemandem mit verbundenen Augen einzeln kosten lassen, um zu erraten, was am Ende herauskommen soll.“

Es geht nicht um das was man sehen kann, sondern das was man nicht sehen kann. Emergenzen und Synergieeffekte. Ergebnisse, sich spontan entwickelnder Selbstorganisation. Qualität ist ebenfalls ein solches Phänomen – in der Welt der Dinge.

Die Mehrheit der Menschen ist geprägt von der Philosophie des René Descartes, einer Wahrnehmung der Welt in Teilen, welche über Generationen bis heute weitergegeben wurde. Diese Irrlehre führt zu den heutigen Phänomenen, welche Menschen beispielsweise Probleme überall dort lösen lässt, wo sie sicht- und fühlbar auftreten, statt sich den vernetzten Ursachen zu widmen und mit den Zusammenhängen vertraut zu machen.

Etwas, was Aristoteles versucht hat, mit seiner Aussage zu beschreiben: Es geht um Systeme und Systemdenken.“

** Über die Begriffe Kybernetik(1) und Kybernesis(2) (1,2: altgr. von Steuermann sowie
praktische Theologie) beginnt sich das Ganze zu offenbaren

© Alexander Berg, 2010

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