Von Tauschmitteln und falschen Pferden

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,751190,00.html (Spiegel)

Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach wir Armen! Faust

Wenn die Mehrheit der Probleme immer mit Geld zu lösen wären… hätten wir schon keine mehr. Irgendetwas kann also nicht stimmen. Woran mag es nun liegen? Vielleicht, weil Geld einfach nicht den Wert hat, wie es ihm zugestanden wird und man sich nur mit Symptomen beschäftigt, die aber als reale Probleme, weil so gelernt wahrnimmt, man aus Angst vorhandenes zu verlieren, sich immer wieder in wildem Aktionismus verfängt.

Sicher, dass es Geld braucht, braucht um auf einer abstrakten Ebene einen Tausch unterschiedlich wertige Produkte und Leistungen zu gewährleisten. sicher, dass es einer Börse bedarf – jedoch fußt alles – auch das Geld – auf der Wirksamkeit funktioneller ökonomischer Strukturen.

Wenn also von Wirksamkeit gesprochen wird, führe ich einen bereits im September 2005 erscheinenen Artikel des Handelsblattes an, der eine unglaubliche Zahl zutage bringt: 219 Mrd. Euro durch hausgemachte Unproduktivität (9,7% vom BIP) (http://tinyurl.com/4r5huru). Warum geredet, aber nicht gehandelt wird.

Ein Beispiel: Kurz nach der Wiedervereinigung wurde ein Beratergeneralist und Interimsmanager gerufen, ein Unternehmen in den neuen Bundesländern neuzuordnen. Zu diesem Zeitpunkt war es 35 bis 40% auf dem Weltmarkt zu teuer und schäftigte 17.000 Mitarbeiter. Bis dato waren bereits 29 Mio. DM für Restrukturierungsmaßnahmen, einschließlich Einführung von IT-Systemen geflossen; jedoch ohne nennenswerte Ergebnisse. Es stimmte etwas nicht.

Nach einer mehrtätigen Unternehmensbegehung mit Ingenieuren, wurden die selbstgestrickten Engpässe erkannt: Es fehlte mehrheitlich an Standardisierung und Typisierung in der Entwicklung. Jedes Produkt stets wurde von Grund auf neukonstruiert. Dies führte nachgelagert zu immensen Kosten, die sich in den Preisen und in mangelnder Wettbewerbsfähigkeit im Weltmarkt niederschlugen.

Nach Entwicklung eines Rohkonzeptes zur Standardisierung und Typisierung der Produkte, war klar, was zu tun sei und wie das Unternehmen „die Kurve kriegt“. Um an dieser Stelle den Finger in die Wunde zu legen: Nach Standardisierung und Typisierungsmaßnahmen wären von den 850 Konstrukteuren nur noch 35 notwendig gewesen. In einer Betriebsversammlung wurde das Konzept der Unternehmensleitung und den Mitarbeitern vorgestellt und mehrheitlich unter Protest von der Belegschaft abgelehnt. Die Leitung selbst setzte dann weiterhin auf die heilenden Mechanismen der IT.

Der Berater gab dem Unternehmen beim Gehen noch ein Jahr. Bereits nach 9 Monaten gingen die letzten Licht aus.

Woran macht sich also die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft aus? An ihrem Geld? Nicht nur. Maßgeblich jedoch an ihren ökonomischen Strukturen, in den sich der Mensch bewegt.

Zum Ende beliefen sich die Kosten für Restrukturierung und IT auf 34 Mio DM. Doch hatte dies nichts mehr genutzt.

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