Reichsbürger – erotisierend, erfrischend und bejubelnd

Klassisches Staats-TV ist dann noch wirksamer, wenn es auch die Zeit der Werbeblöcke zur Aufklärung über sogenannte „Reichsbürger“ nutzt.

„Woran erkennt man einen Reichsbürger? Der fragt an der Kasse, ob noch frische Mohrenköpfe im Lager sind.“

Hinzu käme ein durchdachtes Product Placement z. B. im Tatort, wo bspw. zehn Polizisten einen Junkie und einen Drogendealer stellen und der zugedröhnte Junkie im „Reichs-T-Shirt“ auf der Flucht zufällig angeschossen und kurz danach auf einer nassen Hinterhoftreppe in seiner eigenen Pisse krepiert – das Blut durchtränkt langsam das mit Kotze vollgesudelte Weiß (zwischen Schwarz und Rot). Das hätte schon etwas Realbizarres an sich. Schnitt.

Wenn man schon keine Rechts- und Handlungsgrundlagen mehr existieren, dann braucht es wenigstens guter „Tatorte“.

In einer anderen Variante eines Sonntagsliebesfilms, wird auf einer Treibjagd zufällig der Dorfnazis niedergestreckt, während er seinem täglichen Wehrsport nachgeht. So sind doch die Nazis, oder? Schön und einfach – wie der Zuschauer.

Das Krimi-Highlight wäre: Ein Reichsbürger tötet einen Flüchtling, weil der gerade eine Frau vergewaltigt und im Polizeibericht steht, dass der Reichsbürger ein Liebespaar beim Verkehr gestört hätte.
Nebenbei „findet“ man bei ihm noch Drogen, die auf eine international agierende Reichsorganisation schließt, die sich mit Waffen, Drogen und Menschenhandel finanziert.

Oder bei „Der Bergdoktor“ wird dann ein Kind gezeigt, was mit einer Reichsflagge vor dem Kindergarten steht, vor ihm die Betreuerin: „Du kommst hier nicht rein!“

Gut, dass ich kein Reichsbürger bin,… sondern staatlich geprüfter „Terrorist“, neben dem staatlich geprüften Techniker – allgemeiner Maschinenbau. Für den ersteren geht die Prüfungsdauer über die vier Tage hinaus. Mir fehlt da aber noch der entsprechende Schein. Kann man da auch noch die Ausbildereignung im Handwerk machen?

Von Angst- und Alptraumphantasien durchnässte Feindprojektionen. Was bleibt, ist ein verständnisvolles Lächeln.

Dabei hat alles in 2006 ganz harmlos mit einem Vorschlag für eine neue Wirtschaftsordnung angefangen. Zumindest stellt sich das noch heute so für mich da.
Klassisch könnte man von einem Fehler sprechen. Doch aus Sicht des Wandels und der damit übernommenen Aufgabe, gehört Ihnen allen ein offenes und ehrliches Danke von ganzem Herzen, denn ist es in der Tat die größte Herausforderung. So am Rande.

Dazu gehört natürlich, sich auch mal ein paar Stigmata gefallen zu lassen. Es sind ja nur Projektionen auf die man nur der klassisch Konditionierte konkludent reagiert.

Um nun alle so richtig zu beunruhigen: Es geht gar nicht um „Reichsbürger“ oder „Terroristen“, sondern zunächst um zunehmenden Autoritätsverlust jener sich als staatlich und verwaltend gebenden Unternehmen – und übergeordnet: das Ende der alten Weltordnung.
Aus dieser Perspektive gestaltet sich alles plötzlich als wildes Ameisengewusel – nur kann man das olfaktorische Schreien nicht hören.

„Szene die erste „Reichsbürger gegen den Staat“, Achtung, Kamera, Action.“ „BUMM, BUMM!“ „Einfaches für die Einfachen.“

Ohne eigenständiges Denken bleibt dem Gewohnten sein tägliches befüllt werden, mit all jenem, was er zu denken hat. Durch den falsch gelernten Umgang mit der Angst, bleibt die Masse solange noch gefügig, willig und formbar.

