Von Konkretem und Abstraktem

(V1.1) Es ist immer wieder eine Herausforderung und Freude, mich mit Menschen auszutauschen. Doch fällt dabei auf, dass noch zu wenige Akteure bereit sind, sich auf eine abstrakte Ebene zu begeben.
Denn erst von dort aus gelingt eine Betrachtung, die über die gewohnte Polarisierung sowie Suche nach Schuldigen und Verantwortlichen hinaus. Und plötzlich ist das Ungemach doch nicht so schlimm,wie es manchmal gern dargestellt wird.
Und so bewegt sich eine Mehrheit lieber in der gewohnten Gegenwehr oder belohnter Ablenkungsbeschäftigung, ohne zu wissen, dass sie sich dadurch von ihrer eigenen Entwicklung abhalten.

Denn: Die anderen sind ja daran schuld, müssen weg, bestraft werden oder egal…!

Und solange hält sich auch die Mehrheit der Aufklärer selbst und gegenseitig unten. Denn es wird nur das geglaubt und angenommen, was den eigenen Denk- und Verhaltensmustern entspricht. Das nennt sich dann Opfer der eigenen Programmierungen, denen man zu gehorchen hat. Recht nett dargestellt im Gleichnis von Esau (Mensch) und Jakob (der „Fersenhalter“, das „Ich“, die Programmierungen).

Es geht im Kern also darum, wieder „Herr“ über sich selbst zu werden und nicht über andere!

Ohne die Einbeziehung der abstrakten Ebene (Prinzip- oder auch Prozessebene) ist dies nicht möglich, über wirksame Schritte vorzudenken. Auf dieser Ebene finden sich die eigentlichen „Regelwerke“, von denen sich all jene Themen in Inhalte ableiten, um deren „Geltung“ dann sich dann in der „Realität“ gestritten wird.

„Die Fische, die sich über das schmutzige Wasser beschweren, sehen ihr eigenes Arschloch am wenigsten.“

Es können zuweilen 5.000 Jahre Menschheitsgeschichte dargelegt werden. Das ist erstaunlich. Doch was nutzt es Informationen der letzten Jahrtausende zu sammeln, wenn sich nicht die Frage gestellt wird, warum sich Geschichte „wiederholt“. Denn so gelangt man zu den Denk- und Verhaltensmustern des Menschen und der ernüchternden Erkenntnis, dass er sich im Wesen nicht entwickelt hat.
Dass den Deutschen diese Aufgabe zugeschoben wurde, die alles zu hinterfragen, sieht man ganz nett an ihrer eigenen Geschichte. Dazu gelernt haben die Deutschen bis jetzt nichts, als Antwort auf Helmut Schmidts Frage aus dem Jahr 2012 zur Verleihung des Westfälischen Friedens, ob die Deutschen etwas dazu gelernt haben. Dazu auswendig gelernt, ja.

In der Regel herrscht mehr die unendliche Beschäftigung, Beweisführung und Sammlung von Details und noch mehr Details für etwas was „richtig“ sein soll – mit Hilfe gewohnter Denk- und Verhaltensmuster.

Hinzukommt, welche gesammelten Puzzleteile man beginnt zusammensetzen zu wollen, der „Zusammenbau“ wird von den Denk- und Verhaltensmustern beeinflusst, die – unbetrachtet – stets nur zu einem gewohnten „Bild der Unsäglichkeiten und breit angelegten Wehklagens“ führen oder nur Wunschdenken über die „Lösung“ herrscht – während „Lösung“ zu gern mit „Ziel“ verwechselt wird.

Lösung ist ein Veränderungsprozess, während das Ziel ein Zustand ist, der durch den Veränderungsprozess angestrebt werden soll.
Hinzukommt, dass man Probleme niemals mit derselben Denkweise lösen kann, aus der sie entstanden sind, sagte mal Albert Einstein. Gewohnte Denke ist also zum Scheitern verurteilt – bis man dies erkennt und umdenkt. Und solange geht der Kopfspaß unverhohlen weiter.

Ich gewinne zuweilen den Eindruck, dass der Mensch durch sein geschaffenes System, eines vergessen zu versucht: sich selbst entwickeln zu wollen, da nicht Entwicklung belohnt wird und er so weiter gefügig ist.

„You’d better shut your mouth, better watch your tone,
You’re grounded for a week with no telephone,
Don’t let me here you cry, don’t let me hear you moan,
You gotta praise The Lord when you’re in my home.“
Kickapoo, Tenasious D

Doch erst mit seiner Entwicklung überwindet er die ihm begegnenden Unsäglichkeiten und lässt so die alte Welt hinter sich.
Die Realität, die Welt ist jene, die sich aus den Denk- und Verhaltensmustern entwickelt und solange der Mensch sich über diese keine Gedanken macht, solange erlebt er, was er erlebt, kämpft dagegen an, ignoriert oder grenzt aus.

