Selbstgerecht? Fremdgerecht?

Gestern schrieb jemand zwei Kommentare, die ich nicht veröffentlicht habe, da sie mehr den Eindruck seines persönlichen Unbehagens zu meinem Beitrag „Über die Wiese schlendernd“ zum Ausdruck brachten, mir eine – sinngemäß – „einseitige Sichtweise“ verbunden mit der Ansicht, dass ich selbstgerecht sei.

Ich muss zugeben, ich habe die Kommentare nur grob erfasst, da jener in der Vorstellung war, mir von vorne herein sowieso eine Zensur unterstellen zu wollen. Es wäre sicher einfacher, dass ein eigener Blog mit einer öffentlichen Meinung eine Zensur nicht ermöglicht – so mit Gesicht und echtem Namen.

Die Verwendung des Begriffes „selbstgerecht“ wird im Alten gern auch dazu verwendet, um ihn zur Manipulation und Zurrechtweisung verwenden zu wollen, um zum Ausdruck zu bringen, dass der „Selbstgerechte“ nie über die Kritik seines eigenen Verhaltens nachdenkt.
Das lässt natürlich den Umkehrschluss zu, dass meine Formulierungen „fremdgerecht“ zu sein haben, was natürlich Unfug ist, da es für mich selbst nicht authentisch ist.

Was und wie andere darüber denken, wie ich in ihren Augen wirke, stelle ich als offene Frage in den Raum.

An dieser Stelle ein Gedanke, dass es bei allem, was auf den Tisch kommt, es mir schon lange nicht darum geht, nur wieder andere Schuldige oder Verursacher betiteln zu wollen, da es im Ganzen um weitaus mehr geht, als sich nur gewohnt in der Problembetrachtung, üblicher Recht(s)fertigung und Verteidigung bewegen zu wollen.

Ein Thema ist solange von Bedeutung, bis man durch die Infragestellung das Prinzip und den eigentlichen Sinn seiner Existenz erkannt hat, dann verliert es automatisch an Bedeutung, siehe Recht, Geschichte, Politik, Geldsystem, Konventionen, Verhalten, Konventionen, Ideologien, Staat, Bildung und was sich daraus ableitet usw. Die Infragestellung geht über das gewohnte „ich bin mal dagegen“ oder „…muss weg!“ hinaus.

Widerstand allein ist nur der erste Schritt, bis man erkennt, dass Weiterdenken Sinn macht, weil der Widerstand nur zum inneren Stillstand und zu keiner Lösung führt: Kopfknast, „Ende Gelände“, „Gehen Sie zurück auf Los“. Nicht selten wird jedoch nur aufgegeben. Aufgeben ist ein in sich selbst Aufgeben. Auch hier gibt es keine anderen, die „Schuld“ daran sind.

Gewalt ist dabei nur das Werkzeug der Unwissenden – nicht selten bezeichnet auch als Ungläubige.
Der Unglaube hat nichts mit Religion zu tun, sondern findet bereits an jenem Punkt statt, wenn man das Gehörte nicht glaubt wird, weil es einfach unglaublich klingt. Das ist jedoch die Aufgabe des Einzelnen selbst, den eigenen Unglauben zu beseitigen – vereinfacht ausgedrückt.

Auf der anderen Seite wirkt natürlich auch die Täuschung, die sich bewusst der Lüge bedient, um so den Attackierten zu einem Prozess, hin zur Infragestellung der Ursache der Existenz der Lüge zu bewegen. Danke, liebe „Lügenpresse“.

Mit einem einfachen: „Ich bin dagegen“ oder „die anderen sind Schuld“ ist es natürlich nicht getan, weil es nur das übliche Verhalten ist, was zur Erhaltung des Systems dienlich ist. Man sieht, dass nicht weit genug gedacht, einen selbst in der Soße der Selbstbeschäftigung verweilen lässt.

Warum ich das alles gelegentlich wiederhole?

Weil die Argumente, die zur Veränderung führen, ebenfalls wiederholt werden müssen, wie dies gewohnt zur Erhaltung des Systems ebenfalls geschieht.

Die Fragen die sich mir gerade dabei stellen: Was wollen Sie, lieber Leser? Und was sind Sie selbst(!) bereit dafür zu tun?

Das erinnert mich spontan an eine Umfrage aus 2009, als ich über 620 Persönlichkeiten und Institutionen anschrieb, die alle Änderungen forderten und als sich davon fünf gemeldet haben, reagierten jene auf diese Fragen mit stiller Abwesenheit.

Willensbekundungen und Absichtserklärungen allein reichen also nicht aus. Ebenso wenig, wenn es sich um waghalsige Aktionen handeln sollte, die unbedingt irgendwo getan werden müssen, während im nahen Umfeld kollektive Betriebsblindheit herrscht. Widerstand reicht – wie gesagt – ebenfalls nicht aus, ist es in der Regel nur eine Trotzreaktion. Und Schuldzuweisung ist lediglich der Prozess der Verdrängung.