„Durch eigenständiges Denken verliert der Meinungsmacher seine Meinungs- und Bedeutungshoheit.“

Dem ganzen Brimborium kann „den Stecker ziehen“, wenn man sich dem eigentlichen Geschehen widmet, was mit dem Verlassen der alten Ordnung zu tun hat und nicht im üblichen Gezeter mündet, aus: „Meine Staatsfiktion und ich“ oder: „Meine Staatsfiktion ist besser, als deine“.

„Ja, aber immer zwei Mal mehr als Deine…“

Es wird zuviel im Gestern herumgewühlt, in der Vorstellung, noch irgendwelche „Leichenreste“ wiederbeleben zu wollen. Nekrophile treffen Pädophile.

Wenn man erst einmal erkennt, was das System ist, dann verliert alles Bisherige zunehmend an Bedeutung und damit auch all jene Meinungen, die sich durch gewohntes Zeter und Mordio sowie durch übliche Stigmatisierung und Schuldzuweisung hervortun – gewohnte Denk- und Verhaltensmuster und Konditionierungen, die jenes System erzeugen, was sich am Ende selbst aufzehrt – während sich so mancher diesem kraftvoll – wenn auch wirkungsfrei – „entgegenstellt“ – also sich selbst bekämpft!

Es geht nicht nur dem Laden „an die Wäsche“ und so ist man der Meinung, mit genug Schaffung von „Reichsbürgern“ und dem Vorzeigen entsprechender Artgenossen, sei das Feindbildszenario bereits perfekt, wenn man alles fein säuberlich filmt und dann den nachgerichteten Sinnzusammenhang dem autoritätsgläubigen Zuschauer am TV vorjuckelt.

Im Kern ist alles bereits entstaatlicht, man mag es nur noch nicht wahrhaben. Auf der anderen Seite herrschen durch Vorgestern motivierte Vorstellungen, als „Ablösungen“ für das Gestern.

Ein Neandertaler zum anderen: „Gestern war alles besser!“ „Was ist denn ‚Gestern‘?“

Um es offen auszudrücken: Man benötigt keine Betreuungseinrichtungen, die einem dann eine Erlaubnis erteilen, dafür noch Geld verlangen, um die Eigenschaft „staatlicher Selbstbestimmung (allgemein: Souveränität)“ zu erwerben, statt sich zunehmend selbstbestimmend zu entfalten. Doch wer will das schon? Da müsste man sich ja ändern.

Im Sinne mehrheitlicher Wahrnehmung fällt mir bei „Apokalypse“ nur der Neoliberalismus ein, der im November das Beitragslicht auf meinem Blog erblickt hat.
Einmal mehr erkennbar, dass der Mehrheit die Vorstellung eines funktionellen Ganzen fehlt, was sie sich auch noch selbst vorenthält, während sie ihre Vorsprecher für sich reden lässt, die wiederum nur existieren, um sich vor Veränderungen schützen zu lassen – um das verfallende Gestern nochmals verkaufen zu wollen.

Und wer jetzt nach draußen schaut wird erkennen, dass dieser Schutz weggefallen ist.

Es erfordert also einen weitreichenden Blick über(!) den berühmten Tellerrand – und nicht nur jenen, um sich wieder auf „gefährliche Erbsen und Möhrchen“ zu stürzen.

Ganz ehrlich: Auf beiden Seiten wird ums Bestehen gekämpft und gezerrt. Beides verliert im Zuge des Wandels an seiner bisherigen Bedeutung und so haben alle die Möglichkeit auf dem Tisch, sich selbst ein Bild zu machen, was hinter dem gewohnten Ereignishorizont stattfindet.

Wie gesagt: Wer braucht schon Betreuung?

10 Comments on Reichsbürger – erotisierend, erfrischend und bejubelnd

  1. http://www.odenwald-geschichten.de/?p=1740#comment-38590
    Die Fundstelle hat ein Kommentator auf Deiner Seite gepostet gehabt.
    „Gierige brauchen eine Re-Gierung“, frei wiedergegeben nach Alexander Berg …
    Und dazu fand ich dann unter obiger Fundstelle ziemlich am Ende in den Komentaren diesen hier, Zitat:
    „Schmidt, Eberhard
    November 9, 2010 um 11:42 Uhr

