Wo fängt Betreuung eigentlich an?

Nachdem Stigmatisierung einen wirksamen Zurechtstutz-Mechanismus für all jene darstellt, die im Außen nach der Veränderung suchen und notwendige Anpassungen dabei offen kommunizieren und dabei anderen nur noch bedingt hörig sind, schlich heute morgen dieses „Betreuen“ in meinem Kopf herum.

Der Sinn von Betreuung findet sich zunächst dort, wo ein junger Mensch heranwächst. Dies sollte sich jedoch mehr und mehr in ein Begleiten verwandeln und letzlich in einem Loslassen münden. Dies damit der heranwachsende Mensch vermehrt eigene Erfahrungen sammeln und so eigene Entscheidungen zu treffen lernt. Denn dadurch erlernt er den Umgang mit Vernunft – was in der Regel nichts mit dem Prinzip „vom mehr des Selben“ zu tun hat, sondern einen  durch Erfahrung entwickelnden Mechanismus zwischen Geben und Nehmen darstellt.

Betreuung wird in der Regel jedoch missbraucht und man so den Umgang mit vernunftvollem Geben und Nehmen nicht erlernt, sondern stets andere weiter versuchen darüber zu entscheiden, was und wie viel von etwas für einen „gut“ sein soll. Eine Konvention, die durch das Gebetsmühlen-Argument: „Sonst haben andere etwas und man selbst hat dann nichts“ aufrechterhalten wird.

Durch diese Vereinbarung (konkludentes Handeln) entwickelt sich das weibliche Prinzip (erhalten, bekommen, nehmen, kriegen, bewahren, sichern, etc.) übermäßig einseitig und erscheint dann für den „Betreuer“ als unvernünftiges Handeln, was wiederum zur Rechtfertigung eines „verlängerten“ Betreuungsprozesses führt. Und später erkiert man sich seine Betreuer in einer sogenannten „Wahl“.

Wenn wir uns nun die alten Strukturen anschauen, werden nahezu alle auf irgendeine Weise betreut, wo andere darüber befinden, wie es einem ergeht und was man darf. Und wer nicht der Konventionen der Masse entspricht, erlebt die entsprechenden „Auswüchse“.

Solange der konditionierte Bedarf nach Betreuung und Betreuten vorliegt, solange versucht man sich auch gegenseitig in Schach halten, um ein „überwinden“ gesellschaftlicher Regeln und Vorstellungen so verhindern zu wollen (Das ist der eigentliche Wandelprozess, der beide Lager hinter sich lässt. Man wird zur „dritten Person“ in der Gesellschaft.).

Zurückhaltungsmechanismen sind unter anderem das Geldsystem, die Noten in der Schule, das Geld als Belohnung und die Mutter, welche die Kinder nach ihren Vorstellungen heranwachsen lässt. Männer haben in der Regel eine nachgelagerte Entscheidungskraft oder werden bei mütterlich gefühltem Unbill als „Exekutive“ vorgeschickt, entsprechenden „Vorstellungen“ durchzusetzen.

Brav ist hierbei jenes Verhalten, um nicht für unkonventionelles Herausragen bestraft zu werden. Der Mut anders zu sein scheitert in der Regel an der Entscheidung und mündet in der Gleichschaltung. Damit dies gewöhnlich gut funktioniert, wird alles, was die eigenständige Entwicklung eines Menschen ausmacht, mit dem Stigma: „Du bist nur ein Egoist und machst Dein Ding“ belegt.

Dies alles funktioniert mit der konditionierten Masse dahingehend, da ihnen repetitiv beigebracht wurde, Projektion mit Selbstreflektion zu verwechseln – denn das Außen ist lediglich Spiegel ihrer eigenen wahrgenommenen Verhaltensmuster.
Und das ist wiederum ein prima Signal umzudenken – wenn man es annimmt. Denn solange eine Stigmatisierung beim Einzelnen wirkt, ist es seine Aufgabe das Muster in sich zu erkennen. Und mit dem Erkennen löst es sich bereits auf. Auf diese Weise gelangt man vom gewohnten Beschuldigen zur Akzeptanz des Wahrgenommenen, als dessen so wie es ist. Und so löst man sich langsam aus den Konventionen heraus.

Betreut werden hat auch etwas mit Hilfsbedürftigkeit zu tun: freiwillig oder oktroyiert (von oben aufgezwungen).

Das Spektrum reicht von: „Kann ist ihnen helfen?“ bis „Willst du nicht mein Opfer sein, so schlag ich dir den Schädel ein.“

Ein anderer Begriff für Betreuung ist absolute Führung und auf der anderen bedingungslose Hörigkeit. Der Vorgesetzte und der Antragsteller. Der Herr und sein Sklave. Der Betreuer und der Unmündige etc.

Es lohnt sich also, den Fokus auf das Thema Betreuer und Betreute und den vielen Varianten zu richten, denn ist es ein Prinzip der alten Ordnung und gerät im stattfindenden Wandel mehr und mehr selbst unter Druck, denn es ist ein wesentlicher Mechanismus.
Denn freiheitliches Denken und Handeln steht der alten Ordnung direkt gegenüber und sorgt so dafür, dass sich Betreuer und Komfortbetreute mehr und mehr mit ihren eigenen Entwicklung und Anpassung an den Wandel auseinandersetzen müssen.

„Entwicklung oder Zusammenbruch.“

Individuell-gesellschaftliche Entwicklung geschieht also durch das Verlassen jener Schule, die uns zeigt, wie es nicht geht und uns zum Um- und Weiterdenken auffordert.
Weiterdenken, bedeutet hier konsequentes Infragestellen aller bisherigen Erkenntnisse, die auf Methoden und Mechanismen beruhen, die stets nur das Alte im neuen Glanze erscheinen lassen wollen und jenen Propheten, die sich bereits nach der nächsten Betreuungsaufgabe und Regelaufstellung strecken.

„Ja, aber wir brauchen doch Gesetze. Wenn jemand einen anderen tötet, was geschieht dann?“

Um zu verstehen worum es eigentlich geht, handelt es sich bei der Bekämpfung und Bestrafung von „Delikten, Vergehen oder Verbrechen“ lediglich um monokausale, symptomhafte Kaschierungen von sicht- und spürbaren Auswirkungen des „Systems“ als Ganzes, welches auf den oben beschriebenen Konditionierungen beruht – vereinfacht ausgedrückt.

Wenn jene davon sprechen: „Das ist ja alles nur Philosophie“, mag die Frage erlaubt sein, wo denn Umdenken eigentlich stattfindet. Im Kopf oder ausschließlich auf dem Konto?

Denn aus den Konditionierungen, Gewohnheiten und Konventionen ersteht jenes System, aus dessen sich so mancher herauszuwinden versucht.

„Aber die kommen doch immer, und ich muss kämpfen.“ „Stimmt. Du trägst etwas in dir, was diese Situationen sprichwörtlich wie einen Magenten anzieht. Wie gesagt, es fängt beim Umdenken an.“