Wie der systemrelevante Junkie entsteht

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(v1.3*) Ich bin da gerade mit dem einen Beitrag fertig und gemütlich am Aufräumen, da kommt doch so ein netter kleiner Gedanke rein, der mich dazu „zwingt“, wieder einen Beitrag schreiben zu müssen. Zwangsneurose? Niemals… 😀

Bevor man zum Konsumexperten wird, muss man sich erst einmal einem wesentlichen Konditionierungsprozess hingeben, der einem in der Regel „normal“ erscheint. Schließlich schaut man sich um und alle reagieren ja auch so. Ist doch alles in Ordnung, oder?

Mit Zahlen bedrucktem Papier (mZbP) und dem späteren Bedürfnis, ohne es nicht auskommen zu können, geht ein Phänomen voraus, wo man zunächst das mZbP so erhält, also als Geschenk. Irgendwann gibt man es aus und freut sich darüber, was man dafür so alles bekommt, sich kaufen kann. Die einen kaufen sich Frauen, die anderen Männer, man kauft sich ein Haus, man kauft sich die Gewissheit, dass der oder das Gekaufte einem zu gehören scheint.

Da will man also noch mehr davon haben und in der Regel heißt es: „Ja, da musste selbst arbeiten gehen.“ „Dein Vater geht für Dich arbeiten, damit es dir gut geht“, was natürlich nur eine auferlegte Schuld ist – durch einem Menschen, dem man gewöhnlich sehr nahe steht.

Aus dem Geschenk wird damit verbundenem Ausgeben wird irgendwann eine Sucht, der Kipppunkt ist dabei nur als ein sehr kurz wahrgenommener Moment.

Der dabei entstehende Moment des Kippens lässt sich in etwa so beschreiben. Man trinkt mal einen, um sich noch besser zu entspannen, weil der Tag anstrengend war. Irgendwann trinkt man sofort, weil plötzlich ein Problem vorliegt. Das Trinken wird später zum Problem, um damit möglichen Problemen zu begegnen.
Hat man diesen kurzen Moment in sich selbst übersehen, und das geschieht in der Regel bei den meisten Süchtigen, gestaltet sich die Rückkehr der Unbewussten sehr schwierig, weil sie über sich selbst und wie sie konditioniert sind, am wenigsten wissen.

Beim mZbP wirkt das gleiche Prinzip: Durch die eigene, vertraute Umgebung, wird man zum Geld-Junkie gemacht. Die Phänomene des Suchtverhaltens sind die gleichen: „Ich muss arbeiten und Geld verdienen!“, „Ich kann ja nicht anders!“ Irgendwann hält man mZbP in der Hand, und geht eben mal schnell einkaufen, weil man es ja kann.

Der Dealer ist der Mensch in der Rolle als Kaufmann im Unternehmen und die Kaufbefriedigung findet beim Menschen in der Rolle als Kaufmann im Kaufmannsladen statt – nur heißt die Droge „Geld„. Bei Drogen ist es offensichtlich nur sind die Profiteure da weniger bekannt. Gelle?

„Wenn man arbeiten gehen will, geschieht dies in der Regel beim Kaufmann. Wenn man etwas zu essen und zu trinken braucht, geht man zum Kaufmann und wenn man ein Dar-Lehen haben will, um ein Haus zu bauen oder ein Auto zu kaufen, geht man zum Kaufmann.“

„Es ist sinnvoll, wenn sie hier mit ihrer Hausbank zusammenarbeiten.“

Der Glaube an das mZbP und die Aufrechterhaltung durch Notkredite, Zuschüsse, „Helikoptergeld“, soll zwei Dinge gewährleisten, dass der Süchtige weiter an seine Droge glaubt und auch an jene „Herren“, die es ihm wohlwollend überlassen, während er daran erinnert wird, auch seine Treue durch Anerkennung ihres Standes durch Beantragung zu beweisen.

„Mein unbedeutendes Ich verneigt sich vor eurer Herrlichkeit.“ „Ebony Maw zu Thanos“, Avengers: Infinity War, 2018

Neid und Missgunst herrschen dort, wo die Süchtigen gleichzeitig auf leichten Entzug gesetzt sind, und nach allem zu heischen versuchen, was mit dem mZbP in Zusammenhang steht, käuflich erscheint.

„Verdammt! Es gibt kein Scheißpapier mehr! Und die verdammten Nudeln sind auch all!“

Das das „funktioniert“ liegt nur daran, weil der Mensch seinem „Ich“ anerzogen unterworfen ist und sich nur dann zunehmend befreien kann, wenn er erkennt, dass er ein „Ich“ hat und nicht mehr der Selbsttäuschung unterliegt, sein „Ich“ zu sein.

„Es ist leicht, Leute zu belügen, die sich schon selbst belügen.“ „Mysterio“, Spider-Man – Far From Home, 2019

Es wirkt skurril, wenn man ins REWE geht, wo der Kunde plötzlich mit „Euch“ statt mit „Ihnen“ angesprochen wird und die Ansprache seltsam an eine Szene aus „1984“ erinnert, die damit endet: „Gemeinsam sind wir stark.“

„Krieg ist Frieden! Freiheit ist Sklaverei! Unwissenheit ist Stärke!“

P.S. Gemeinsam erscheint nur das „Ich“ stark, was allein schwach ist. Doch was passiert, wenn sich „Schwache“ zusammenfinden?

„Wir stehen alle hinter dir… wenn die Kugeln kommen.“