    Wer glaubt in unserem Verbrecherstaat noch an eine „Gerechtigkeit“. Was ist denn überhaupt Wahrheit? Ganz einfach: „Politiker und Andere“ dürfen straffrei lügen und der Steuerzahler zahlt die Zeche. 3.7 Milliarden in Bayern und keiner übernimmt die Verantwortung. Man sitzt es aus??? Der Steuerzahler bezahlt ja und dort sind noch viele Milliarden zu holen. Staatsverschuldung gibt es doch gar nicht. Wir (Politiker und Maffia) holen es dort, wo es gerade flüssig ist. Warum Gesetze einhalten, es geht doch auch soooooo. Die Verstrahlung hat zugenommen, aber ist noch nicht tödlich. Wir warten also ab. Ich soll lt. FDP, Frau Arnold, an die NS-Zeit denken – sie und ich kennen diese NS-Zeit gar nicht – aber sie schreibt: „Sie findet die Unabhängigkeit unserer Richter gut, ich solle mal an die NS-Zeit denken.“ Was will der Neuankömmling im „Reichstag von Stuttgart“ mir damit sagen. Ich verstehe es so, es ist schön, dass unsere Richter und Politiker – wie in der NS-Zeit – keiner Kontrolle unterliegen. Die Richter dürfen sich jetzt in unserem Schlaraffenland frei bedienen und jeden Querulanten zum Verbrecher machen. Sagt mir, wer gegen diese Maffia eine Chance hat, zu seinem Recht zu kommen, wenn alle Gesetze nicht gelten sollen. Ihr werdet sehen, wir sind noch nicht am Ende der Gier.“

  2. Antifaschismus-Zitat:
    „François Bondy berichtet über eine Begegnung mit Silone in seinem 1988 publizierten Buch Pfade der Neugier. Portraits: „Ich traf Silone in Genf am Tag, an dem er aus dem Exil nach Italien zurückkehrte, und plötzlich sagte er: «Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‹Ich bin der Faschismus›. Nein, er wird sagen: ‹Ich bin der Antifaschismus›.» […] Viele Jahre später, als «Antifaschismus» in der Tat instrumentalisiert wurde und zu einem Slogan herunterkam, verstand ich, daß dieses kaustische Aperçu prophetisch war.“[4] Eine Niederschrift des Zitats aus Silones Lebzeiten oder in seinen eigenen Werken existiert nicht.“
    Fundstelle:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Ignazio_Silone

  3. Der Reichsbürger war nach dem „Reichsbürgergesetz“ des 3. Reiches sinngemäß der gute Nazi. Die anderen waren nur Staatsbürger.
    Heutzutage wird die Bezeichnung „Reichsbürger“ verwendet, um entweder Bürger, die Machtmissbrauch nicht ertragen können, zu diffamieren oder um Bürgerrechtler politisch verfolgen zu können, die sich für Aufklärung und der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen einsetzen wie z.B. gegen Rechtsbeugung (siehe http://www.odenwald-geschichten.de/?p=1740#comment-38590 und unzählige Zeugenaussagen im Internet).
    Strafbestimmungen wie politische Verdächtigung nach § 241a StGB und Verleumdung nach 187 StGB werden bei der Unterstellung, Reichsbürger zu sein, beiseite geschoben.
    Ein Staat ist ein Unrechtsstaat, wenn die Gesetze nur Versatzstücke sind, die bei Bedarf beiseite geschoben werden können, wenn sie der Staatsführung oder sonstigen zur Entscheidung befugten Organen nicht passen; also „drastisch-salopp“ gesagt „aufs Recht gepfiffen“ wird.

    • Gewohnte Gedanken innerhalb der Grenzen des Systems, was sich bereits mit seinen Werkzeugen und Methoden in der Auflösung bewegt. Es geht um mehr, als das übliche Thema „Recht“… oder irgendeine Verfassung oder gar wessen Gestern das wohl das „Richtigere“ sein mag. Es kommt in der Regel der Moment, wo man erkennt, dass das „Recht“ nur in der alten Ordnung eine Bedeutung hatte:

      „Das Recht ist fragwürdig, die Macht ist unverkennbar und fraglos. So konnte man die Macht nicht mit dem Recht verleihen, weil die Macht dem Recht widersprach und behauptete, es sei ungerecht und sie wäre es, die das Recht sei. Und da man nicht machen konnte, daß das, was recht ist, mächtig sei, macht man das, was mächtig ist, zum Recht.“ (Blaise Pascal, 1623-1662, Fragment Nr.298) Zitat aus „Der verborgene Pascal“ von Theophil Spoerri, Seite 132)

