Wie „Reichsbürger“ Hannovers Ämter attackieren

Sie schicken endlose Faxe, überschütten Behörden mit Widersprüchen und drangsalieren Verwaltungsmitarbeiter: Die selbst ernannten „Reichsbürger“ legen regelmäßig Behörden in ostdeutschen Bundesländern lahm. Jetzt agieren sie auch vermehrt in Hannover.

Hannover. Die Regionsverwaltung bestätigt, dass sie mit Mahnschreiben und Forderungen von „Reichsbürgern“ konfrontiert werde. Zudem registriere die Behörde „vermehrt Fälle von Antragstellern, die nicht etwa die deutsche Staatsangehörigkeit bescheinigt bekommen wollen, sondern zum Beispiel die preußische“, sagt Regionssprecherin Christina Kreutz. In einem internen Rundschreiben hat die Region jetzt alle Mitarbeiter vor den Umtrieben der „Reichsbürger“ gewarnt. Im Bereich der hannoverschen Stadtverwaltung seien bisher nur Einzelfälle bekannt, sagt Stadtsprecher Andreas Mörser.

Auch im Jobcenter Region Hannover wappnet man sich gegen Attacken von „Reichsbürgern“. Hier warnt die Behördenleitung die Mitarbeiter ebenfalls in einem Schreiben davor, dass die Arbeitsabläufe „durch das massenhafte Einreichen von Anträgen, Widersprüchen und Klagen“ verzögert oder blockiert werden. Zugleich könnten Mitarbeiter mit fingierten finanziellen Forderungen konfrontiert werden, die „Reichsbürger“ über internationale Inkasso-Unternehmen durchzusetzen versuchen. „Leider ist die Rechtslage hierzu bislang unklar“, heißt es.

Im Jobcenter wächst die Angst
Tatsächlich gehört es zu den Machenschaften der „Reichsbürger“, Behördenmitarbeitern mit privatrechtlichen Forderungen zu drohen. Unter den Beschäftigten des Jobcenters wächst die Angst. „Am Ende muss ich eine Fahrkostenerstattung für einen Kunden aus der eigenen Tasche bezahlen, nur weil dieser die Bundesrepublik nicht anerkennt“, wundert sich ein Mitarbeiter. Er verlangt von seiner Behördenführung umfangreichen Rechtsschutz.

Was der Widerspruchsgeist einer Gruppe von „Reichsbürgern“ in einer Behörde anrichten könnte, zeigt sich an einem Beispiel. Nach HAZ-Informationen gibt es im Einzugsbereich des Jobcenters Hannover eine Kundin, die jedem vorgelegten Bescheid widerspricht. Ein Sachbearbeiter ist fast ausnahmslos damit beschäftigt, sich um diese eine Kundin zu kümmern. „Wenn die ,Reichsbürger’ richtig aktiv werden, brauchen wir mehr Leute, vor allem Juristen“, sagt ein Mitarbeiter.

koenig-von-deutschland_articlewideZwei regelmäßige Treffen („Stammtische“) organisieren die „Reichsbürger“ in Hannover bereits. Vor drei Jahren machte im Umland ein kurioser Gerichtsfall Schlagzeilen: Peter Fitzek wurde wegen Tempoüberschreitung geblitzt und bekam einen Bußgeldbescheid, den er nicht anerkannte. Fitzek wollte vor Gericht eine Debatte über Völkerrecht anstrengen, nannte sich selbst „König von Deutschland“. Einen Führerschein besaß er nicht, am Ende verurteilte ihn das Neustädter Amtsgericht zu einer Haftstrafe von drei Monaten.

Quelle: Hanoversche Allgemeine

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