Sieben

Es piekt mich so die letzten zwei bis drei Tage, die sogenannten „sieben Todsünden“ mal näher zu beleuchten, enthalten sie doch sehr viel gesellschaftliches Umdenkpotential.

„Hochmut (Stolz, Eitelkeit, Übermut), Geiz (Gier, Habgier), Wollust (Ausschweifung, Genusssucht, Begehren), Zorn (Wut, Rachsucht), Völlerei (Gefräßigkeit, Maßlosigkeit, Selbstsucht), Neid (Eifersucht, Missgunst), Faulheit (Feigheit, Ignoranz, Trägheit des Herzens)“, Wikipedia

Wenn man sich das alles bei Wikipedia mal durchliest, hat man nachher ziemlich „viele Flöhe im Kopf“ und nur eines nicht: ein klares Bild.

Da ist zum einen der Hochmut oder auch Stolz genannt. Nun ich sehe zunächst im Stolz einen kurzweiligen Zustand, etwas Wirksames getan zu haben und ein sich selbst loben und belohnen.

Eigenlob stinkt nämlich nicht, wenn es um Selbstliebe geht, die man sich gewohnt konditioniert selbst vorenthält und somit von äußeren Manipulationen und damit verbundenen Machtspielchen abhängig macht.

Vielmehr entwickelt sich aus dem Stolz ein Verhalten, dass man davon ausgeht, nur weil es ein zwei Mal so funktioniert hat, dass etwas immer so funktionieren würde. Und genau das führt dann zu den bekannten Sackgassen, in die sich so mancher hineinbewegt.

Gern wird der Hochmütige auch als arrogant bezeichnet, was nicht selten nur auf einer Projektion und Ausdruck von Neid und Missgunst des Betrachters beruht. Etwas Demut, also Zurückhaltung sei dem Hochmut entgegen gestellt. Das als „Hochmut“ wahrgenommene ist ein Signal, sowohl für den Beobachter wie auch den Beobachteten in die Selbstreflektion zu gehen.

„Arrogant sieht nur von ganz unten so aus.“ Klaus Kinski

Das Thema „Fremd- und Selbstbild“ spielt hierbei eine tragende Rolle. Denn kann von Außen „Hochmut“ letztendlich auch eine Interpretation von wahrgenommener fester Entschlossenheit, Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl sein.
Nicht selten werden Begriffe wie „Hochmut“ auch dazu benutzt, um manipulierend eingreifen zu wollen – im Sinne eines Stigmas, einer Projektion, in der Hoffnung einer Übertragung und konkludenter Annahme und damit verbundener „Gleichschaltung“ oder gar „Unterwerfung“.

„Hochmut kommt vor dem Fall.“ „Armut kommt vor dem Aufstieg.“

Natürlich kann eine Dosis übermäßigen Mutes auch mit einer Selbstüberschätzung einhergehen, dass wiederum nur, wenn man sich selbst nicht kennt – also ein Hinweis, sich auch mal sich selbst bewusst zu sein, bzw. zu werden.

Geiz und Habgier sind zwei Phänomene unausgereifter Vernunft (einseitig im Haben, der klassische „Egoismus“), bei dem der Mensch gewohnt vordringlich materiell ausgerichtet ist und nicht selten nach dem Prinzip „vom mehr des Selben“ handelt – obwohl er das Gefühl nicht los wird, noch nicht genug zu haben.
Nicht selten wird gleichzeitig Misstrauen gegen jeden zu propagiert, der einem etwas wegnehmen könnte – wobei das Misstrauen wiederum nur die Projektion des eigenen mangelnden Selsbtvertrauens ist.

Und so kann es sein, dass der Mensch in seiner selbstgeschaffenen Fülle zu ertrinken droht, wie ein Durstiger, der beim Trinken an der Quelle verdurstet, anstatt sich an der Fülle zu erfreuen.

Das Erfreuen gelingt ihm jedoch nicht, da er selbst ja leer ist, weil er sich selbst davon abhält (ohne dies zu wissen) – leidet, klagt und durch seine vordringliche Außenorientierung nach Schulden und Verursachern Ausschau hält, die für sein Ungemach verantwortlich sein sollen.

Die vordringliche Außenorientierung führt in der Regel auch dazu, sich nur im Umfeld „guter Menschen“ wohl zu fühlen, was wiederum ein Zeichen ist, dass man mit sich selbst unzufrieden ist.

„Mit Materie lässt sich kein schwarzes Loch befüllen.“ „Plötzlich gibt sogar die Astrophysik ein passendes Beispiel her.“

Das Prinzip „vom mehr des Selben“ finden wir auch in der Wollust und in der Völlerei, was eine Form der Gier darstellt.

Zorn, Wut, Rachsucht sind Phänomene einer Projektion der eigenen Unzufriedenheit und der geschaffenen Selbsttäuschung über die Situation in der man sich befindet auf der Suche nach verantwortlichen Schuldigen.

Neid und Missgunst beruhen auf der Projektion der eigenen inneren Leere, bei gleichzeitig wahrgenommener Fülle beim anderen und dem Versuch der Übertragung in der Hoffnung willentlicher Annahme.

„Warum soll es dir besser gehen als mir?“

Faulheit und Trägheit sind zwei Begrifflichkeiten, die in der alten Ordnung, also durch gesellschaftlich vereinbarte Fremdbestimmung als Stigma (der Gleichschaltung sowie als Ausdruck für Neid und Missgunst) benutzt werden.
Ist sich der Mensch jedoch bewusst, dass es mal nichts zu tun gibt, macht es Sinn auch mal nichts zu tun. In der Regel entwickelt er so ein Selbstwertgefühl für sich im Ganzen. Denn übermäßiges Handeln und beschäftigt sein führt nicht selten zu notwendigen Erholungsabschnitten.

Bei dem Beschriebenen lässt sich etwas Wesentliches ableiten: Der eigentliche Faktor, der hier immer wieder zum Tragen kommt, ist die Entwicklung der Vernunft, als innerer Richter im Geben wie auch im Empfangen mit Hilfe der Intuition.

Somit kann man sagen, dass es sich bei den sieben Todsünden um Phänomene unausgewogener Vernunft handelt.

Wiederum ein Signal die eigenen Denk- und Verhaltensmuster, Gewohnheiten und Konventionen zu hinterfragen und was sie aus dem Inneren heraus verursacht.

Das einzige „Opfer“ besteht in der Infragestellung der Verhalten, Gewohnheiten und Konditionierungen, die zu jenem System führen, was wir gerade verlassen.

So mancher ist da vordringlich materiell ausgerichtet und sieht im „Opfern“ den individuell-materiellen Untergang, die „gesellschaftliche“ Ausrottung, doch letztlich nur die Angst vor den eigenen materiellen Tod.

„Wir werden alle sterben“, ist dabei prinzipiell das Gleiche wie: „Wir müssen Masse bilden“ – lediglich ein Ausdruck dafpr, nicht alleine sein zu wollen.

Das braucht alles nicht zu sein – es sei denn, es soll so sein.

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