Über „Die Welle“

Der Film „Die Welle“ hat mich nochmals dazu bewogen, jedem einige Gedanken an die Hand zu geben, damit nicht einfach nur mit dem Finger auf „die Anderen“ gezeigt wird.
Faschismus und Nationalismus sind nicht einfach nur Phänomene einer vergangenen, düsteren Epoche. Ihre Ursache findet sich in den gesellschaftlich unhinterfragten, jedoch auch heute noch wirksamen Denk- und Verhaltensweisen, entstanden aus der traditionell-konventionellen Erziehung.

Faschismus und Nationalismus werden auch nicht einfach durch eine Partei und ihre Wähler repräsentiert, die man dann nur kräftig genug zu bekämpfen braucht, denn bereits das Bekämpfen ist eine Methode, die aus den gewohnten Denk- und Verhaltensweisen hervorgeht.
Das Thema kann also nicht mit Benennung eines Feindbildes gelöst werden, zumal das geschaffene Feindbild ebenfalls ein Teil jener Denk- und Verhaltensweisen ist, um damit diese auch noch rechtfertigen zu wollen.

„Die Welle“ zeigt, wie sehr der Glaube an „gerechte Führer“ (Vorgesetzte jeder Art und Form) herrscht und zu einer Struktur aus „Erhobenen/Ernannten“ und „Untergebenen“ führt.
Sobald sich das Bild, der einst als „gerecht erachteten Führer“ wandelt, werden jene – nun „ungerechten Vorgesetzten“ – gewohnt nur gegen neue „gerechte“ Vorgesetzte ausgetauscht. Das nennt sich dann großspurig auch schon mal „Revolution“ (engl. to revolve = sich im Kreise drehend).

„Der Hörer hört gerne seine Meinung von jenen, die er dazu auserkoren hat, sie ihm zu erzählen.“

Was in der Psyche all jener (Untergebenen) vorgeht, darüber machen sich jene selbst kaum Gedanken. Hat man das Phänomen der Manipulation der Masse verstanden, so wird es in der Regel missbraucht. Wie heißt es so leichtfertig? Mensch brauchen Führung. Die anerzogene Obrigkeitshörigkeit macht es möglich, ebenfalls ein Phänomen erstanden aus der traditionell-konventionellen Erziehung.

Das lässt sich auch so ausdrücken: „Die „Führer“ wissen, wie die Masse funktioniert, während die Masse nicht wissen will, wie sie funktioniert, denn die sieht sich gezwungen ja arbeiten und Geld verdienen zu müssen.“

Sie sehen, wie einfach es ist, wie sich die Dinge entwickeln können.

„Wollt ihr den totalen Krieg?“ Joseph Goebbels, Sportpalast, 18. Februar 1943

Wie schaut dieser unausgesprochene, gesellschaftliche Vertrag aus, der sich zwischen beiden „Vertragsparteien“ schließt? Warum lässt sich der Mensch so leicht von Autoritäten beeindrucken?

Wer denkt schon über die eigenen Denk- und Verhaltensweisen nach, die derartige Strukturen überhaupt einen Nährboden geben: Aus jenen, die vorgeben, was „gut und richtig“ sein soll und jene die so gesteuert mitmachen und euphorisch daran glauben. Na? Wird es plötzlich durch etwas dunkler im „Staate“?

Das womit Sie und ich es zu tun haben, sind nicht einfach ein paar „braune“ Vortänzer, die man hin- und wieder mal auf der Straße „verfassungmäßig“ auf- und abflanieren lässt.

Selbst die Frage: „Wer ist schuld?“, verweist nur weitere Verhalten, welche typisch aus der traditionell-konventionellen Erziehung hervorgehen – die liebgewonnenen Verdrängungskonzepte: den Kampf kennen Sie ja bereits, dem kommen hinzu: Widerstand, Flucht, Ab- und Ausgrenzen (Grundlage heute existierender Grenzen), Ignorieren, „Unglaube“, weiträumige Toleranz (Jeder darf ja seine Meinung haben, solange er sie nicht in meiner Näher ausspricht), Beratungsresistenz, Sichern, Schützen und… HEUTE WIEDER IM ANGEBOT: die allseits beliebte SCHULDZUWEISUNG!!!