Das liegt wohl daran, dass er jenen Moment zu vergessen versucht, wo er für die eigene Entwickelung bestraft worden ist, weil er nicht den Vorstellungen und Konventionen der Autorität entsprach. Und so tut er in der Regel nach.

Was in derartigen Situationen geschah und geschieht, findet üblicherweise unter dem Aspekt: „Denn sie wissen nicht, was sie tun statt.“ Und da sie es nicht besser wissen, kann man sie auch nicht dafür verurteilen.

„Papa? Sind Väter immer klüger, als ihre Söhne? „In der Regel schon, mein Sohn.“ „Papa? Wer hat die Dampfmaschine erfunden?“ „Das war James Watt, mein Sohn.“ „Papa? Warum hat der Papa von James Watt nicht die Dampfmaschine erfunden?“

Der Mensch scheint sich irgendwie an ein unentrinnbares Schicksals gewöhnt zu haben, während er bestellt, was später geliefert wird, ohne dass er weiß, dass er es bestellt hat. Es fehlt nahezu kollektiv der Willen, etwas ändern zu wollen: bei sich selbst. Denn erst so wird aus dem Alten etwas Neues. doch lieber beschäftigt er sich mit Ersatzhandlungen und Nebenschauplatzthemen.

Es besteht der Irrglaube, man müsse dies zunächst im Außen tun, damit sich etwas ändert. Dabei geht es im Kern um einen selbst – im Inneren.

Und das hat nichts mit dem üblichen Geld, Eigentum, Besitz, Hab und Gut zu tun und damit verbundenen, üblichen Handlungsweisen.

Spätestens an dieser Stelle ist die Hälfte aller Interessenten verschwunden, denn begegnete mir mehrheitliches Interesse gerade um Sicherung und Mehrung des vorhandenen.

Aus diesem Grund macht auch „die Nummer mit dem Finanzamt“ keinen wirklichen Sinn – für diejenigen, die es noch nicht verstanden haben schon. Sie brauchen noch Zeit, um dies zu erkennen.

Solange Geld, Eigentum, Besitz, Hab und Gut an vorderster Stelle stehen, bewegen sich die Akteure Lichtjahre von einer Lösung entfernt – ebenso was Rache, Vergeltung und Bestrafung anbelangt. So am Rande.

„I don’t want to take it anymore
I’ll just stay here locked behind the door
Just no time to stop and get away
‚Cause I work so hard to make it every day“
Neutron Dance, Pointer Sisters

Was der Mehrheit noch fehlt, ist zu erkennen, dass man nur etwas anderes machen kann, wenn man vorher seine eigenen Denk- und Verhaltensmuster in Frage gestellt hat. Da hilft auch kein „so tun,als ob“.
Wenn man sich erst einmal mit diesen beschäftigt, verstanden und verinnerlicht hat, und genau dazu ist das im außen beobachtete da, um diesen Weg zu gehen, machen die meisten ambitionierten Projekte der Vergangenheit überhaupt keinen Sinn mehr, denen sich früher euphorisch hingegeben wurde. Egal wie bockig sich der eine oder andere jetzt anstellen mag oder dagegen ist.

Falls es jemandem zu „abstrakt“ erscheint: Ein Denk- und Verhaltensmuster ist die von der Gesellschaft als Vernunft tolerierte Unvernunft, deren Auswirkungen überall zu sehen ist, die wiederum die Existenz der Betreuer erklärt und die nicht damit zu rechtfertigen ist, man müsse ja, weil alle anderen auch so sind.

„Wer nimmt, dem sei genommen.“ Argument des Finanzamts bei einer Kontopfändung (Scherz)

Es geht zunächst um die Programmierungen, mit denen der Einzelne in der gleichgeschalteten Mehrheit herumläuft und nicht weiß oder nicht wissen will, dass er oder sie nach diesen in der Tat nur „funktioniert“ – sich jedoch umprogrammieren kann. Denn die Masse lässt sich deshalb noch beherrschen, weil sie in ihren Wesenszügen gleichgeschaltet ist. Das erkennt man jedoch dann erst, wenn man die vor einem liegenden Themen auf einer prinzipiellen, abstrakten Ebene erfasst hat (Das spart jede Menge Zeit).

Mit sich zu sprechen ist einer der Mechanismen, um sich zunehmend selbst umzuprogrammieren. Deshalb ist das Selbstgespräch in der Gesellschaft ja auch anrüchig gesehen. Deshalb auch der Blog.

„Die Theorie besagt, dass die Sprache, die man spricht, das Denken prägt.“ Arrival, 2016

Sprache ist ein Werkzeug, um sich selbst zu konditionieren und ein Werkzeug der Manipulation, wenn die entsprechenden Denk- und Verhaltensmuster in dem zu Manipulierenden vorliegen – und für gewöhnlich tun sie das. Doch das will kaum jemand wissen. Es muss sich etwas ändern. Die Manipulierer müssten erst weg – was jedoch nur ein Verdrängungskonzept ist.

Das meint: „Mit den Denkweisen aus denen die Probleme entstanden sind…“

Musikalische Untermalung: