Sowohl…, als auch… darüber hinaus… und überhaupt

In der Regel hat man ja schon Probleme, die Welt erst mal so zu nehmen, wie sie sich darstellt – mit ihrer materiellen Präsenz und dem sich darin abspielenden Gewusel aus Suchen, Beschäftigung und Stapeln.

„Nur Kinder kann man ‚über den Tisch ziehen’, ‚auf dem Arm nehmen’ und ‚reinlegen’.“

Dass sich das ganze als Spiegel der eigenen Wahrnehmung herausstellt, bleibt gewöhnlich unbetrachtet. Man selbst ist ja ein Gutmensch und die anderen die Bösen. So hat man das ja auch schon in der Familie gelernt: „Die anderen sind blöd, und was hier in der Familie abgeht, geht niemanden was an. Wir sind anders, als die anderen… da draußen.“

Die Bedeutung dieser Aussage hinterfragt man gewöhnlich ebenso wenig, spürt man ja auch dieses Misstrauen gegenüber anderen und da kann ja auch etwas wirklich nicht stimmen – mit den anderen. Da muss man ja auch vorsichtig sein. Und wie es der Zufall auch will, prompt bekommt man auch die Bestätigung dafür, dass dem so ist und man damit auch Recht hatte.

„Siehste, die anderen… immer wieder die anderen…“

Dass alleine diese wenigen Gedanken auf einen Großteil des verbreiteten Denkens zutreffen und dadurch bereits eine Gleichschaltung stattfindet, zeigt wie sehr einfach sich die Masse konditioniert und manipulieren lässt – mit dem Glauben, jeder sei ein Individualist.
Doch „funktioniert“ er in der Regel nur nach der Bedingung: „Du bist solange gut, solange mir dies gefällt“ und versucht sich früher oder später damit selbst über andere „hermachen“ zu wollen oder auf der anderen Seite „die Gesellschaft“, die ihm vorgibt, wie er zu sein hat.

Denn die Aussage: „Wir sind anders“, erschöpft sich dann alsbald, wenn „Öffentlichkeit“ in die Betrachtung mit einbezogen wird und der „sich anders“ fühlende doch wieder artig zum Herdentier personalisiert.

„Wir haben eine antiauthentische Erziehung genossen: Wie im Innen, so nicht im Außen.“

Eine Meinung unter vier Augen zu äußern, ist etwas anderes, als eine Meinung öffentlich kund zu tun. So schuf sich der Mensch den privaten Raum. Dort kann er soviel verlautbaren, wie er mag. Es gibt ihm zumindest das Gefühl etwas getan – etwas bewirkt zu haben.
So kann er sich eine heimliche Meinung bilden, die er im Außen nicht kund zu tun braucht und so in einem selbstgeschaffenen und konventionalisierten Zwiespalt lebt. Nebenbei bemerkt, dass Geheimes zunehmend im offenen Raum dargeboten wird – Offenbarung.

Der Zwiespalt und das Spiel mit der Lüge beginnen bei ihm selbst. Aber das kann ja nicht sein, denn die anderen „zwingen“ ihn ja so zu sein, wie er sein soll.
Eine weitere Konvention, sich als Opfer der Gesellschaft sehen zu wollen und ein Phänomen schwachen Selbstvertrauens und Selbstbewusstseins. Das ist auch nicht verwunderlich, wenn man zurück zum Ausgangspunkt der Fremdbestimmung geht: „Du bist solange gut, solange mir dies gefällt.“

Wenn man hier noch einen Schritt zurückgeht und die Frage stellt, warum überhaupt diese Bedingung am Anfang zum einem Teil der Welt wurde, findet man den Zustand der Verlustangst.
Verlustangst aus der Gewohnheit der Betreuung heraus, der Macht über das Leben oder einfach nur, weil man mit sich selbst nicht anzufangen wusste, weil das „Aufziehen“ der Kinder wohl doch nicht die einzige Aufgabe war und ist, mit der sich der Tag zu füllen hat, weil es sich ebenfalls um eine Außenorientierung handelt. Mir fällt es schwer, diesen Punkt genau zu erfassen.
Die Frage, die sich zudem stellt, wenn man langzeitlich die Entwicklung der Menschheit zu ihrem Anfang zurückverfolgt, in wie weit das Bewusstsein dafür gegeben war, dass aus einer – vielleicht in einem Moment des sich Schwachfühlens heraus – mit besagter Bedingung – fortan Menschen aufwuchsen, die von Generation zu Generation mit einem Mem-Virus geimpft wurden, so zu sein, wie anderen dies gefiel.
Auf der einen die Unbewussten und auf der anderen Seite jene, die sich darüber bewusst waren, doch den ersteren dies (unbewusst) vorenthielten. In dem Moment war so etwas wie die Elite geboren.

Damit verbunden die Geschichte (Schichten, Ebenen, Überlagerungen), die sich nur wiederholt, weil die sie erzeugenden Denk- und Verhaltensmuster über die Jahrtausende sich nicht geändert haben und so sich wiederholende Muster erzeugen, solange die Menschen sich weiter an ihre gewohnten Konditionierungen zu klammern versuchen.
Das ist auch die Erklärung, warum es jene gibt, die über Jahrhunderte vorausschauen können, während die Mehrheit schon Schwierigkeiten hat, sich zwei Wochen im Voraus denken zu können.

Der Mensch hält sich zwar für „unberechenbar“, jedoch gilt dies nicht für seine konditionierten Denk- und Verhaltensmuster, die ihn unter anderem manipulierfähig und somit steuerbar halten, solange er nicht damit beginnt, diese selbst in Frage stellen zu wollen, vorangehend seine eigene Entscheidung, sich darauf einzulassen. Willenbekundungen und Absichtserklärungen alleine reichen nicht aus. Im Tun mit sich, verändert sich der Mensch.

„Es gibt nichts Gutes – außer: Man tut es.“

„Sowohl…, als auch… darüber hinaus… und überhaupt“, so lautet die Überschrift und bezieht sich im Kern auf den übergeordneten Knoten „Bewusstwerdung“.

Mit dem Arbeiten ist es wie mit dem Denken: „Wenn man nur den Umgang mit dem Hammer gelernt hat, ist jedes Problem ein Nagel.“

Auf der einen Seite findet sich das Alte, was in jedem wirkt und ihn solange beherrscht, bis er es in Frage stellt, seine eigentliche Bedeutung erkennt, dadurch sich das „Neue“ offenbart und den Kernmechanismus, den das „Neue“ von seinem Wesen her ausmacht. Mit Hilfe dieser beiden Systeme (Bilder), der Mensch so über sich hinauswächst – und beginnt im Sinne des Lebens zu handeln, worin er stets ein Teil davon ist – in Kurzform ausgedrückt.

Das Alte zeigt uns, wie es nicht funktioniert, zeigt uns wie wir gegen die Prinzipien des Lebens bisher handelten und durch seine Infragestellung offenbart sich die andere „Seite der Medaille“.
Beide zusammen ermöglichen nicht nur eine andere Sichtweise zur „Welt“. Sie lässt auch die eigentlichen Ursachen und Engpässe sichtbar werden, wenn man Altes mit „Neuem“ in der Betrachtung „überlagert“, verbunden mit gänzlich anderen Denk-, Vorgehens- und Handlungsweisen.

„Vielleicht versucht sich einfach nur etwas durch uns selbst begreifen zu wollen.“

„Das löst aber noch nicht mein Problem mit der Firma ‚Finanzamt’.“

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