Von Arm, Reich und dem Dazwischen

Die Schere* zwischen Arm und Reich geht immer weiter auf, so der gewohnte Tenor.
Wem das „Geliebte“ zur Verfügung steht, macht sich selten wirklich Gedanken, denn: die anderen haben ja das Problem. Sollen sie doch arbeiten gehen.
Und wer keine Arbeit hat, soll sich gefälligst darum kümmern, welche inne zu haben. Sonst kann es sein, dass er von der Gesellschaft zum „Heer der Faulen“ gezählt wird.
Wie man selbst dasteht, bestimmt in der Regel die Masse – wenn man sich ihren Konventionen (im Kern der Fremdbestimmung) unterwirft.

„Nehmt Euch soviel, wie ihr tragen könnt. Die Rettungsringe der Titanic waren auch aus purem Gold.“

Wenn der Moment es erlaubt, wird in der Politik gern mal von „Umverteilung“ gesprochen – manchmal sogar vor Wahlen. Denn: „Vor der Wahl, ist nach der Wahl.“

Den Reichen muss man dann was wegnehmen, um es dem Armen zu geben – so lautet zumindest die akustische Vorstellung eines politischen, jedoch recht einfach gehaltenen, ideologischen Hintergrundes. Ein Hintergrund, der den Betroffenen nur allzu gern verabreicht wird.
Das verstehen die „einfachen Menschen“ und sind dann wieder beruhigt.

Der Wähler hört nur zu gerne seine Meinung von jenen, die er dazu auserkoren hat, sie ihm erzählen zu dürfen oder wie es so schön heißt: „Nicht das Erreichte zählt, sondern das Erzählte reicht.“

Die Realität ist in der Regel von gegensätzlicher Natur. Die Politik weist auch selbst darauf hin: „Man kann sich nicht darauf verlassen, daß das, was vor den Wahlen gesagt wird, auch wirklich nach den Wahlen gilt. und wir müssen damit rechnen, dass das in verschiedenen Weisen sind wiederholen kann.“ Angela Merkel, GF NGO

Doch zu sehr träumt der Wähler (und auch so mancher Aufklärer) noch von „gerechten Vorgesetzten“ (oder will gewohnt nur seine Ruhe haben) – gerecht in dem Sinne, dass sie ihm Mehrung und Sicherheit des Erreichten nicht nur versprechen und nebenbei die „Ungerechten“ über die Mehrheit „entsorgen“ – Verdrängungskonzepte.

„Denken ist jener Prozess, der hinter gewohnter Verdrängung stattfindet.“

„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“

„Der von dem Bundeskanzler und seinen Ministern zu leistende Amtseid, Artikel 64 in Verbindung mit Artikel 56 des Grundgesetzes ist ein politisches Versprechen und kein Eid in einem gerichtlichen Verfahren. Er wird von der Strafvorschrift des § 154 des Strafgesetzbuches nicht erfasst.“

Im Grunde genommen ist der Akt der Wahl nicht nur die symbolische Abgabe von Verantwortung, sondern darüber hinaus auch eine ankonditionierte Selbstentwürdigung.
Wer also nach „gerechten Vorgesetzten“ heischt, hat es nicht besser verdient. Daran wird auch keine Farbzugehörigkeit etwas ändern.

„Mehrheit ist kein Garant für Richtigkeit, sondern nur für Mehrheit – vor allem dann, wenn sich nur innerhalb gewohnter Denkmodelle bewegt wird.“

Verstanden, welche Bedeutung und Aufgabe die Infragestellung in sich trägt?
Es genügt also nicht, nur „Inhalte“ austauschen zu wollen und damit habe sich der Denkprozess bereits als erfolgreich abgeschlossen erwiesen.

Warum sollte man die Mehrheit also nicht im Glauben belassen, sie verfüge über Geld, Eigentum, Besitz, Hab und Gut, wenn man sie auf diese Art und Weise bequem unterwerfen und anschließend freundlich lächelnd mit Betreuungs- und Belohnungsversprechen wieder einfangen kann?

„Wenn man jemanden sagt, dass er dumm ist, wird er sich ärgern. Sagt man ihm hingegen, dass ihm situationsbedingt noch Informationen fehlen, wird er schauen und vielleicht nachfragen. Vom Prinzip her besteht kein Unterschied.“

Kann man der Politik das verübeln? Ich denke nicht, sie nimmt – bewusst oder unbewusst – an einem Spiel teil – genau wie der Wähler – belohnt oder in Hoffnung auf Belohnung.

