Semin-arische Ausdünstungen

(V1.1, unfugbereinigt) Heute lese ich auf Peter Frühwalds STASEVE-Blog, der übrigens wieder erreichbar ist, dass ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes zum Seminar einlädt, um über den Umgang mit sogenannten „Reichsbürgern“ zu berichten.

reichsbuergerschoertAls Reichsbürger* wird „zunächst“ alles und jeder bezeichnet, der sich nicht mehr der klassischen BRD-Organisation und -Betreuungsanstalt unterordnen „mag“. Der verwaltungsgedrillte Teilnehmer lässt sich für eine Gebühr von 150 Euro die neuesten Erkenntnisse verfassungstechnischer Rechtsleitfähigkeit  warm „aufbügeln“.

Im Zusammenhang mit der Aufklärung altbundesrepublikanischer Systemverwaltungs-Sympathisanten und -hörigen, startet der Verfassungsschutz gleichzeitig eine landesweite Marketing-Kampagne:

„Du bist Reichbürger, weißt du?“

Und um effizient Kosten zu sparen, setzt man hoffnungsvoll auf Bewährtes und Wiedererkennung. Der Bundesverband der Atomkonzernlobbisten gibt sich jedoch bedenklich.

Doch wie man es reichsbürger- oder nicht reichsbürgergerecht drehen und wenden mag, sitzen alle von links nach rechts schreibenden Rechtsverfechter auf der Ebene des Rechts in einem Gedankentretboot  – lediglich die Teilnehmergebühren unterscheiden sich voneinander.

„Semiten schreiben von rechts nach links.“

Da es im Kern nicht um Recht, jedoch um Erhaltung von Machtstrukturen geht, scheint beflissentlich übersehen zu werden. Verfassungs- und Staatsschutz sind lediglich „im Auftrag“ agierende Mechanismen, um diese nach Möglichkeit weiter gewährleisten zu wollen. Denn wo Macht gilt, gilt kein Recht. Oder Blaise?

„Gewährleisten hat nichts mit „Gewehr leisten“ zu tun.“

Als Hinweis für alle Verwaltungspraktiker: Es handelt sich beim Recht lediglich um eine vereinbarte Täuschung, um an der „Kontakt- und Aktionsfront“ der Hierarchie Handlungsfreibriefe zur Verfügung zu haben. Bei den Piraten – also den Echten – und nicht den Nachgemachten – nannte man dies früher Kaperbriefe (ausgestellt vom Staatsoberhaupt).

„Ei, die BRD is ja do a Bierrateschiff, boss noch aweng rumschifft.“

brdbuergerDie Reichsbrüger haben sich aus diesem Grund zusammengefunden und bieten seit langer Zeit bereits  Seminare zur Darlegung der aktuellen Rechtslage an: vom Besatzungs-, über das internationale Handelsrecht bis zur Entwicklung des heutigen Rechtsraumes.

Die ebenfalls dazu gestartete und musikalisch untermalte Kampagne auf dem Reichsgebiete vor 1914 mag visuell nochmals überlegt sein, es könnte zu Verwechslungen führen.

Zu Begleitung wurde das Lied „Night Fever“ von den BeeGees entsprechend der Situation eingedeutscht und liegt nun als „Reichsfieber“ zum Herunterladen bereit.

Den bürgerlichen Tod überwunden, mag jeder an diesen Seminaren teilnehmen, sofern er eine mit Eigenblut (also nicht des Nachbarn) und in Runen verfasste Lebenderklärung beim Standesamt seiner Wahl hat beglaubigen lassen.

„Der Scheint trügt, wenn der Schein falsch ist.“ Dagobert Duck

Spaß beiseite. Es ist von Bedeutung zu wissen, dass es nur um Macht geht und Papier letztlich keine Löcher in der Wand hinterlässt. Egal wie laut man „Peng, peng!“ schreien mag.

Interessant wird es, wenn man hinter jegliche Rechtskonvention blickt – diese also konsequent in Frage stellt, statt sich an die nächste klammern zu wollen. Denn was eigentlich „wirkt“, hat nichts mehr mit künstlichen Regelprinzipien zu tun. Dort fängt der Mensch an Mensch zu sein.

Denn hinter dem „zunächst“ vom Textanfang, tut sich eine neue Welt auf, die mit dem Alten nur eines gemeinsam hat: Das Alte als Erinnerung, wie man es nicht machen sollte.

„Zeit für Menschsein und Menschkeit.“

Die alte Nummer funktioniert übrigens nur, weil Links und Rechts die Handlanger der Mitte sind.

„Links, rechts, links, rechts…stillgestanden!“

*Ein Mitarbeiter des Fuldaer „Finanzunternehmens“ hatte mich vor einiger Zeit vor Gericht als „Reichsbürger“ bezeichnet. Seit ich jedoch von einem jüdischen Online-TV-Sender liebe Grüße aus den USA erhalten habe, mag ich an der Aussage des Finanzakteurs starke Zweifel hegen. Er wusste es nicht besser. Das kommt halt davon, wenn man Projektion gegen Selbstreflektion tauscht.