Warum der Druck steigt

Wohnen, gewöhnlich und verwöhnen sind alles Begrifflichkeiten, mit denen man in der Regel ein beruhigendes Komfortgefühl verbindet. Alles geht seinen Gang, mit kleinen Unwegbarkeiten. Tag aus, Tag ein. Herrlich. Wer macht sich da schon Gedanken, dass dies gerade zur Gänze in Frage gestellt wird?

Kaum jemand begibt sich freiwillig in die Lage, sich an stattfindende Veränderungen anpassen zu wollen. Es sind nur wenige, die dies in der Regel erkennen, bereit sind und sich darauf einlassen.

Die Mehrheit versucht sich weiter in Ablenkung, Unterhaltung und Erhaltung ihrer bestehenden Strukturen – mit einem Aufwand nach dem Prinzip „vom mehr des Selben“.

Alles was nicht in die Muster der Gewohnheit passt, wird dabei einfach ignoriert oder gar bestraft.

„Business as usual“ ist gefragt. Das haben wir schon immer so gemacht und das hat sich bewährt.“

Dass dieses Verhalten eine Illusion ist, sieht man immer schön daran, wenn der Energieaufwand, um das „Bewährte“ aufrechterhalten zu wollen, immer weiter zunimmt.

Bei einem Individuum, einer Gemeinschaft, einem Unternehmen oder einer Gesellschaft, geht es sowohl um Erhaltung wie auch um Aufgabenerfüllung. Darüber hinaus geht es auch um Entwicklung. Entwicklung ist dazu gedacht, um sich an Veränderungen anpassen zu können.

Kritisch wird es dann, wenn der Energieaufwand zur Erhaltung des Bestehenden zunehmend anwächst und die Erfüllung der eigentlichen Aufgabe in den Hintergrund tritt. Nicht selten gepaart mit der Erkenntnis, dass das gelernte Wissen zu keiner Veränderung mehr führt. So sucht man im Umfeld alter Bekannter nach einem „Rat“. Akzeptiert wird dabei auch nur das, was man bereits kennt. Bei einer lokalen Angelegenheit mag dies nochmals zu einer möglichen Lösungsvariante führen.

Geht es einem besser, so findet man eher Neider, als Nachahmer. Neidisch und missgünstig sein ist auch wesentlich einfacher. Da muss man seine eigene Denke nicht in Frage stellen.

So hat sich die persönliche Welt viele Methoden zurechtgelegt, um sich gegen Anpassung geschickt zur Wehr setzen zu können.

Und wenn mal etwas „Unkonventionelles“ auftaucht, wird es lediglich unter vier Augen bestätigt. Denn das öffentliche Verteilen von Informationen würde jedoch für den Einzelnen eine irreversible Übernahme der Verantwortung für seine Entscheidung und seine Handlung bedeuten. So übt sich eine große Dunkelziffern im U-Boot-Verhalten oder übt sich in der Kompaktausgabe des Widerstands mit eher ungefährlichen Themen, die großgeredet werden.

Öffentlich distanziert man sich aber vom „Unkonventionellen“. Denn in der Öffentlichkeit herrscht wieder die öffentliche Meinung, gesellschaftliche Gewohnheiten (Konventionen) der sich ein Andersdenkender und zumindest eine Zeit lang unterwirft. Interessant, warum er dies tut: Es wirkt in ihm die Konditionierung der bedingten Zugehörigkeit.

Hat er diesen Prozess erkannt und hinter sich gebracht – wie ich selbst – so erkennt man die Muster, mit denen sich die im System verbliebenen Akteure gegenseitig in Schach halten. Und dann schrumpft die Liste der Bekannten auf Null. Und das ist für den Aufmerksamkeits- und Zugehörigkeitssüchtigen das größte Übel.

Das Hauptmuster – im Außen Anerkennung, Aufmerksamkeit zu bekommen, ist ein wesentlicher Mechanismus der Gesellschaft, um sich Menschen gefügig zu machen. Und nur so kann Manipulation prima funktionieren.

„Nur wer sein Sklavensein liebt, unterwirft sich freiwillig seinen Herren. Und wer sich nicht freiwillig unterwirft, wird von den Sklaven unterworfen.“

Dass es sich hierbei um Verhaltensmuster handelt, die ihren Samen in den ersten Tagen nach der Geburt und in der ersten Zeit in der Familie ihre Einpflanzung finden. Hübsch von Generation zu Generation – meist unbewusst – weitergegeben.

So konditionieren sich die Sklaven und Betreuungswilligen selbst. Daraus ist ein System erstanden, dessen Reichweite jegliche Landesgrenzen überwunden und die Mehrheit der Zivilisation durchdrungen hat.

Die selbstkonditionierten Sklavenopfer klagen, wimmern, jammern und beschweren sich. Und wer dazugehören will, muss mitmachen. In einer Email schrieb jemand: „Lasst uns friedlich zusammenfinden und uns gegenseitig die Angst nehmen.“

Es macht also Sinn, sich nicht mit irgendwelchen künstlichen Gebilden widerständlich oder üblich beschuldigend ins Benehmen zu setzen, sondern es lohnt sich das gesamte System zu hinterfragen.

Und da wird es interessant, wenn man erkennt, was das System wirklich ist und warum so ein Wandel so zähflüssig vonstatten geht. Jeder trägt das System in sich selbst.

Was ihm zunehmend unangenehm wird, da die innere Wunschdenkwelt nicht mehr mit der stattfindenden Veränderung übereinstimmt.

Und wo empfindet man dies? An der Firma „Amtsgericht“? Nein. Nur einem selbst. Schuldverschiebung ist dabei nur wieder ein gelernter Mechanismus, um die eigenen Denk- und Verhaltensmuster gegen Veränderung und Anpassung abgrenzen (schützen) zu wollen.

Ein aussichtsloses Unterfangen. Während gleichzeitig der Wandel gewollt wird, und alles beim alten bleiben soll.

Wenn Napoleon mit den Deutschen recht hat, so ist der zunehmende Druck in diesem Lande verständlich.

„Souveränes Deutschland: 1.000 Mitglieder. Souveräne Menschen: 7 Mitglieder.“

Die Lösung findet sich in jedem selbst.