Burnout – Phänomen unserer Zeit

http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,740853,00.html (Spiegel)

Der Mensch lernte, Probleme überall dort lösen zu wollen, wo sie sensuell in Erscheinung treten. Durch dieses Bedarfsdeckungsprinzip schuf er sich selbst die Komplexität, die ihm nun um die Ohren zu fliegen droht. Anfänglich funktionelle Strukturen degenerierten zu altersschwachen „Pflegefällen“. Darin der Mensch, damit beschäftigt alles am Laufen zu halten.

Die Ursache liegt in der Vorstellung, man habe es mit unabhängig voneinander existierender Probleme zu tun. In Wahrheit sind es nur Symptome, mit denen sich der Mensch tagtäglich „kämpferisch“ beschäftigt.

Burnout ist ein Zeichen für überfrachtete Organsisationsstrukturen, in denen die Betroffenen durch Informationen systematisch überfachtet werden.
Ich zitiere aus  „Den Zeitzeichen folgen“von der Webseite des Schubäusmodells:

„Immer noch entwickeln kartesianische Irrlehren in unterschiedlichen Organisationsformen Eigendynamiken, erzeugen latent und unbemerkt, aus ursprünglich wohlgeordneten Unternehmen in zunehmendem Maße

  • Wettkampfarenen und Rückzugsgebiete für »junge Wilde« und Emporkömmlinge,
  • Versuchslabors für gigantische Softwarestandards und dilettantische Beraterspielchen,
  • Spielwiesen für Karrieretypen und Machtbesessene,
  • Versorgungs- und Zahlstellen für Unqualifizierte, Arbeitsunwillige und Arbeitsunfähige,
  • Brutstätten für Konflikte, Zerwürfnisse und Zerfall.

Entwicklungen, die sich fast unbemerkt etablieren undschleichend alles überlagern, was zur Erhaltung und Weiterentwicklung moderner Strukturen notwendig ist.

Entgegen der zweck- und zielgerichteten Individualität eines Unternehmens als Ganzem, erzeugen die Unheil bringenden Einflüsse

  • zunehmende Einzelinteressen,
  • hinderliche Abteilungsgrenzen,
  • hierarchische Befehlsstrukturen,
  • fehlende Freiräume in den Funktionsbereichen,
  • personenbezogenes Karrieredenken,
  • mangelhafte und fehlende Informationen,
  • Wunschdenken statt Rationalität,
  • Emotionen statt Pragmatismus und
  • Zunahme der Konfliktsituationen.

In einem kaum noch beherrschbaren, destruktiven Chaos dominieren in einer von Krisen geschüttelten Zeit

  • inkompatible Teilsysteme,
  • Meinungsvielfalt,
  • zunehmende Fehlhandlungen,
  • aufwändige Improvisationsmaßnahmen,
  • teure Experimente und
  • die eher reflexartige Suche nach Schuldigen und Problemlösungen

die Szenerie, von denen immer noch viele glauben, das müsste so sein. Wertvolle Ressourcen werden vergeudet, Kunden und Märkte verunsichert.“

„Wenn wir nicht jetzt und heute damit beginnen uns auf morgen auszurichten, wird der kollektive Verfallsprozess – der 1995 begann – sich künftig exponentiell weiterentwickeln.

Wir stehen bereits heute vor der Frage: »Wie definieren wir in zehn Jahren Begriffe wie Stress und Hektik?«

Wie gehen 2020 Menschen mit dem Vielfachen an Belastungen um? Wie sehen Arbeitswelt, Gesundheitswesen und Lernkulturen zu diesem Zeitpunkt aus?

Fragen, mit denen sich zurzeit kaum jemand auseinandersetzt. Warum?

Weil die Mehrheit der Betroffenen

  • sich nicht mit der unumkehrbaren Realität weltweiter Zusammenhänge auseinandersetzen will und kann,
  • mit dem verfügbaren Wissen und den Mittelstrukturen nicht annähernd in der Lage ist, sich den zeitgemäßen Anforderungen zu stellen,
  • sich nicht vorstellen kann, aus der zur Gewohnheit gewordenen Hektik ein für alle Male auszubrechen.

Daran werden die weltweit begehrten High-Tech-Alleinstellungsmerkmale: Produkte hoher Qualität, auch nichts mehr ändern.

Denn randvoll beschäftigt zu sein, kann auch heißen, hinter allem nur deswegen herzurennen, damit sich überhaupt noch etwas bewegt.“

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