Die Nummer mit dem Finanzamt

Kennen sie „OCR-B“? Sicher ist ihnen diese nach ISO 1073-2:1976 genormte Monospaced-Schrift bereits des Öfteren begegnet – vor allem dann, wenn sie nette Schreiben vom sogenannten „Finanzamt“ bekommen haben. Es handelt sich bei der OCR-B um eine von Menschen und Maschinen lesebare Schrift, die einst von Adrian Frutiger entworfen wurde und 1968 bei Monotype erschienen ist.

Wir haben uns die Tage einen bundesweiten Spaß erlaubt, die selben Antworten an das „Finanzamt“ in unterschiedlichen „Verpackungen“ an selbige Einrichtung zu versenden. Einmal als Brief in DIN A5 lang, in DIN C5, in DIN C4 und nach zwei Tagen nochmals selbiges Schreiben per Fax. Eines davon als Einschreiben mit Rückschein. Das kann man natürlich auch noch weiter kombinieren, z.B. mit DIN C6, im Softpack, kleines Päckchen oder wer ganz gut drauf ist, als förmliche Zustellung. Die Umschläge sind zudem unterschiedlich farbig.

Das hat folgende Bewandtnis: Die Form ist grundsätzlich unterschiedlich. Jeder Brief muss aufgemacht und gelesen werden, denn schließlich sollen die auch  Finanz-Frischlinge und Althasen gut zu tun haben. Da so manches Finanzamt sich nun noch mehr automatisiert hat, findet sich innerhalb des Umschlages einer solchen Einrichtung gelegentlich folgender Text, zu sehen im Sichtfenster, nach entnommenen Inhalt:

„Wenn Sie von uns am gleichen Tag mehrere Briefpostsendungen erhalten, ist dies eine Folge der automatisierten Datenverarbeitung und der maschinellen Verpackung. Weil das Aussortieren und Verpacken von Hand teurer als das zusätzliche Porto sind, bitten wir Sie um Verständnis.“

Ein prima Zeichen, wenn schon „gespart“ wird.

Diesen Text haben wir natürlich übernommen und entsprechend nach unseren Spaßvorgaben abgeändert.

„Wenn Sie von uns an mehreren Tagen die gleiche Briefpostsendung erhalten, ist dies eine Folge der manuellen Datenverarbeitung und Verpackung. Weil das Eintüten und Verpacken von Hand mehr Spaß macht und das zusätzliche Porto kaum ins Gewicht fällt, bitten wir Sie um Verständnis.“

Das eigentliche Schreiben ist natürlich immer mit OCR-B formatiert, was entsprechend auch Schwierigkeiten beim Lesen bereitet, vor allem dann, wenn man mit Libre-Office arbeitet und die Silbentrennung ausgeschaltet ist. Auf diese Weise ist jeder Wortabstand in jeder Zeile unterschiedlich.

Ebenfalls werden in den Antwortschreiben Terminologien der Einrichtung selbst verwendet und entsprechende Formatierungen von Berechnungsgrundlagen und Zahlenausgaben verwendet. Natürlich in unserem „Rechtverständnis“.

Berechnung der Einkommensteuer
zu versteuern nach Grundtarif festzusetzende Einkommensteuer …………………………………………………………….0,00 €

Berechnung der Kirchensteuer
festzusetzende Einkommensteuer 0,00 € davon 9 v. H. römisch-katholische Kirchensteuer …………………………..0,00 €

Berechnung des Solidaritätszuschlags
festzusetzende Einkommensteuer …………………………0,00 €
Bemessungsgrundlage ………………………………………..0,00 €
Soli-Zuschlag unter Berücksichtigung der Freigrenze ….0,00 €

Steuerbelastung
Steuerbelastung aus zu versteuernden Einkommen …..0,00 €

Natürlich immer „rechtskundlich“ begründet. 😀

Man kann das natürlich bis auf die Spitze treiben und die Tabellen auch noch nachbauen, aber dazu waren wir zu faul.

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