„Ja, aber ich muss ja…“

Ab und zu bringt man gerne mal das „Bedingungslose Grundeinkommen“ auf den Tisch. Über dessen Einführung man sich zwar bewusst ist, diese jedoch irgendwie unterbleibt, weil die einen ja nichts arbeiten würden und man sich so gegenseitig nichts gönnt oder dem anderen neidet.
Geistige Einfalt als gesellschaftliche Errungenschaft: Die Mehrheit bestimmt,… wer auch Sklave sein darf, während jene davon träumen, etwas bedingungslos „haben“ wollen.

Wie wäre es damit zu beginnen es selbst zu geben? Bedingungslos bedeutet schenken. Schenken ist das Verhalten eines sich in der Vernunft entfaltenden Menschen.

„Das Leben wurde uns geschenkt, macht es einander zum Geschenk.“

„Man bewirkt niemals eine Veränderung, indem man das Bestehende bekämpft. Um etwas zu verändern, schafft man neue Dinge oder geht andere Wege, die das Alte überflüssig machen.“ Richard Buckminster Fuller

„Geben ist seliger, denn nehmen“… Eva (als Symbol des Empfangens) hat das ja „prima“ vorgemacht, wie man gegen die beiden wesentlichen Prinzipien des Lebens (Geben und Empfangen) verstößt: durch das „Nehmen“. Die Schlange, die Täuschung, das „Ich“ des Menschen, nach dem er ja „nur“ funktioniert.

Zu schade dass er glaubt, er sei sein „Ich“, statt dass er erkennt, dass er ein „Ich“ hat. So sind Sein und Haben ebenfalls verdreht und als „normal“ und damit gesellschaftlich toleriert angenommen. Dies ist der härteste Vertrag, den der Mensch selbst in sich zu lösen hat.

In der Aufklärerszene winkt hin und wieder mal die Bargeldabschaffung oder der Verlust des Bodenrechts, eine geldwerte Rente nach HLKO, ein Füllhorn namens „Strohmann-Konto“ und damit verbundenes Anrecht und vernebelt so fleißig die Köpfe gleichgesinnter Geldgläubiger.

Auf diese Weise finden die erkorenen, redseligen „Anführer“ wieder ihre gläubige Gemeinde, während in der Regel niedere Beweggründe den Kessel Nach „Macht und Geld“ anheizen.

Alles was mit Eigentum, Besitz, Hab und Gut zu tun hat, hält den Gläubigen brav und artig bei der Stange und bringt ihn in Rage, wenn sein Glaube enttäuscht wird.

„Wer nimmt, dem sei genommen.“

Erst das „haben wollen“ auf der einen, erschafft das „nehmen wollen“ auf der anderen Seite. Beide Seiten sind Opfer ihrer Denk- und Verhaltensmuster, denen sie nur allzu willig nachzugeben bereit sind und alsdann ihre Handlung damit begründen: „Sie hatten ja so handeln zu müssen, die anderen hätte sie ja dazu gezwungen.“

„Wir kontrollieren die Materie, weil wir den Geist kontrollieren. Die Wirklichkeit spielt sich im Kopf ab. … Die Naturgesetze machen wir. Wir entscheiden, ob sich die Erde um die Sonne oder die Sonne um die Erde dreht.“ 1984, George Orwell

„Die Macht um die wir kämpfen müssen, ist nicht die Macht über Dinge, sondern die Macht über Menschen.“ 1984, George Orwell

Der Unterschied zwischen Orwell und heute liegt im Begriff „subtil“. Der Irrglaube hingegen auf allen Seiten: sowohl die mit „Reich“, wie auch die mit „Arm“ betitelten, sie sind beide Opfer ihrer Vorstellungen, da sie sich kollektiv in einem System bewegen, es mit ihren Denk- und Verhaltensmustern selbst erzeugen, während sie sich vom eigentlichen Lebensprozess abgewandt bewegen.
Es war ja schon immer so und wenn die Mehrheit dies richtig macht, muss es wohl richtig sein. Nicht mehr lange.

