Der Esau-Segen – oder: Warum Esau nichts bekam

Während des Telefonats mit einer Bekannten kam die nochmals der Gedanke, den Esau-Segen näher zu beleuchten.

„Da sagte sein Vater Isaak zu ihm: »Dort, wo du wohnst, wird das Land nicht fruchtbar sein, kein Regen fällt darauf. Mithilfe deines Schwertes musst du dich ernähren. Und deinem Bruder wirst du dienen, doch dann wirst du seine Herrschaft abschütteln und frei sein.“ 1. Mose, 39,40

Auch wenn so mancher bereits das Gefühl parat hat, dass es ihn das gerade nicht weiterbringt und jener nicht selten in ein Pauschalverhalten verfällt, es sei ja sowieso alles in der Bibel erlogen, ist dies im Kern nur die Offenbarung seines eigenen inneren Zustandes. So hart dies klingen mag.
Das mit der pauschalisierten Ablehnung funktioniert auch nur solange, wie die Selbstreflektion nahezu außer Kraft gesetzt ist und dabei auch die eigene Entwicklung mehr oder weniger ausgehebelt wird.

In diesem Wandel geht es jedoch darum, die Puzzleteile zur Entwicklung(!) (über die Konventionen hinweg) zusammenzufügen, die in eine Neue Zeit führen.
Dazu sind Hinweise, die zur Infragestellung des Alten wie auch Hinweise (in der Tat Rätsel) auf das Neue dienlich.
Denn erst wenn man die Überlagerung, das „Gestern beibehalten zu wollen“, Stück für Stück fallen lässt, lässt sich das Neue immer ein bisschen mehr erkennen.

Der gewohnte Denker, wird sich mit dem Rückgriff auf das Gestern in Sicherheit wiegen wollen.
Das kennt er und braucht er den Gehirnskasten nicht sonderlich anzustrengen, zumal es ja auch genug andere gibt, die das ja genauso sehen. Doch weit gefehlt.
Nur weil eine größere Menge sich im Gestern und einer vordringlichen Problembetrachtung darin wiegt, bedeutet das nicht, dass es dadurch „richtiger“ wird (siehe: „Gültigkeit von Gesetzen“).
So durfte ich oft genug mitverfolgen, wie versucht wurde, das Gestern durch gebetsmühlenartiges Wiederholen herbeireden zu wollen. Mir half das, wenn andere sich ständig im Kreise drehten und vor allem im Kreise drehen wollten, bzw. wollen. Ich lerne daraus. Die Betroffenen selbst, lehnen weiterführende Gedanken in der Regel ab und „mummeln“ sich in Ihresgleichen ein.

Die Frage an dieser Stelle lautet: Welchen Preis würden je SELBST dafür zahlen wollen?

„Würden Sie ein Opfer bringen?“ „Ja, meinen Nachbarn.“ „Ich meinte, würde Sie SELBST ein Opfer bringen?“ „Ja, meinen Nachbarn. Sie müssen mir nur sagen, wohin ich ihn bringen soll.“

Im Kern fehlt jenen der Glaube, es wirklich zu wollen und der Preis den es kostet ist ihnen zu hoch – vor allem wenn jene nur im Modus des Habens (Wert im Außen) unterwegs sind.

Wo Esau „wohnt“, ist das Land nicht fruchtbar. Das ist aus Sicht der natürlichen(!) Entwicklung des Menschen, ein geistiger Ort. Im Kopf fängt das an, was wir „Realität“ nennen. Ein Land, was nicht fruchtbar ist, gilt es fruchtbar zu machen – die Aufgabe von „Esau“. Das ist geistige Entwicklungsarbeit. Ist doch klar, dass da auch kein „Regen“ fallen kann.

Dass er sich „mit Hilfe des Schwertes“ zu ernähren hat, ist dabei das täglich wahrgenommene Brimborium („Wenn ich was gebe, muss ich dafür auch was kriegen“), was solange weitergeht (siehe: Gesamtsituation und damit wahrgenommene „Probleme“ (Symptome)), solange er sich nicht der Aufgabe seiner eigenen Entwicklung stellt.

Der unfertige Mensch, unterjocht durch seine Denk- und Verhaltensmuster, abgelegt in seinem „Ich“, seiner Persönlichkeit, seiner Person, an der er in der Regel festzuhalten gedenkt und nur so tut, als ob „etwas“ anders werden soll – bis er „umdenkt“. Das ist jener Punkt, wo er beginnt, sich selbst(!) zu befreien.

„Jakob verkörpert den habenden Teil des Menschen, der auch deshalb Israel (der Gottesstreiter) genannt wird, weil er sich vom Göttlichen – besser: von den Prinzipien des Natürlichen abgewandt hat und all jene mit „Kinder Israels“ bezeichnet sein mögen, solange sie nicht umdenken. Soviel zum Thema „Symbolik“, die nur allzu gerne außen vorgelassen wird.“

Wie sehr auf einmal die Frage an Bedeutung gewinnt, ob man Teil der Lösung oder Teil des Problems ist.

P.S. Das „Buch der Bücher“ ist im Kern nur das papiergebundene Gleichnis des Menschen und seiner Beziehung mit dem Schöpfer. Sicher mag daran „herumgewurstelt“ worden sein – jedoch ist eines erkennbar: Es ist auch ein Hologramm.

Und wer darin nur Krieg und Vergeltung, Bestrafung und Sünden erkennt, mag sich im Sinne der Selbstreflektion fragen, warum er das erkennt und was er selbst zu tun gedenkt, um diesen Umstand zu überwinden.

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