Praxis mit Wanhao D7/Plus, D8, D9 und Geeetech A20M

(v1.1) Kenntnisse in der Medienentwicklung und des Marketings nutze ich vordringlich nur noch für mich, in Form des „it is like it is“. Das Denken über das System, in dem so manche lieber nur zu „machen“ pflegen, ringt derweil mit seiner Daseinsberechtigung. Klassisches Marketing steht dabei mit auf der Abschussliste.

Die gewöhnliche Endkundenmanipulation durch Werbemärchen hat mich noch nie interessiert, da hier die Unbewusstheit des Kunden über sich und seine Denk- und Verhaltensweisen nur marketing-technisch angetriggert und „bedarfsgerecht“ zum Wohle des Unternehmens „versilbert“ werden. Mit diesen grundsätzlichen Denk- und Verhaltensweisen (dem System) und gegenseitiger Ausbeutung (in einem geistig geschlossenen System) beschäftigt sich der BERG-Blog.

Zwischen den vielen Blogbeiträgen über das System und seiner unbestreitbaren Erzeugung durch den Menschen selbst, entstehen mitunter Verzögerungen (als Zeit wahrgenommen), dass ich mich da u. a. mit dem 3D-Druck näher auseinandersetzen mag – sei es Konstruieren, Einrichten, Drucken, Instandhalten und Reparieren.

So war es heute an der Zeit, diesen Erfahrungsbericht über die o. g. 3D-Drucker zu schreiben, da 3D-Druck so ein bisschen als Allheilmittel „aneuphoriert“ wird, während die Realität eine andere ist, um irgendgwie über eine Milliarde mitversorgen zu müssen und ihre observierende Verwaltung natürlich nicht zu vergessen.

Der Beitrag dreht sich u. a. um die Wanhao-Drucker D7/Plus und D8. Diese verwenden die DUP-Technik (Direct UV Printing). Wanhao D9 und Geeetech A20M setzen auf FDM-Technik (Fused Deposition Modeling). Ich gehe hier nicht näher auf die beide Verfahren ein.

Alle Produkte werden in China gefertigt.

Vorab: Ein Produkt sollte so etwas wie marktreif sein. Doch treten nicht nur bei längerem Betrieb und Handling die einen oder anderen Schwächen zu Tage. Das macht den Nutzer unweigerlich zum Beta-Tester.
Ich kann mich hier an meinen Vortrag vor der DGQ im Jahre 1999 erinnern, wo ich bereits auf die aktive Einbindung des Kunden in den Entwicklungsprozess über dass Internet hingewiesen hatte – jedoch nicht so.

Zwar verbessern die Hersteller ihre Produkte, jedoch schleichen sich nicht selten wieder andere Probleme ein.

Der Wanhao D7 bspw. kränkelt daran, dass nach einem halben Jahr die U-LEDs schlichtweg „den Geist aufgeben“. Der Kunde muss das Gerät zum Händler einschicken und dieser repariert es gegen Rechnung.
Persönlich finde ich das unmöglich und mochte dies schon während der Agenturzeit vor vielen Jahren nicht. Kunde mag kommen, und etwas erhalten an dem er sich möglichst lange erfreuen mag. Diese künstlichen Abhängigkeiten waren und sind schrecklich.

„Qualität ist, wenn der Kunde zurückkommt und nicht das Produkt.“

Dass die UV-LEDS „die Mücke machen“ liegt am Einsatz billiger Lüfter mit Gleitlagern, die sich mit der Zeit zunächst durch einen störenden Höllenlärm bemerkbar machen und man die Geräte regelmäßig nahezu komplett auseinanderbauen und warten muss und später hängenbleiben. Als ob es nichts besseres zu tun gäbe.