Ich kannte mal jemanden, der argumentierte so: „Ich muss die anderen betrügen, weil sie mich ja auch betrügen.“ Derselbe, der mal sagte: „Wir sind keine Unternehmer und werden niemals reich sein.“

Die Welt der Opfer erschafft durch Feindbildprojektion die Welt der Täter, die sich dann gegenseitig die Schuld für ihre eigenen Lebensumstände zuschieben oder für ihre eigene, herbeigeredete Unfähigkeit umdenken zu können, andere „aus dem Spiel nehmen“.

Nicht das Leben ist hart, sondern die Regeln des Menschen, die er sich selbst gab, ihn sich in einem zunehmend lebensfremden System bewegen lassen. Nur er kann es ändern und damit alles.

Erst neulich schrieb jemand, dass das Naturrecht das Recht des Stärkeren, das Faustrecht sei. Wie sehr er sich geirrt hatte, als er vom überpositiven Recht, dem Naturrecht, dem Vernunftsrecht erfuhr. Er trollte sich dann mit der Aussage von dannen, wie man dies anderen denn erklären wolle. Es wird zuviel „herumgebreit“ und zu wenig gedacht, zuviel projiziert und zu wenig selbst reflektiert.

Und solange der Mensch sich nicht mit der Frage und der dazu passenden Antwort beschäftigt, was ihn so funktionieren lässt, wird er sich immer nur mit Inhalten und deren Austausch beschäftigen und so „Jakob dienen“. Da kann er sich noch soviele schöne Welten ausdenken, sie bleiben „zum Greifen nahe“ Lichtjahre von ihm entfernt.

„Opfer, Aldder.“

Und kaum jemand sieht sich in der Lage wirklich etwas ändern zu wollen, da ja sein eigenes Hab und Gut auf dem Spiel steht. Und so mag geschehen, was geschehen mag. Während die einen heulen, üben sich die anderen bereits im Zähneknirschen, schauen einen mit leeren manchmal auch treudoofen Augen an oder empfinden das Gesagte als „schöne Philosophie“.

Zwar sitzt die Mehrheit auf einem verschissenen Sitzkissen, was gewechselt werden müsste, doch lieber hat man sich dazu entschlossen, den aufsteigenden Gestank der eindringenden Exkremente als „alternativlos“ hinzunehmen, während man den Nachbarn freundlich dazu überreden versucht, doch endlich mal etwas gegen seinen Gestank zu unternehmen.

Wer an dieser Stelle herumposaunt, dass es ja Gesetze gibt, der mag sich mit diesem Gedanken mal anfreunden oder diesen Gedanken.

Ladies and Gentlemen, Infragestellung ist keine Handlung, wo man anderen seine Einstellung madig macht, sondern gemeinsam alles(!) konsequent in Frage stellt.

Erst auf diese Weise offenbart sich das Wahre: dass sich der Mensch in seinem geistigen Altertum ein System, basierend auf seinen Konditionierungen schuf, was von Überlagerungen, Illusionen und Verschleierungen nur so strotzt, mit dem er sich vom Lebensprozess abgewandt hat. Es ist auch nicht damit getan, die anderen als Lügner zu enttarnen und damit habe sich dann der Fall. Ist zu wenig. Setzen! Sechs!

„Erst mal muss das Alte weg, dann können wir das Neue machen.“ „Und wann kommst du dann wieder?“

Dass sich sowohl Politik, die sogenannten „Reichen“ und die sogenannten „Armen“ in einer selbst gemachten Illusion bewegen, die sich auf Macht, Geld, Eigentum, Besitz, Hab und Gut stützt, darüber wird laut geschwiegen, sich damit zu beschäftigen schlichtweg ignoriert oder einfach nicht verstanden. Alles andere wird für utopisch gehalten und ausgegrenzt.

Wen wundert es dann, wenn es eines Tages allen an den Kragen geht – in einem Nullsummenspiel, wo es keine Gewinner gibt.

Ich will es mal so ausdrücken, wie es sich zeigt: „Kinder verschwinden zu lassen, ist unser persönlicher Krieg, den wir gegen Gott führen. So verlieren die Menschen ihren Glauben und dann werden sie zu Dämonen…“ Prisoners, 2013

* Es lohnt sich mehr über die Schere und ihre Funktion vorzudenken, statt sich nur mit den sicht- und spürbaren Auswirkungen zu beschäftigen.