Einmal zurück und dann Anfang

Mögen Sie Geschichte? Ich nicht so. Das liegt daran, dass ich im Auswendiglernen von Namen, Daten und Fakten nie so recht einen Sinn erkannt habe. Es ist sinnvoller, sich erst dann zu informieren, wenn es auch wirklich braucht wird.

So manche interessiert das schon, und nicht selten beginnen sie dann vor allem reichlich und viel davon von sich zu geben. Nachher stelle ich in der Regel die Frage, warum es denn immer wieder zu den gleichen Erscheinungsformen in der Geschichte gekommen ist, was nicht selten ein leeres Gesicht erzeugt.

Die Frage hat ein einziges Ziel: Es geht um die Beziehung des Menschen und der Dokumentation seines bisherigen Handelns – namens Geschichte – und seinen von ihm ignorierten Denk- und Verhaltensweisen, die für die üblichen Erscheinungsformen (Krieg, Macht, Gier, Unterwerfung, Verfolgung, Ausrottung usw.) verantwortlich sind und die der Mensch bis heute nicht wirklich hinterfragt hat.

„Ja, aber wie willst DU das denn DEN ANDEREN beibringen?“

Alleine an dieser mir oft gestellten Frage, kann man den Zustand des Dialogpartners bereits erkennen. Er selbst sieht sich, bereits mit im Boot, während die ANDEREN jetzt noch „überzeugt“ werden müssen. Ist er aber nicht. Es ist im Übrigen eine Fehleinschätzung, denn das ist nichts für DIE ANDEREN.

Ei, der Daus!
Blickt man letzten siebzig bis achtzig Jahre zurück, so hat sich der Deutsche seit der „Hitlerzeit“ kein bisschen verändert, denn er schaut heute immer noch weg fest im Griff der ihn „über den Tisch ziehende“ Betreuer, die er für seine Freunde hält. Und wenn er mal hinschaut, reicht es nur für eine kurze Ablenkung, denn er hat ja keine Zeit, er muss ja arbeiten und Geld verdienen.

„Naja, glücklicherweise ist es nur ein Spiel. Ich glaube, wir brauchen uns keine großen Sorgen zu machen. Eisenhower würde dieses Spiel niemals riskieren. Niemals!“ „General Erich Marcks“, „Der längste Tag“, 1962

„Ich bin sehr froh, dass sie die Szenen gefilmt haben und dass die Welt sie sehen wird. Ich glaube dass ist unsere einzige Chance, dass jemand endlich einschreitet.“
„Ja, und wenn niemand einschreitet, was dann? Dann war es richtig, sie zu zeigen.“
„Wie können sie (die Welt) nicht intervenieren, wenn sie solche Gräueltaten zu sehen kriegen?“
„Wissen Sie, ich schätze, wenn die Menschen die Bilder zu sehen kriegen, werden sie sagen: „Oh mein Gott, wie furchtbar…“ und dann weiter zu Abend essen.“ „Dialog zwischen Paul Rusesabagina und Jack Daglish (Kameramann)“, Hotel Ruanda, 2004

„…und das deutsche Volk fängt an, die furchtbaren Verbrechen zu büßen, die unter der Leitung derer, welche es zur Zeit ihrer Erfolge offen gebilligt hat und denen es blind gehorcht hat, begangen worden.“ Potsdamer Abkommen, III. Deutschland

„Wollt ihr den totalen Krieg?“ Joseph Goebbels, Sportpalast, 18. Februar 1943

„Wie lautet die Deutsche Frage?“ „Was gibt es heute in der Kantine zu essen?“

Das Wesentliche dabei ist, dass sich die Denk- und Verhaltensweisen der Bevölkerung im Kern überhaupt nicht verändert haben.
Die gierigen Gutmenschen brauchen immer noch eine Re-Gierung (die keine Lust mehr hat), während sich die Bevölkerung gegenseitig von ihrer eigenen Entwicklung – heraus aus dem selbstgeschaffenen Dilemma aus Geld und Arbeit – abhält.

„Amerikanischer Großinvestor beruhigt verarmte deutsche Bevölkerung: Es existiert eine wirksame Grundlage für finanzielle Freiheit: Geld.“

„Arbeit. Macht. Frei.“

Mit den üblichen Mittelchen (Kampf, Widerstand, Revolution usw.) ist das natürlich nicht zu bewerkstelligen. Denn gerade die sind dazu gedacht, den Um- und Weiterdenkprozess ja auszuhebeln – selbstwirkende Verdrängungskonzepte. Wie bewegt man eine Geselschaft, die verdrängt (dass sie verdrängt) dazu, ihren „Hintern“ zu bewegen? Hinweis: „Die anderen müssen weg, ist auch nur ein Verdrängungskonzept.“

In den Köpfen herrscht eine anerzogene Verdrehung, während man eben jenen, das Werkzeug zur „Entdrehung“ der Verdrehung nicht beigebracht hat.

„Die Aufhebung der Aufhebung von Besatzungsrecht, ist eine wieder Einsetzung“, was noch ein recht einfaches Beispiel ist.

