Schon Depronen?

Heute ist wohl ein Tag, an dem sich die EZB entschließt, den Leitzins noch weiter senken zu wollen. Nun ist er bei Null Prozent angelangt. Ab jetzt wird es wohl richtig interessant.

Und wie es ausschaut, hat die Deutsche Bundesbank dies einfach nur zu erdulden, da nicht alle Stimmen heute gefragt sind.

Das Zinsthema insgesamt führt zu reichlich Unruhen in den Reihen jener, die das liebe Gute auf einem Konto platziert haben und sehen bereits ihre Felle langsam davonschwimmen.

Gewohnt schwillt dann auch die Brust jener an, sie sich in kämpferischer Manier, wortgewandt in die Bresche und auf die Seite der Betroffenen werfen, um darüber ein gemeinsames Klagelied über das langsam verschwindende, ach so „geliebte Geld“ und einem vergangenen „ewig Gestrigen“ anstimmen zu wollen.

Auf der anderen Seite jene, die kaum noch über Geldmittel verfügen, sich nur noch als willenloser Spielball wirrer „Großkopferter“ im Taumel steigender Preise sehend, während die Großzahl der Geldträger im Täglichen wohl eher unbedarft damit umgehen.

„Ja, und die da oben erst… und die… und die…“ „Das nennt man Selbsterniedrigung.“

Nun mag man sich weiter darüber ausmähren und auskotzen, letztlich bekommt jeder das, was er sich selbst nimmt, was da heißt: Sucht man nach dem Leid und wiegt sich in der Schuldzuweisung, so darf man sich nicht wundern, wenn man dies auch in der Form erhält, wie es einem am leidenvollsten „zuträglich“ erscheint.

Eine nette Gewohnheit, die man jederzeit abstellen könnte, wenn man sich nicht ständig im Gefühl einer permanenten Betroffenheit wiederfinden würde.

So. Genug der Schläge ins Gesicht.

Nimmt man das Geldsystem als Spiegel der Gesellschaft, so darf man sich nicht wundern, wenn eine darauf konditionierte Gesellschaft sich ihrem eigenen Abbild äußerlicher Wertschätzungen gegenüber in die Augen blickt.
Letzlich weil man übersehen hatte, dass durch bisherige Teilnahme am Zins man sich selbst auszubeuten versuchte, ohne es jedoch selbst zu erkennen oder erkennen zu wollen.
Denn wie bereits oft beschrieben, wurde der Zins bei der Schaffung von „Geldmitteln aus dem Nichts“ (Kredit) nie mitgeschaffen –  die betriebswirtschaftlichen „Kosten des Geldverkehrs“, letztlich als vertraglich vereinbarte Verdingung beim Kaufmann.

Und so ging man fortan zur Arbeit, verdiente sich im Schweiße seines Angesichts seine Brosamen, um anschließend seinen Tribut beim Kaufmann zollen. Jene, die zunächst als Geldleiher bei Königen durch die Angestelltentüren ihren Weg zum Oberhaupt zu finden wussten.

Ein Häuschen, als Heim für sich und seine Lieben. Und was zum Beginn einen Kredit über 200.000 Euro notwendig machte, bei NUR 4% Zinsen und einer Laufzeit von 25 Jahren mal eben lumpige 533.167,27 Euro an Rückzahlungen zustande kam – ungeachtet der üblichen Steuerabzwackungen zwischendurch.

„Und jetzt machen die den Zins auch noch negativ, das schöne Geld löst sich auf. Ich könnte kotzen. Wofür habe ich überhaupt gearbeitet?“
„Die Arbeit machte dich frei von den schweren Lasten des Nachdenkens und wohlmöglicher Veränderungen und Verbesserungen der Umstände Deines Lebens und vielleicht auch dem Deiner Mitmenschen.
Deshalb wähltest du uns, damit wir diese schwere Last von dir nehmen. Doch benötigt gerade dies sehr viel Zeit und die ist bekanntlicherweise nicht umsonst. Okay, umsonst war sie schon, jedoch nicht kostenlos. Wir wollten doch nur dein Bestes.“

Die Tendenz geht nun hin zu einem Geldsystem nach Silvio Gesell, welches auf einem negativen Zins beruht, was symbolisch auch die gegenseitige Knechtschaft und Selbstausbeutung ein Ende bereitet. Da stand sogar mal was vor geraumer Zeit – man achte und staune – in der Bildzeitung in der Schlagzeile: „Nie wieder Zinsen auf Erspartes.“

Das ist den bisher damit „Belohnten“ wiederum ein Dorn in Auge und wer es jetzt noch nicht kapiert hat: „Du bekommst, was du säest. Du selbst hast Dich ausgebeutet und warst ein williges Werkzeug in Deinen eigenen Händen und Deiner Verhaltesmuster triggernden Betreuer.

„Wenn Du das so machst, wie uns das gefällt, ist das so gut. Dann wirst du es auch bestimmt mal besser haben.“

Andere haben sich im Stillen daran gut getan. Und bisher konnte man sich ja auf die treugläubigen, wertschöpfenden Kreditnehmer und deren segensreiche Rückzahlungen ihrer „Schulden“ verlassen, die nicht selten wiederum mit „Börse“ bezeichneten Spielkasinos, ertragreiche Re-Investitionen fanden: die Gier auf dem Rücken der Gier der Gier.

Und seit Dezember letzten Jahres haben wir das „Jahr der Vergebung“ und so manchem schwillt der Kamm, sein „sauer Verdientes“ langsam dahinsiechen zu sehen. Da hat er wohl einiges bei sich aufzuarbeiten.

Und so wimmert es aus mancher Zeitungsüberschrift nach Depression und Wehklagen und die ersten Psychologen, Spezialkliniken und Klappsen reiben sich schon genüsslich die Hände.

„Schwester! Für alle Patienten alle drei Tage einen Kräutereinlauf, 20mg Thorazin und einmal die Woche basisches Fußbad mit Elektroschocks. HE, SIE DAHINTEN! Ja, Sie! Der sich in der Ecke herumdrückt! Ja, Sie! Haben Sie sich schon eine von den schicken weißen Jacken bei der Ausgabe geholt? Die sind mittlerweile selbstverschließend.“

Ich kann an dieser Stelle nur eines sagen: Die Dinge sind nicht so schlimm, wie wir sie uns selbst machen. Das liegt daran, dass man sich gerne vor Veränderungen zu schützen versucht und da gehört das Wegschauen und Ignorieren einfach auch mal mit dazu.

Und wenn man sich an die Zeiten der eigenen Kindheit zurückerinnert, war ja auch die Familie, in der man aufwuchs, eher selten an Veränderungen interessiert.

Jeder hat es also selbst in Händen, nun etwas zu verändern – bei sich selbst. Und das hat nichts mit einem „Aufgeben des Widerstandes“ im Sinne von verlieren zu tun, denn es gibt nur Gewinnen. Es ist mehr eine Veränderung der Bedeutung, des bisher Gelernten und dass der Widerstand nur eine Verteidigung vor der Veränderung im Außen darstellt.

„Ach so, Sie brauchen noch etwas. Lassen Sie sich Zeit. Es geht nur um Sie.“