Während der eine an der linken Seite des D7 die Stromversorgungsplatine kühlt, ist der zweite Lüfter dafür zuständig, die 30 Watt UV-LED während des Druckbetriebs zu kühlen. Der anfänglich vorhandene Abstand des Lüfters zu den unteren Lüftungsschlitzen kann durch ein zusätzlich gedrucktes Teil überbrückt und die Kühlung verbessert werden.
Das verhindert nicht, dass dieser Lüfter mit der Zeit ausfällt, so dass die UV-LED irgendwann den Hitzetod stirbt. Das Ausfallen des Lüfters wird durch den übertönenden anderen Lüfter nicht wahrgenommen. Der untere Lüfter wurde zu Testzwecken umgekehrt eingebaut.

Der Hersteller ist darauf hingewiesen. Mittlerweile hat er auch des Problems mit den sich beim Druck manchmal verabschiedenden 2K-Displays angenommen und kaschiert das Problem durch Verwendung einer 4mm starken Glasscheibe, unterhalb des Displays, was von Anfang an hätte sein können.

Andere „Verbesserungen“ des D7 reichen a) von der einachsigen (Version 1.4) zu einer zweiachsige Führung (1.5) und sorgte so auch für reichlich viel Beschäftigung beim Umbau.

Anfänglich war es sinnvoll den D7 über einen „Raspberry PI“ mit NanoDLP zu betreiben, um den Rechner nach Auftragsübergabe an den Druckserver ausschalten zu können. Der direkte Betrieb an einem Rechner per USB-Kabel kam nie wirklich in Frage.

Mit der „D7 Box“ – zusätzlich zum D7 (V1.5) wurde dann ein separates Bedienfeld mit eingebautem Einplatinenrechner eingeführt.

Beim Bedienfeld stellt sich jedoch ein merkwürdiges Verhalten ein, was beim Wanhao D9, einem FDM-Drucker des selben Herstellers, ebenfalls zu beobachten ist: Das Eventhandling scheint softwaretechnisch noch nicht ausgereift zu sein. Mitunter verschieben sich die aktiven Kontaktflächen zu den dargestellten Button-Grafiken und dann hängt sich das Ganze bei der Bedienung in einer Endlosschleife auf. Einziger Ausgang: aus- und wieder einschalten des Gerätes.*

Sicher mag es für den Einzelnen eine Herausforderung darstellen, den Fehler programmtechnisch auszumerzen. Doch entpuppen sich die meisten Käufer als Lediglich-Bediener, die dann ihr Produkt wieder an den Händler zurücksenden und die Reklamation nun auf seinem dem Tisch liegt. Kurz gesagt: Das ist Kiki.

Der Hersteller wälzt auf diese Weise seine organisatorischen Mängel auf den Händler ab. Und ich halte es für grob fahrlässig, den heimischen Kunden „mit dem Schwanz in der Hand“ einfach stehen zu lassen.

Denn was bei dem ganzen Tamtam übersehen wird, sind die Frachtkosten, die dann die einst günstigen Anschaffungskosten und erhofften Margen erheblich „an Bedeutung verlieren“ lassen, während der Zoll umsatzhungrig seinen Wegezoll mit einfordert.

Was sich anfänglich als Verkaufsmarge entpuppte, schrumpft dann gegen Null und wird mitunter zum Drauflegegeschäft.

Der Wanhao D9 (FDM-Drucker) „glänzt“ zwar mit einem großen Bauraum, die sich jedoch nicht auf die gewünschte Betriebstemperatur aufheizen lässt.
Das mir bekannte Gerät pendelt sich in seinen engagierten Heizbemühungen nach 30 Minuten bei bescheidenen 54 Grad (Lasermessgerät) ein – trotz testweise eingestellter 80 Grad.

Dabei ist die wellige Druckplattform nicht zu vergessen, die einen mit „präzise“ bezeichneten Druck zu verhindern weiß.
Der softwareseitig realisierte Kalibriermodus (Leveling) vermag Präzision – aufgrund seiner geringen Rasterauflösung (25 Messpunkte) – lediglich nur anzudeuten. Die gewohnten Stellrädchen unterhalb der Druckplattform sind gleich durch größere, im Sinne gesteigerter Bedienungsfreundlichkeit, auszutauschen.