WTF?
Als das „Potsdamer Abkommen“ 1945 auf den Tisch kam, war die Bevölkerung wohl mehr damit beschäftigt, ihre zerbombten Häuser wieder aufzubauen.
Die „Entnazifizierung“ – allgemein bekannt als „Persil-Schein“ – wird dem „Deutschen Volk“ durch ein Grundgesetz (rechtsphilosophisch!) in Artikel 139 bis heute weiter vorgehalten. Die Entnazifizierung wurde recht schnell von Adenauer „unter den Teppich gekehrt“.

„Auf den Tisch? Unter den Teppich? Da geht‘s ja her, wie bei Hempels unter‘m Sofa!“

Offen gesagt habe ich das GG nach dem Sozialkundeunterricht in ca. 1978 erst wieder in die Hand genommen, als mich in ca. 2008 ein Wirtschaftskriminalist auf Artikel 23 und einem fehlenden Friedensvertrag hingewiesen hat.
Somit bin ich auch für die Situation mitverantwortlich. Das liegt wohl daran, dass ich nie die Rolle des Bundeskanzlers spielen wollte, sondern lieber Cowboy, Astronaut und später dann Betriebsschlosser usw.

Die „Nummer“ mit der Entnazifizierung ist jedoch keineswegs vorbei, sie wurde einfach nur „unter den Teppich gekehrt“ – gleich wie lange die Schlange an der Aldi-Kasse sein mag.

Das alles funktioniert im Übrigen nur mit auf Belohnung wartenden Obrigkeitshörigen, also auch all jene, die auf Aufmerksamkeit bei den Vorgesetzten und Karriere aus sind.

Wenn sich so manche darüber zu „übertakten“ meinen, man habe den Deutschen in den letzten 80 Jahren „umerzogen“, dann irrt er sich gewaltig. Man hat ihn sich einfach nur selbst überlassen, während man Schulter klopfend und bedauernd mitkassierte – auch um zu sehen, wenn er denn endlich mal reagiert und komische Fragen stellt.

„Wir haben gewonnen. Die Menschen interessieren sich nicht mehr für ihre Bürgerrechte, nur noch für ihren Lebensstandard. Die moderne Welt hat Ideen, wie die Freiheit hinter sich gelassen. Es genügt ihnen zu gehorchen.“
„Die Gefahr bleibt bestehen, solange der freie Wille existiert. Jahrhunderte lang haben wir versucht durch Religion, Politik und heute durch Konsumdenken Widerspruch auszulöschen. Hat nicht auch die Wissenschaft eine Chance verdient?“ Dialog aus dem Film „Assassin’s Creed“, 2016

Es reicht auch nicht, im tänzelnden Vertreterschritt wehleidig daherzugaloppieren, um sich – zumindest unter vier Augen – heimlich aufrichtig zu beschweren.
Der Feind ist unerbittlich und gnadenlos. Er stellt was in den Raum und wenn niemand schaut,… dann wird es einfach geklaut.

„Hey, Mann! Die Sache ist doch ernst!“ „Seit wann ist Ernst eine Sache?“

In einem gestrigen Telefonat, kristallisierte sich glücklicherweise heraus, dass die Entwicklung zur Selbstbestimmung in dem Fall einer Funktionserziehung hin zur weitergeführten Fremdbestimmbarkeit vorzuziehen ist – wenn der deutsch sprechende Mensch „auch morgen noch kraftvoll zubeißen“ will.

„Staatliche Selbstverwaltung“ ist um Grunde nur ein anderer Begriff für Selbstbestimmung, das gleiche Prinzip findet sich auch im Prozess der Entnazifizierung wieder – verbunden mit der öffentlichen Aussage: „Ich mache hier nicht mehr mit!“

„Papier ist halt nicht wirklich eine Gefahr für das System, sondern die richtige Haltung, die den Text darauf formulierte.“ „Das klingt hervorragend!“ „Auch muss man bereit sein, alles dafür zu opfern, was einem liebgeworden ist.“ „Äh,… ich hab‘ ganz vergessen, ich muss noch einkaufen. Nächste Woche geht nämlich die Welt unter und wir wollen am Wochenende noch grillen.“

Der Weg in die Selbstbestimmung ist auch kein PDF, was man sich eben mal herunterlädt, durchliest und dann „Bescheid“ weiß oder gar ein Seminar oder ein Schätzchen bei mir bei „Kaffee und Kuchen“.

„Sag‘ Bescheid, wenn du fertig bist.“ „Bescheid!“

Auf dem Weg wird klar, dass der Mensch auch keinem Staat angehört. Staaten sind lediglich Betreuungsanstalten für gewissenlose Unvernünftige und jene, die sich für das Gegenteil halten – und nicht selten auch Betreuer werden wollen. Eben wegen mangelnder Authentizität ist deshalb ja Vor- und Aufsicht geboten.

Damit ist auch klar, wer die Aufgabe „auf dem Tisch“ hat. Die Betreuer werden lediglich auf ihre Art und Weise handeln, jedoch keine offenkundigen Tipps zum Besten abgeben.

