Schuld – das gesellschaftliche Verdrängungskonzept

Zehn vor zwei – morgens. Als ob ich nichts Besseres zu tun hätte. Verfolgt man so manche Szenen-Nachrichten im Netz, findet man weiträumig durchtränkt die Meinung, dass „andere“ für den ganzen Schlamassel verantwortlich sind und mal kräftig durchgefegt werden muss. Ob jene das jemals selbst tun würden, bleibt fraglich.

Der Versuch mit „Schuldverschiebern“ in einen sachorientierten Dialog zu treten, verläuft in der Regel im Sande – man schweigt lieber auf der anderen Seite. Da wundert es nicht, wenn der selbstgeschaffene Systemdruck bei zunehmenden Hasstiraden und Projektionen weiter zunimmt. So wird sich über den Titel „Reichsbürger“ aufgeregt und heftig verteidigt, doch sind jene in ihrem Vokabular auch nicht besser.

Klagen und Schuldzuweisung, ein gesellschaftlich anerkanntes Konzept jener Konventionen, an denen sich man wohl – im Rahmen des selbstgeschaffenen und wohl zu erwarteten Schmerzfeedbacks – weiter zu klammern versucht.

„Zuerst muss Merkel weg. Doch zunächst suchen wir welche, die es für uns tun, aber zumindest kann man heute mal pünktlich einkaufen.“

Und wenn dass nicht ausreicht, müssen wieder einmal die Amis, die Juden, die Zionisten, die IS, die Fachkräfte, die „Re-Gierung“ und wer sonst noch auf der Projektionsliste steht, herhalten.

Das man sich kollektiv mit Symptomen beschäftigt, fällt zu glauben jenen gewöhnlich schwer – in der Regel, weil sich alles andere erst ändern muss, nur die eigene Einstellung (Sichtweise, Anschauung) nicht. Diese erfordert das Bild eines größeren Ganzen, aber auch diese ist in der Regel mit persönlichen Befindlichkeiten und Unsäglichkeiten übertüncht, was die Betroffenen für einen sachorientierten Gedankenaustausch selbst unbrauchbar werden lässt.

Vor kurzem äußerten zwei Kollegen, dass es wohl nicht alle in die neue Zeit schaffen werden. Das liegt einfach daran, dass man sich gerne an den überdauerten Verhaltensmustern festklammern mag. Vielleicht kommt am Ende doch noch die Erkenntnis. Hoffentlich.

Zumindest ist es mein Wunsch.

P.S. Es ist die Welt des Geistes, die den Menschen verweilen lässt, wenn er die Materie ausschließlich zum Geschäfte machen nutzt.

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