Konschtruktivischtisches

(v1.1) Kennen Sie das? Sie sitzen zu Hause und langweilen sich. Selbst der Blick aus dem Wohnzimmerfenster in den sonnigen Tag hinein, mag das zähflüssige, tröge und öde Gefühl nicht eindämmen. Oh, wie das einem auf den Wecker gehen kann.

Seien Sie froh, dass Sie wenigstens noch etwas wahrnehmen. Ich sitze hier im Nichts und da ist gar nichts – also so richtig nichts. Eigentlich ist es nur ein fast Nichts, weil da kurz was war.

Selbst das Nichts muss man erst definieren, ungeachtet, dass ich noch nicht einmal von einem Sitzen sprechen kann, weil sitzen wiederum einen Gegenstand benötigt, wo man seinen Hintern drauf wetzen kann, und ich noch nicht einmal einen Hintern habe, mit dem ich mich setzen kann. Nichts ist also alles, wo Nichts ist – oder nur woanders.

„Woanders“ bedeutet in dem Fall: dort, wo man selbst nicht ist. Was wiederum voraussetzt, dass im Nichts so etwa wie Bewegung möglich ist, was wiederum auch so etwas wie ein Vorhandensein von Zeit und Raum erfordert.

Raum existiert, damit man sich morgens im Bad nicht auf den Füßen steht und Zeit, damit man später pünktlich an der Arbeit ist.

Zeit entsteht dann, wenn zwischen dem, was man vorhat und bis es getan ist – also eine Veränderung eintritt – eine Verzögerung auftritt, dass ist die Zeit. Und die kann dauern.

An der Stelle muss ich immer wieder feststellen, dass man echt Gestalter oder Opfer über seine Zeit ist, wenn man die Dinge „richtig“ (schlank) oder „falsch“ (zu kompliziert) organisiert. Aber das sind ja auch nur Lernkonzepte.
Statt „richtig“ oder falsch“ müsste es besser „anders“ heißen, was sich wiederum an etwas orientiert, worüber ich jetzt jedenfalls nicht nachdenken mag.

Davon bin ich aber noch so was von weit entfernt, denn ich muss mich hier noch mit Nichts herumschlagen. Und das ist wirklich kein Zuckerschlecken.

Da kommt mir gerade ein Gedanke. Äh? Woher kam der gerade?

Nichts, was ja eigentlich erst existiert, wenn man alles was es gibt (aber eigentlich noch nicht da ist) sich wegdenkt. Wie schräg ist dass denn? Und was ist überhaupt ‚schräg’?

Der Gedanke ist allerdings interessant. Punkt. Was ist ein Punkt? Und wie kann man einen Punkt machen und dann auch als solchen erkennen? Das Wenigste vom etwas, was sein kann, ist der Punkt, außer halt das Nichts. Und von dem habe ich genug.

Darüber hinaus muss ich mich noch entscheiden, ob so etwas wie ein Punkt, der im Kern nur die Idee eines Punktes darstellt, überhaupt existieren soll. Das wiederum setzt die kleinste Veränderung im Universum voraus, die es gibt, die man „Entscheidung“ nennt. Was jetzt? Jetzt noch nicht, erst später?

Ich bin überfordert und das nervt mich jetzt.

Jetzt ist dabei der Moment, wo das gerade eben schon vorbei ist und was danach kommt – also später – noch nicht eingetroffen ist. Jetzt ist der Moment, wo vorher und nachher einfach weggelassen wird.

Und das mit „vorher“ und „nachher“ funktioniert auch nur, wenn das Wahrgenommene irgendwo speichern kann, um so vergleichen zu können. Das ist Wahrnehmung. Da steckt wiederum auch Zeit drin. Denn bei dem einen oder anderen dauert Wahrnehmen – besser: Erkennen einfach länger – ganz zu schweigen vom Verstehen.

Gut zu wissen, dass man noch alle Zeit in dieser kleinen Welt hat, keine Hetze von Termin zu Termin. Sie kennen das sicher.

Hier bei mir gibt es nur das Nichts und irgendetwas. Zwischen dem was ist und dem wo es hin soll und bis das endlich mal da ist, braucht man Geduld – besser: Gelassenheit.

