Zeit des Erwachens

Mir ist mittlerweile langweilig zu Mute. Dies bei Nachrichten, die sich gewohnt mit Problemen beschäftigen. Ich schaue ich mir gelegentlich nur noch die Überschrift an – sich zuspitzende Signalwirkung bei Stichprobenprüfung. Doch nicht immer.

„Wenn Sie das blöd finden, dann müssen Sie aufhören mi’m Kapitalismus. Aber, wer will das? Klar tötet Kapitalismus. Aber doch nicht uns – hier.

Ja, natürlich gibt es Leute, denen ist nicht so gut geht. Un‘ Flaschen aus dem „Dings“ holen müssen und so. Aber jetzt mal ehrlich: Wer von uns kennt so jemand persönlich? Da muss man wirklich realistisch bleiben, oder? Wir jammern hier echt auf hohem Niveau.

Klar, gibt es hier sogenannte Armut. Aber deutsche Arme sind doch wenigstens freie Arme. Die haben Armfreiheit und Beinfreiheit – alles. Die Beinfreiheit das ist doch unser höchstes Gut hier in Deutschland. Das haben wir uns durch die Aufklärung hart erkämpft. Mensch! Uns geht’s doch gut.

Wir alle, wir haben doch immer die Möglichkeit… also wenn mich das alles depressiv macht oder so oder meinen Sohn – der ist jetzt zwei – dann nehmen wir halt ein halbes Jahr die Tabletten und funktionieren trotzdem.

Deswegen schaffe ich doch nicht gleich ein ganzes System ab. Mensch! Uns geht’s doch gut.

Woanders werden Leute gefoltert, die haben keinen Rechtsstaat und keine Demokratie. Die würden was drum geben, unsere „Probleme“ zu haben. Denen geht’s schlecht, nich‘ uns. Uns geht’s gut, weil es anderen schlecht geht. Muss es uns deswegen gleich wieder schlecht gehen? Man kann sich Probleme auch echt einreden.

Brecht hat mal gesagt: „Die Verhältnisse, die sind nicht so… schlecht.“ Ach nee, das war Precht. Der hat recht.

Solange ich mit Kapitalismuskritik so viel Geld verdiene und Sie sich dabei gut unterhalten fühlen, solange kann es eigentlich noch nicht so schlimm sein.

Ach übrigens: Der Letzte Satz wurde ihnen präsentiert von Hasseröder, Deutsche Bank, Deutsche Bahn, Nestlé, Ratiopharm und Kraus Maffei. Guten Abend.“ Christine Prayon, Die Anstalt, ZDF, Mai 2016

„Krise ist jener Moment, wo kollektives Denken zu keinem brauchbaren Ergebnis mehr führt.“

„Wer sich beschwert, erleichtert sich nicht.“

Wie gut, dass es nur noch des gelassenen Wartens bedarf. Man muss halt „sein Ding“ machen und bei dieser Erkenntnis bin ich mittlerweile auch nicht mehr der Einzige.

Und wenn alles vorbereitet ist, ist der Sache genug getan.

Hinweis: Der Umgang mit Problemen und „Lösungen“

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