Nach einem Firmware-Update ist die Benutzeroberfläche beim Leveling zerschossen – man ahnt nur noch, wo man drücken kann.

Physikalisch bedingt kann das Gerät mit keinen hohen Beschleunigungsraten wegen der Masseträgheit der Druckplattform betrieben werden, da sonst der Zahnriemen der Y-Achse überspringt, was dann zu wundersamen Druckergebnissen führt. So ist unter anderen auch der Einsatz eines zusätzlich gedruckten Riemenspanners notwendig.

Zudem kann man nicht jedes Material (selbst wenn es sich PLA schimpft) auf dem D9 drucken. Auf der einen Seite auch wegen mangelnder Temperatur.
Auch ein erfolgreich beobachteter Druckbeginn, endete nicht selten in einem Teil, was sich mehr dem Extruder, als der Druckplattform zugehörig fühlte.

Was bis jetzt druckbar war, ist das Material von Wanhao selbst. An diesem Punkt gelangt man aufgrund der vielen Anbieter dann in die Forschung und damit verbundene Zeit verschwendende Beschäftigung – während die Anbieter von Verbrauchmaterial auf Messen mit kleinen „Pröbchen“ den Verbraucher (eine künstlich geschaffene Rolle für den Menschen) wie kleine Drogendealer umwerben.

Glücklicherweise ist die Druckplattform des D9 doppelseitig nutzbar und weist zwei unterschiedliche Beschichtungen auf.
Die zweite Beschichtung hat dabei den Vorteil wesentlich höherer Haftung – allerdings mit dem Ergebnis, dass das PLA und die Beschichtung zu einem verschmelzen und man die gedruckten Teile nur mit viel Aufwand und reichlich verbleibendem Restmaterial von Druckplattform entferne, was diese nach einiger Zeit unbrauchbar werden lässt. Ersatz ist im Anmarsch.

Was ich bis jetzt nicht erwähnt habe, dass die beiden FDM-Drucker (D9 und A20M) den langen Transportweg aus China recht „luftig montiert“ hinter sich gebracht hatten.

Beim Geeetech A20M führte das dazu, dass das Führungsprofil der Y-Achse einige Druckstellen auswies, die eine Inbetriebnahme – neben dem zerdrückten Extruder – zunächst unmöglich machten und so für zusätzliche Belästigung des Herstellers und Reparaturaufwand sorgten.

Den D8 hatte ich bis jetzt noch nicht erwähnt, brachte es der Hersteller fertig, ein Produkt zu liefern, wo das Gerät erst gar nicht funktionierte, da im Inneren einige Kabel einfach nicht angeschlossen waren und – was das Bedienfeld angeht – das Flachbandkabel verdreht eingebaut worden war und so auch keine Bedienbarkeit möglich war.

Billig, billig, billig sorgt dafür, dass Kosten immer wieder auf den Händler zurückfallen, während der Hersteller weit ab vom Schuss, weiter seine Billigprodukte auf den Markt wirft, der mitunter nur auf einen „preisbewussten“ Nutzer trifft.

Müsste der Hersteller all diese Kosten tragen, so würde er es sich nicht zweimal überlegen, ob er derartige Produkte so weiter anbieten würde.

Auch dies sind Erscheinungsformen innerhalb der alten Ordnung. Wie man es dreht und wenden mag: Marketing allein reicht nicht aus.

P.S. Ungeachtet der ökologischen Auswirkungen.

Weitere Beiträge:

Über die Praxis des 3D-Drucks

Der virtuelle Raum, die künstliche Intelligenz und ein Zeug namens Kunststoff

* Nachtrag: Der Hersteller liefert die D7-Box mit einem 5V/2A Netzteil aus, schreibt jedoch auf seiner Seite, dass es besser ist, eine Stromversorgung von mindestens 2,5 bis 3 A zur verwenden.