Quo vadis, Europa? Quo vadis, homo?

Ein Kommentar zum Gastkommentar vom 28.02.2017, Fuldaer Zeitung, Seite 4: „Was ist mit Dir los, Europa?

„Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut.“ Psalm 127,1)

Ein weiterer Beitrag liegt vor mir, den ich mit Begeisterung, Betroffenheit und gefühlter Bestätigung gelesen habe und mir dabei zuerst die Klerikalisierung staatlicher Akteure ins Auge springt und von „katholischer Politik“ gesprochen wird.

Das war auch abzusehen, da in diesem Wandel unnatürlich voneinander Getrenntes miteinander zusammenfließt, wobei klerikale und staatliche Vorstellungen im Sinne der Hierarchie und damit verbundener Infragestellung ebenfalls auf dem Prüfstand stehen – nebenbei auch die Religionen.

Die letzte Schlacht zwischen „Gut und Böse“ mündet in der Erkenntnis, dass beides, so wie es gelernt wurde, eine Täuschung war, um den Menschen in einer selbstgeschaffenen Scheinwelt vordringlich äußerer Entwicklung „bewahren“ zu wollen.

„Der Terrorist im fremden Land, ist der Held im eigenen.“

Im Gegensatz zum materiell orientierten Wachstum auf diesem Planeten, ist der Prozess der Bewusstwerdung unbegrenzt und wird lediglich durch die Konditionierungen der alten Ordnung überlagert.

Ich glaube, es war René Descartes’ „Maschinentheorie“, die dafür herhalten musste, wo alles sicht- und messbare der Wissenschaft zugeordnet und alles Unsichtbare, Göttliche der Kirche zugeordnet wurde. Was der „Stromer“ dabei „übersah“, war die Intuition des Menschen, beides miteinander zu verbinden.

Der Versuch ein Europa der Völker unter dem Deckmantel der EU zeugen zu wollen, funktioniert nicht nach jenen Prinzipien, unter denen sich die alte Ordnung, die Hierarchie (Widersacher der natürlichen Ordnung) zum Ausdruck bringt und wo besagte Emotionen und Ideologien zweier blutiger Kriege auch heute noch wirksam ihren Dienst tun, siehe das Gleichnis vom „Turmbau zu Babel“.

Der im Psalm gewohnt gemeinte „Herr“ ist nicht der „Herr“, sondern „ein Mensch“, der unter den Konditionierungen der alten Ordnung auch nur eine alte Ordnung ins Leben zu rufen versucht(e).

Es kann keinen Vertreter Gottes geben, wenn „es“ in jedem selbst angelegt ist. Und um die „Kuh vom Eis zu bekommen“, lernte der Mensch in der alten Ordnung, wie es nicht funktioniert: „Du bist solange gut, solange mir das gefällt.“

Das Leben selbst, bringt sich durch seine Bedingungslosigkeit sein lautloses Fließen zum Ausdruck. Frieden ist geprägt von der Abwesenheit jeglicher Bedingungen. Ich wünsche jedem Menschen, diesen Moment selbst einmal zu erleben. Denn er wird ihn nie wieder vergessen.

*„Vernunft ist der intuitiv getriggerte Prozess zwischen bedingungslosem Geben und Empfangen.“

Wenn also dem Angesicht Gottes über Europa ein Leuchten „entweicht“, so mag es mehr einem Schmunzeln gleichen – dabei an das Gleichnis von Esau und Jakob erinnernd. 😀

„Was ist mit Dir los, humanistisches Europa, du Verfechterin der Menschenrechte, der Demokratie und der Freiheit?“ Franziskus, 2016

Es klingt wie ein wunderschön gestaltetes Etikett auf einer Weinflasche, bei der man hofft, irgendwann auch den passenden Wein hineinfüllen zu können.

„Hülse, Hülle, Hölle.“

„Verschlossen und zerstritten, wo es um gemeinsame Zukunftskonzepte und entschlossenes Handeln ginge statt um nationale Egoismen. Ängstlich und kleinlich, wo doch Großherzigkeit und Menschlichkeit angesagt wären.“

„…durchlebt die europäische Gesellschaft eben jenes Drama der verschlossenen Türen, hochgezogenen Mauern, gefangen im gegenseitigen Misstrauen und Angst herausgestellt.“

Die im Beitrag dargelegten Bedenken sind in der Tat berechtigt und tatsächlich bräuchte es jenen Mut, Europa neu zu denken – besser jedoch: alles neu zu denken. Denn auch ein „Neues Europa“ kann im Rahmen der Konventionen und Traditionen einer alten Weltordnung nicht funktionieren.

„Zur Freiheit bedarf es nur des Mutes. Doch wisse: Es gibt nur ein Mitkommen und kein Mitnehmen.“

Wenn Jean-Paul Sartre in seinem Drama „Geschlossene Gesellschaft“ feststellte, „die Hölle, das sind die anderen“, erkannte er lediglich jene Projektion mangelnden Selbstvertrauens, welches im Außen gern als Misstrauen „verkauft“ wird.