      „Es ist gefährlich dem Volke zu sagen, daß die Gesetze nicht gerecht sind, denn es gehorcht ihnen nur, weil es glaubt, daß sie gerecht sind. Deshalb muß man ihm gleichzeitig sagen, daß man ihm gehorchen muß, weil sie Gesetze sind, wie man den Vorgesetzten gehorchen muß, nicht weil sie gerechte Leute, sondern weil sie Vorgesetzte sind. Wenn es gelingt, dies verständlich zu machen und daß hierin die eigentliche Definition der Gerechtigkeit besteht, dann ist man jeder Auflehnung zuvorgekommen.“ (Blaise Pascal, 1623-1662, Fragment Nr.326) Zitat aus „Der verborgene Pascal“ von Theophil Spoerri, Seite 133)

  4. Moin Alexander,

    Mensch, Mann, du bist schuld, daß ich wieder mal über das leben nachdenke, und ob wohl so vieles beschissen ist, ich feststellen muss, daß es doch ausgesprochen gut funktioniert… und das am frühen Morgen…hättest du nicht diesen Text geschrieben, wäre ich nicht darauf gestoßen und wäre nicht in Versuchung gekommen, ihn zu lesen. Jetzt über lege ich, ob ich dich nicht wegen Nötigung verklage…..Mach dich auf was gefasst…

    Mit herzlichem Gruß

    Stefan Schnepf

  5. Wer sind Reichsbürger?
    Als Reichsbürger werden oft Andersdenkende wie Gegner von Machtmissbrauch bzw. Rechtsbeugung betrachtet.
    Der Reichsbürger ist im „Reichsbürgergesetz“ des 3. Reiches definiert. Es geht darin um „deutsches Blut“ und Judenverfolgung (s. Internet). Nach Politik und Medien gäbe es noch den „Reichsbürger“. Der wäre Neonazi, antisemitisch, demokratiefeindlich, Holocaustleugner, Verschwörungstheoretiker usw., vgl. http://www.bpb.de/mediathek/230617/reichsbuergerbewegung .
    Übersehen wird, dass es mangels geltendem Reichsbürgergesetz keine Reichsbürger gibt und dass politische Verdächtigung nach § 241a StGB strafbar ist.
    Laut Bundesregierung gibt es überhaupt keinen Grund zur Kritik, obwohl Bürgerrechte abgebaut werden, vgl. https://www.gruene-bundestag.de/parlament/bundestagsreden/2009/juli/jerzy-montag-achtung-der-grundrechte.html und https://www.youtube.com/watch?v=dgsNB8JKDd8 .„Wer stört, wird zerstört“, vgl. https://www.heise.de/tp/features/Der-Fall-Mollath-Wer-stoert-wird-zerstoert-3362448.html?seite=all .
    Um den weiteren Abbau von Bürgerrechten zu verhindern, wäre die Zulassung von Volksabstimmungen auf Bundesebene notwendig. Leider ist die CDU dagegen (vgl. https://www.mehr-demokratie.de/themen/volksabstimmungen/positionen-der-parteien/ ).

    • Eine bekannte Erklärung… worum es jedoch geht, geht über gewohnte Rechtshabereien, Schuldzuweisungen und Problembetrachtung hinaus…

      Kommentar auf Focus-Online:
      „Mittlerweile wird der Begriff „Reichsbürger“ recht einfach gehandhabt. Man kann darin den Versuch der Stigmatisierung erkennen, um alles, was nicht in konventionell-traditionelle Denk- und Verhaltensmuster passt, damit belegen zu wollen. Auch erkennbar, dass die Rechtslage in der Tat sich lediglich als reines Glaubensgebilde selbst(!) enttarnt. Das Stigma läuft nach dem Prinzip: „Du bist solange gut, solange mir dies gefällt.“ Das ist im Kern schon die ganze Nummer. Dass wir es mit grundsätzlichen Umwälzungen in Form eines Paradigmenwechsels zu tun haben, scheint kaum jemand öffentlich nachvollziehen zu wollen. Denn aus dieser Sicht, reduzieren sich „BRD“ und „DR“ insgesamt auf zwei subatomare Randerscheinungen in der Weltgeschichte.“

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