Damit der ganze Tinnef auch funktioniert, erfindet man wie oben bereits beschrieben, ein Feindbild, was man auf den Unangenehmen projiziert. Sie wissen wie ein Projektor funktioniert? Gut. Das alles gepaart mit der anerzogenen Obrigkeitshörigkeit, ist eine explosive Mischung.

„Nehmen Sie einmal den Fall eines Völkermordes. Da beschließt ein eiskalter Diktator fünf sechs Millionen Männer, Frauen und Kinder umbringen zu lassen. Dafür braucht er doch mindestens eine Millionen Komplizen. Mörder und Henker. Wie macht er das, dass man ihm gehorcht?
Indem er die Verantwortung auf viele Leute verteilt. Ein Diktator braucht einen funktionierenden Staatsapparat. Das heißt, er braucht Millionen von kleinen Funktionären, von denen jeder anscheinend eine unbedeutende Aufgabe wahrzunehmen hat.
Und jeder von ihnen wird diese Aufgabe ausführen – mit Kompetenz – und ohne Bedenken.
Und niemand wird sich klarmachen, dass er der millionste Teil eines grausamen Verbrechens ist.“ „I wie Ikarus“, 1979

Dazu zwei passende Zitate:

„Ich bin nur der Erfüllungsgehilfe meines Dienstherrn.“ „Mit dieser Einstellung sind sechs Millionen Juden umgekommen.“ Dialog in einer Sparkasse in Künzell in 2012

„Für mein Handeln trägt mein Vorgesetzter die volle Verantwortung.“ Polizeibediensteter in Bamberg, 2015

Na? Wie siehts jetzt aus? Ach so? Es sind ja nur Einzelfälle. Schönreden, um weiter an den gewohnten Denk- und verhaltensweisen festhalten zu wollen, ja genau diese die selbigen.

„Wie Sie sind unschuldig? Hatte jemand behauptet, dass Sie schuldig sind? Oder? Sie dahinten! Wies sehen Sie das? Ach, Sie überlegen noch…“ Um seine Denk- und Verhaltensweisen vor Veränderung zu schützen(!), wird auch gerne mal gelogen… Man, das ist ja auch so eine nette Methode.

Weil sich die meisten als „unschuldig“ betrachten, wird meist ein „böser Schuldiger“ hochgehalten und damit hat sich der Fall erledigt. Das ist jedoch ein Irrglaube.

Die anerzogenen Denk- und Verhaltensweisen bleiben für die meisten – fest entschlossen – unergründet, so dass sie noch heute in der Gesellschaft (nicht nur bei den Deutschen) wirksam sind, die solche „Ausblühungen“ ermöglichen, wie in „Die Welle“ gezeigt.

Im Grunde wurde bis heute nichts dazugelernt. Obrigkeitshörigkeit, gepaart mit dem passenden Thema, lässt die Massen noch immer wie von Geisterhand in die gewünschte Richtung laufen.

„Wenn’s ums Geld geht…“, dann findet sich damit das beste Gegängelungswerkzeug und dafür muss ja immer gearbeitet werden. Da hat man dann schließlich auch keine Zeit, sich um seine Denk- und Verhaltensweisen zu kümmern, wo der „Run“ aufs Geld auch nur eines jener Denk- und Verhaltens… Nun ja.

All das ist auch ein Grund, warum man einen kritischen Blick auf die Klimabewegung werfen mag, die einem „künstlich hochgetaktet“ wirkendem Thema hinterherzulaufen meint.

Das gesamte Thema ist also umfänglicher, als es zunächst erscheint und nicht einfach damit abgetan, dass „da drüben“ die „Bösen“ sind.