Aus diesem Grund funktioniert Europa gesellschaftlich nicht, weil kaum jemand jene Prinzipien bei sich selbst(!) hinterfragt, mit denen der Mensch in seinem Heranwachsen gewöhnlich angefüllt und fremdbestimmt funktionieren soll.

Die Suche des Menschen im Außen nach einem Verantwortlichen für seine eigene Unmündigkeit, führt ihn irgendwann an jenen Punkt, wo er erkennt, dass es nur in seiner Aufgabe liegen kann, diese Unmündigkeit zu überwinden – und daraus entsteht der souveräne Mensch.

Mit dem sich „selbst entdeckenden Menschen“, finden somit auch jene geschaffenen Institutionen ein Ende, denen daran gelegen ist, den „unentdeckten Menschen“ beibehalten, um ihn mit süßen Worten der Versprechung „umschmeicheln“ zu wollen.

Der im Beitrag erwähnte „Egoismus“ ist dabei jene Pflanze, auf der sich die alte Ordnung errichtet, weil der Mensch gegen sein Wesen seiner natürlich geistigen Entwicklung in jenem beibehaltenen Egoismus (vordringlich einseitiges Empfangen unter fortgeführter Fremdbestimmung) und damit verbundener Unvernunft* sich weiter bewegen soll, damit die Betreuer weiter einen Grund zur Betreuung haben.

Warum muss(!) „Europa“ zu sich selbst finden, wenn der Mensch selbst noch nicht zu sich gefunden hat?
Genau an dieser Stelle findet sich jener Ausgang aus der selbstgeschaffenen Unmündigkeit, die beibehalten, nur der Existenz jener „umschmeichelnden Betreuer“ dienlich ist – sowie jenen, die gern leichtgläubig flüsternder Worte betreut werden wollen.

„Der Mensch denkt, Gott, lenkt. Der Mensch dachte, Gott lachte.“

Der Unmündige zeichnet sich durch seine belohnte Unvernunft aus, damit der Vorgesetze einen Grund hat, ihn zu betreuen.
Wer nun ein Auge auf sein „Eigentum“ wirft, wird schnell erkennen, dass alles, was ihm zu gehören scheint, ihm nur solange ist, wie er den auferlegten Ordnungsprinzipien der Betreuer entspricht oder auch selbst ein solches „Spiel der opportunen Willkür“ bei anderen betreibt.

„…in der Besinnung auf das Gemeinwohl und in der Solidarität der Tat, für Dialog und Menschlichkeit in einer Zeit. In der nationalistische Thesen propagiert werden, Populismus und Pragmatismus die Wahrheitsfrage vertreiben.“

„Wahrheit ist das, was funktioniert.“ Ernst von Glaserfeld

Wie kann es Gemeinwohl geben, wenn der Fokus auf „privat“ und zunehmende Unterteilung und „Besitzung“ liegt?

„Privat (von lat. privatus, PPP von privare, „abgesondert, beraubt, getrennt“, privatum, „das Eigene“ und privus, „für sich bestehend“)[1] bezeichnet Gegenstände, Bereiche und Angelegenheiten, die in sich geschlossen sind, also nicht offenstehen.“ Wikipedia

Wenn die Unterteilung der Hierarchie in weitere Unterhierarchien einen bestimmte Komplexität durch ihre Teilnehmer, deren symptomhafte Bekämpfung systemisch auftretender „Probleme“ (Marktlücke=“Lösung“=Dauerbetreuung=Service) erreicht hat und die Energie zur Erfüllung der eigentlichen Funktion von der Energie zur Aufrechterhaltung absorbiert wird, kollabiert das gesamte System.
Dies lässt sich auch nicht mit noch soviel Menschenmaterial aufrechterhalten und führt nur zu weiterer Unterteilung.

Die Hierarchie ist im eigentlichen Sinne jener Parasit, der sich an der Erde angeheftet hat. Ein System, was sich selbst gegen das Leben stellt.
Ein System, was sich aus den unbetrachteten Denk- und Verhaltensmustern einer Gesellschaft erzeugt, die im Glauben handelt, im Außen „Gutes“ tun zu wollen, während in ihrem Inneren (privaten) die unsichtbare „Struktur“ genau umgekehrt „funktioniert“, während sie mit einem freundlichen Lächeln nach Außen übermalt wird.

„Am Tun werdet ihr sie erkennen.“

Bei der erwähnten „Rückbesinnung auf die fundamentalen Werte“ drängt sich (un)willkürlich die Frage auf, um welche es sich wohl handeln mag, bewegt sich die Mehrheit in einer vordringlich fremdbestimmten Außenkonditionierung, die sie eine materielle Lebensweise einer geistigen vorziehen lässt und damit verbunden nur eine Vorstellung von Wertbegriffen in Form von leeren Hüllen herrscht, ebenso wie die Illusion von Demokratie.

Es sind im Wesentlichen Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen, Selbstliebe und Selbstbewusstsein, die den sich entfaltenden Menschen ausmachen, wo er vielleicht auch das erste Mal auf jene innere Stimme lauscht, die er bisherigen im materiellen Trubel überhört haben musste.

Nachträgliche Anmerkung: „Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen.“ Mt 7,12

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