Technologien kein Allheilmittel

http://tinyurl.com/3k7wwok (Handelsblatt)

Spätestens nach der SOA, die den teilnehmenden europäischen Unternehmen 17,7 Mrd. Euro gekostet hat – im Durchschnitt 63.000 Euro – sollte man sich als Unternehmer mit der Notwendigkeit neuester Technologien kritisch beschäftigen. Während man sich bei der Anschaffung neuer Betriebmittel intensiv mit auseinandersetzt, scheint das beim Einsatz von Technologien aus der Wunderwelt der IT nicht allzu sehr zu greifen.

Da wird fleißig auf das nächstbeste Pferd gesetzt, wie dies auch die „Cloud“ glauben zu machen scheint. Mehrheitlich sind derartige Lösungen alles andere als wirksam, erzeugen nur weitere Kosten und Unzulänglichkeiten, wenn man sich mit der Organisation nicht auseinandersetzt. Am Ende heißt es dann, wie bei der SOA: „Wenn wir vorher nur gewusst hätten, was wir damit für ein Durcheinander anrichten.“

Dann ist es für die Patienten zu spät. Wer will nun in eine neue Runde steigen und sich als IT-Mensch in komplexe Welt der Unternehmen wagen?

Ohne die vorhergehende schrittweise Anpassung der Prozessstrukturen, kann man mehrheitliche Investitionen in diese Richtung nur mit Vorsicht genießen. Denn profitieren im ersteren nur die Anbieter, am Anfang vielleicht die Nutzer. Und wenn alle emotional im Verkaufsgespräch eingestimmt sind.

Ich erinnere mich hier an ein Unternehmen, welches sich in der Entscheidungsphase für eine neue Highend-3D-CAD-Lösung befand. Alle Zeichnungen wurde bis dato von einem Mitarbeiter von Hand realisiert. Der wiederum im selben Jahr in Rente ging. Der Unternehmer kontaktierte mich und erzählte mir über seine geplante Anschaffung. Er sah darin das Beste und für ihn gab es nur das Beste. Ich empfahl ihm für die anstehenden Aufgaben auf Standartsystem zurückzugreifen, welches auch die Mehrheit auch bedienen kann.

Doch der Unternehmer entschied sich anders. Die gemachte Anschaffung belief sich auf 100.000 DM, mit dem Ergebnis, dass er dafür keinen adäquaten Mitarbeiter fand, der dieses System bedienen konnte. Denn die lagen von der Gehaltsklasse her weit über dem, was er zu bezahlen bereit und imstande war.
Getoppt wurde das ganze dadurch, dass ein Mitarbeiter mit der Frage, ob er „CAD“ könne eingestellt wurde. Als der neue Mitarbeiter nach Einstellung mit dem System konfrontiert wurde, sagte dieser, dass er von 3D keine Ahnung habe. Er könne nur das Standartprogramm AutoCAD®.

Da nun die Investitionen getätigt waren, wurde der Mitarbeiter auf einige teuere Lehrgänge geschickt. Dies alles mit mäßigem Erfolg. Die Lösung blieb ein Fremdkörper im Unternehmen. Aufgebracht von der falschen Kaufentscheidung, wurden alle Serviceverträge sofort gekündigt. Der Mitarbeiter arbeitete später im Unternehmen auf seinem 200DM-CAD von zuhause. Das teuere System wurde zum Surfen im Internet verwendet.

Alles in allem eines von den Ergebnissen, wie man sie sich sparen kann.

Das gilt aber auch beim Einsatz von tollen Kommunikationslösungen. Einer Branche, der auch ich angehöre.

So kam ein Unternehmer auf mich zu und ich sollte ihm ein Forum für die Kunden aufbauen. Nachdem der Unternehmer mir die Gründe dafür genannte hatte, riet ich ihm sofort davon ab, denn was er brauchte war Zeit und nicht ein Tool, was ihm noch mehr Zeit stahl.

Das Gleiche gilt für einen Unternehmer, der ein neue Webseite wollte, weil der Mitbewerb mittlerweile ein neue hätte. Da das Unternehmen zu diesem Zeitraum keine Aufträge hatte, empfahl ich ihm eine andere Lösung, die wesentlich weniger Aufwand gemacht und seinem Unternehmen weitergeholfen hätte. Der Unternehmer entschied sich dann lieber nichts zu tun. Diese Entscheidung führte jedoch zu weiteren Engpässen in seinem Unternehmen.

Eine andere Erfahrung zeigt, dass noch so wohlklingende Branchennamen kein Garant für Funktionalität und Wirksamkeit im Unternehmen sind. So erlebte ich, dass das ERP-System nicht die aktuellen Kosten für ein Produkt abbildete, man dann auf eine einfache Tabellenkalkulation zurückgriff und am Schluss, nachdem die Gewissheit für die richtigen Zahlen ausblieb, man den Kunden auf seine Anfrage hin, später zurückrufen wollte.

Es lohnt sich immer kritisch mit den Dingen auseinanderzusetzen und sich mit geeigneten Partner zusammenzutun, statt nur dem Mainstream und traditionell-konventionellen Lösungen „hinterher zu rennen“, die letztlich zu nichts führen.

IT ist dann wirksam, wenn sie im Umfeld mit wirksamen Prozessstrukturen in Verbindung gebracht wird.

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