Handel – ein reizendes Thema

Schon interessant, wenn man über die Jahre so manches miterlebt, ohne ihm zunächst eine besondere Aufmerksamkeit zu schenken – denn es war ja schon „immer“ so gewesen: die Welt der Kaufleute und des Handels – in einer sehr vereinfachten Darstellung.

Das wird einem dann erst bewusst, wenn man erkennt, dass der Handel sich im Sinne seines Vorteils orientiert, der eine strikt kostengünstige Produktion und Dienstleistung zwingend voraussetzt wie auch einen Bedarf im Markt – mit ihm dazwischen.

Ich erinnere mich an einen Kollegen, der Produkte für 50 Pfennige einkaufte und für fünf Mark verkaufte und dabei von einem „vernünftigen“ Umsatz sprach. Oder so manche Gaststätte, wo der Gewinn bei Getränken bei teilweise 300% lag oder in der Vergangenheit, wenn man für 50 Mark die Stunde für einen Kunden im Auftrag tätig war, dieser dann für 120 Mark dies bei seinem Kunden abrechnete.

Gleiches Phänomen fand ich in der „Indien-Sache“, wo sich zwischen 500 Mio. armen Farmern und 1,3 Mrd. Menschen eine Struktur entwickelt hatte, die sich sowohl bei den Farmern und auf der anderen Seite durch überteuerte Preise für die gelieferten und niedrigqualitativen Produkte beim Endkunden bereicherte. In diesem Zeitraum sollten die Preise für einige Produkte um 10% erhöht werden. Hier in Deutschland wäre so etwas ja nie möglich. Oder doch?

Und immer wieder war eine Hierarchie über den Preis zu erkennen.

In Deutschland hängt der Bauer am Subventionstopf – Geldmittel, die aus Steuern von jenen gewonnen werden, die eigentlich beim Bauern selbst einkaufen könnten. Für ihre Milch erhalten die Bauern kaum etwas und auf der anderen Seite kostet der Liter H-Milch 3,5% mittlerweile 62ct – vorher noch 55ct, was einer 12,7% Preiserhöhung entspricht.  Zwar wird die Teuerungsrate statistisch gerne klein geredet, in der Regel ergibt sich dieser niedrige Wert durch Miteinbeziehung von Produkten, die nicht unbedingt dem gewohnten Verbrauchsvolumen zu unterliegen scheinen.

Das Interessante, was mir bei näheren Gesprächen auffiel war, dass innerhalb der Händlerstruktur mit Margen von 30 bis 50% auf Produkt und Dienstleistung gerechnet wurde, während der Produzent oder Dienstleister ständig gezwungen war, seine Prozesse zu optimieren, seine Mitarbeiter entsprechend abwärts orientiert zu vergüten oder sich im Rahmen mangelnder Lebensqualität bewegte und mit einer kleinen Spanne zu begnügen hatte.

Was sich zwischen Produzenten (Unternehmen zusammenarbeitender Menschen) und mit „Konsument“ titulierten Menschen abspielt, wundert es bei näherer Betrachtung nicht, dass sich auch im Markt wertschöpfungsfreie Strukturen gebildet haben, die sich die hierarchische Ordnung zu nutze machen und auf der anderen Seite sind jene, die ihr Schicksal ungefragt angenommen haben – scheinbar alternativlos. Damit die alte Ordnung auch hier noch den Schein aufrecht erhält, gibt es Produzenten (Erzeuger), die Händler (Vermittler) und die „Verbraucher“.

Im Kern ist jedoch nahezu jeder sowohl Produzent (Geber) wie auch Konsument (Empfänger), denn Energie wird nur transformiert und nicht aus dem Nichts geschaffen und dann ins Nichts verbraucht.

Damit Handel funktioniert, bedarf es einer möglichst großen Durchmischung der Menschen, damit sich zwischen Bedarf (Produzent) und Deckung(Konsument) keine direkt wirksame Verbindung entwickelt. Denn wo Bedarf und Deckung direkt zusammenkommen, bleibt kein Platz für den handelnden Kaufmann. Ab einem solchen Moment beginnt es sich von selbst zu regeln.

Wenn man den gewohnten Handel aus günstigem Einkauf, zu erzielendem Umsatz und damit verbundenem Profit, als künstliche Überlagerung erkennt, der einen natürlichen Fluß von Waren und Dienstleistungen (von Bedarf hin zur Deckung) durch einen künstlichen Engpass verhindert, ist dies nichts anderes, als die berühmte Besetzung einer (Markt)Lücke und damit auch der „Teufel im Detail“. Während mit dem Geld eine weitere Bedingung erfüllt sein muss, die wiederum von anderen Kaufleuten „reguliert“ wird.

Im Weiteren finden sich „staatliche“ – besser: (ver)waltende (und mangels wirksamer Organisation künstlich aufgeblähte) Strukturen, die über Abgaben und Steuern ihre Existenz begründen.

Das bedeutet, dass auf dem Rücken der Wertschöpfer (Produzenten, Dienstleister, Instandhalter usw.) sich reichlich wertschöpfungsfreie Strukturen am Schöpfungsprozess gut tun, ohne selbst darin eine eigene wertschöpfende Handlung zu vollziehen – eher noch durch gewohnte Bevormundung verhindern. Und damit die Masse nun ihre Lebensgrundlagen gewährleisten kann, sieht sie sich gezwungen, über die Ausbeutung der Erde sehenden Auges hinwegzublicken.

In einer E-Mail eines ehemaligen Bundespolizisten an mich: Gysi sagte in Berlin zu A. Clauss: „Herr Clauss, alles auf der Welt wird ökonomisch entschieden!“

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