Der Weg zur Selbstbestimmung – und wir stehen hier global gesellschaftlich mit dieser Herausforderung am Anfang ist auch kein gegenseitiges aufeinander warten und im Kern auch nur eine mentale Angelegenheit. Denn wie heißt es so schön?

„Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Bedeutungen, die wir den Dinge verleihen.“

Selbstbestimmung hat auch nichts damit zu tun, nur den nächsten Staat „auf oder ausfindig zu machen“ und das war es dann. Aus diesem Grund waren die Konzepte aus der weiten Vergangenheit letztendlich auch nicht weit genug gedacht. Jedoch sind sie prima für den Prozess der Infragestellung geeignet.

Jemand, der zwar will, dass sich etwas ändert, jedoch darauf hofft, selbst nicht betroffen zu sein, macht sich nur selbst etwas vor und wird nichts bewegen – bis er erkennt oder selbstentschlossen die Bühne verlässt.

Die FAZ veröffentlichte unter der Rubrik „Briefe an die Herausgeber“ am 26. August 2013, Ausgabe Nr. 197, Unter dem Titel „Die Folgen der Entnazifizierung“: „Doch haben die Besatzungsmächte treuhänderisch die Aufgabe des handlungsunfähigen Deutschen Reichs wahrgenommen, also ist ihr Handeln dem deutschen Souverän zuzurechnen. Folgerichtig haben die Siegermächte stets betont, die „Befreiung des deutschen Volkes vom Nationalsozialismus und Militarismus“ sei eine rein deutsche Angelegenheit.

Jedoch geht es nicht einfach nur um „Nationalsozialismus und Militarismus“, um anschließend wieder Grenzen zu ziehen und „Fremde“ nach Hause schicken zu können.
Jene sind auch nur hier, weil sie nach den gleichen Mustern (Fremdbestimmungsfähigkeit, Gehorsam, Belohnung, Entsprechung usw.) erzogen wurden, die sich im Äußeren nur unterschiedlich zum Ausdruck bringen.

„Durch eine vorangegangene Bestrafung zieht sich der Mensch von seinem natürlich Entwiclungsprozess zurück. Auf diese Weise herrscht das „Ich“ (Denk- und Verhaltensweisen) über seinen Menschen. so ist er nicht „Herr über sich selbst“ und versucht sich lieber im „Herr über andere“. Es entsteht ein Vorgesetzten/Untergebenen-Verhältnis in der Form der Hierarchie.“

Frieden ist keine papiergebundene Angelegenheit, sondern ein im Menschen sich aus der Entwicklung von Vernunft und Gewissen entfaltendes Phänomen – ebenso wie Freiheit und Gerechtigkeit, die innere Werte sind und sich im Handeln zum Ausdruck bringen.

Der Verdränger mag die Menschenrechte allzu gern (von anderen) einfordern. Selten (und mir ging das am Anfang auch so) hat er weder den ersten Artikel gelesen… noch hat er ihn verstanden. Dieser betrifft den Menschen selbst.

Denn zumindest ist der Mensch in Vernunft und Gewissen begabt – allerdings bewirkt seine gewohnte „Entsprechungserziehung“ nur das Gegenteil.

„Das mit den Fallbeispielen müssen die Franzosen 1789 irgendwie falsch verstanden haben.“ Maximilien de Robespierre, Kassierer bei ALDI

Da ich ab und zu die Diskussion erlebe, dass man ja erst einmal den ersten Schritt gehen müsse, dauert der erste Schritt und damit verbundene Vorstellung genauso lange, wie das zu verstehen, was den Anschein erweckt, jemand habe bereits „1000 Jahre“ vorgedacht.

„Ich habe da mal was vorbereitet.“ Max Inzinger

Dort, wo die tatsächliche Veränderung stattfindet, existieren weder Raum noch Zeit – selbst wenn das schwer verständlich erscheint. Schließlich geht es hier auch nicht darum, nur ein „E“ zu kaufen.

„__T_AZIFIZI_RU_G.“

Es heißt, man solle es so erklären, dass es ein Kind versteht, doch kaum jemand mag sich als Kind sehen. Es nutzt auch nichts, erst den kleinsten gemeinsamen Nenner umzusetzen, damit jeder auch mitreden kann. Da ist das Warten „der anderen“ auf „die anderen“ wiederum klasse.

Haben sie schon mal versucht, ihrem zweijährigen Sohn über die Sinnhaftigkeit einer Privatrente aufzuklären? Der macht das, was er am besten kann: Er „scheißt“ Ihnen was.

Es geht darum, die individuell-gesellschaftliche Entwicklung bei sich selbst wieder in Gang zu setzen. Die Startlöcher sind schon mal gefegt.

Es geht darum die Dinge soweit vorzudenken, dass den anderen einfach nur noch der Mund offensteht, weil sie so etwas noch nicht gehört haben, wofür es auch kein „Negativ-Etikett“ mehr gibt.