Ja, Sie haben ja jetzt leicht reden, wenn ich Sie hier im Nichts nur hören könnte, für Sie ist ja schon alles da.

Sie geben der Materie nur eine neue Form und schon hat sich der Fall. Ich sitze hier, noch lange bevor sie gelernt haben daran zu denken, morgen früh pünktlich an die Arbeit zu gehen, während ich hier über einen Punkt nachdenke.

Eigentlich habe ich ja gar keine Zeit und am liebsten würde ich ins Kino gehen oder mir einen Film im Internet anschauen, wenn es das alles schon gäbe. Doch sitze ich hier und denke darüber nach, ob ich mich für einen Punkt entscheide oder auch nicht.

Eigentlich ist es ja kein Punkt, sondern nur die Idee eines Punktes.

Das schlimme an dem Teil ist, wenn ich näher darüber nachdenke, dass der Punkt ja auch keine Ausdehnung hat. Er ist also unendlich klein, dass man ihn wahrscheinlich gar nicht sehen kann.

Und sehen kann ich ja auch noch nichts, weil ich ja auch keinen Körper habe. Eine verzwickte Angelegenheit.

Das Einzige was ging, wenn ich selbst der Punkt wäre, aber das hilft mir jetzt auch nicht wirklich weiter. Es ist auch niemand da außer mir, also kann ich mich nur mit mir selbst beraten. Es ist alles so öde.

Wenn ich im Nichts also etwas schaffen würde, wäre mir echt weitergeholfen. So etwas wie die Idee von Materie. Das wäre ja schon mal was.

Daraus mache ich dann den Punkt. Nee. Das nutzt mir nichts, weil ich den ja gar nicht wahrnehmen kann, da man Materie ja nur wahrnehmen kann, wenn man…tja.

Also muss ich vor dem Punkt noch etwas wie die Idee der Sinnlichkeit entwickeln. Das klingt etwas zweideutig, denn ich bin ja auch noch Single.

Wie gesagt, ich bin ja noch am ersten Punkt. Ob ich vorher noch oder erst den Punkt?

Mache ich zuerst den Punkt, weiß ich nachher nicht, wo ich ihn suchen soll. Verdammt. Also schaffe ich den Punkt in mir zuerst. Wie ich vorher das Nichts auch geschaffen habe, damit ich mich erst einmal mit dem herumschlage. Gestalten ist nicht so einfach, vor allem nicht, wenn keiner da ist, den man eben mal fragen könnte.

Also wenn ich zuerst die Materie schaffe, die letztlich die Idee eines Punktes widerspiegelt, dann muss ich auch gleichzeitig die Idee des Punkt in mir schaffen. Wobei sich die Frage stellt, wo im Nichts innen ist. Ich dreh’ langsam durch.

Es geht doch nur um einen scheiß Punkt. Hier muss man sich ja alles ausdenken.

Wie soll das später erst mal werden?

Und bei allem Nachdenken fällt mir auf, was ist eigentlich „Ich“? Wer bin ich eigentlich? Wer redet hier überhaupt?

Also der Punkt. Geist formt Materie. Oder war es umgekehrt? Oder gar gleichzeitig?

Scheiß drauf! Zack! Punkt. Da isser.

Sieht gut aus. Wirkt ein bisschen langweilig. Zwei Punkte. Mh. Ist auch nicht so der Brenner. Ob die beiden sich schon kennen?

Wassen das jetzt dazwischen? Könnte die Idee einer Linie sein – also eine Anreihung unendlich kleiner Punkte von einem Punkt zum nächsten.
Da die Punkte am Ende voneinander unterscheidbar sind, steckt da auch ordentlich Raum drin. Wirkt jedoch ein bisschen eindimensional. Würde man einen Punkt davon bewegen, würde daraus Zeit entstehen und jedem anderen Punkt, der sich auf der Linie mitbewegt. Zeit, die mir wieder fehlen würde.

Wenn ich also nichts mache, passiert auch nichts, wobei ich dann wieder am Anfang wäre.

Viel spannender ist die Frage: Wer bin ich wirklich?

Wie war das nochmal mit dem Kino?

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