Prinzipiell ist mit der Feststellung eines Problems und seiner Bekämpfung, der Denkprozess nicht abgeschlossen, da es sich nur um ein Symptom(!) des Systems handelt. Also gilt es das System in Frage zu stellen und nicht seine „scheinbaren Verfechter“, die von ihren „scheinbaren Gegnern“ erkannt sein wollen.

Infragestellung, Um- und Weiterdenken sind der einzige Ausweg – über das Gewohnte hinaus!

Gestern habe ich Horst Mahler’s einstündiges Video vom 09.01.2017 gesehen. Es wird vom Esau-Segen gesprochen und von einer im Kern rein geistigen Aufgabe (die sichtlich den Deutschen zufällt), jedoch verfällt man irgendwann gewohnt wieder in die Konditionierung des Kampfes, der Rechtfertigung und der Notwendigkeit der Überzeugung anderer. Mit dem Titel: „Die anderen sind die Lügner“ oder: „Der Rest ist auch gelogen“, ist es halt auch nicht getan.

Der Feind ist – vereinfacht gesagt – nicht der Feind. Sondern es geht um eine besondere und vor allem geistige Herausforderung für die Deutschen. Das ist doch mal was.

Jene „anderen“ sind auch nur in der Lage in Jahrtausenden zu denken, weil die Menschen die sie beobachten, seit Jahrtausenden nahezu unverändert in ihrer Grundkonditionierung ihrer Denk- und Verhaltensmuster wie offene Scheunentore zugänglich sind.
Die Inhaber dieser Scheunentore, wollen das selbst (noch) nicht erkennen – weil sie weiter in ihrem sich selbst verdrängenden Modus belohnt „funktionieren“, brav und systemgerecht bleiben wollen.

Die Kernfrage lautet, durch was bringt sich das dahinterliegende System zur Welt, welchen Sinn hat es und was ist die damit verbundene Aufgabe?

Dass es sich aus den konditionierten Denk- und Verhaltensmustern der Mehrheit heraus ergibt, führt dies stets auf den Einzelnen, der seine Muster nicht betrachtet zurück.

Wenn man das erkannt hat, versteht man, warum die einen das „auserwählte Volk“ sind, die Deutschen in den Hintern zu treten, damit die ihr verstaubtes Denkstübchen mal wieder in Bewegung setzen, statt sich lediglich mit vordringlichen Problembetrachtungen, Besitzstandssicherungen auf den „berühmten Stammtischtreffen anonymer Reichsbürger“ zu beschäftigen.

Eines ist dabei sicher: Der Deutsche kennt seine eigenen Denk- und Verhaltensmuster nicht, die ihn manipulierfähig sein lassen und so wird er natürlich zum willigen Werkzeug und Gespött von jenen, die die Aufgabe haben, ihm diesen Zustand grundsätzlich erst mal „unter die Nase zu reiben“.

Dazu braucht man auch nicht, wie der Kommentator schrieb, eine „Affinität für Juden“ zu haben, da bedarf es lediglich, sich des eigenen Verstandes zu bemächtigen und das System vom Prinzip her in  Frage zu stellen, statt sich die Denkarbeit zu sparen und einfach ein paar Schuldige mit den üblichen „Rechtfertigungsargumenten“ zu suchen.

Als ich das erste Mal den zweiten Namen von Sigmund Freud las, wurde mir dadurch bestätigt, dass die Sache im Kopf abgeht. Er heißt nämlich „Schlomo“.

Allen einen schönen Donnerstag.

P.S. Es geht konkret um Bewusstwerdung und nicht um Beibehaltung der gewohnt belohnten Bewusstlosigkeit. Der Deutsche hat es selbst in der Hand.

2 Comments on Selbstgerecht? Fremdgerecht?

  1. Widerstand allein ist nur der erste Schritt, bis man erkennt, dass Weiterdenken Sinn macht, weil der Widerstand nur zum inneren Stillstand und zu keiner Lösung führt: Kopfknast, „Ende Gelände“, „Gehen Sie zurück auf Los“.

    Alles richtig! Aber wie geht man auf „LOS“ zurück, wenn man auf einem Abstellgleis, im Kopf, steht? Der Zug ruckt immer an und bekommt keine Fahrt! Weißt Du wie beschissen das ist. Dazu das Umfeld, das nur meckert ohne sich zu rühren, das ist beschämend! Sie warten nur darauf, das der Zug Fahrt bekommt um aufzuspringen.

    Alexander, es war angenehm diesen Block zu lesen. Ich wünsche Dir alles GUTE.

    • Guten Morgen, lieber Manfred. Wenn „der Zug ruckt“, jedoch keine Fahrt bekommt, macht es zunächst Sinn, sich selbst keinen Druck zu machen oder Erwartungen zu haben. „Eine Pflanze wächst nicht schneller, wenn man dran zieht.“ Es macht Sinn mal zu schauen, welche Inhalte denn diese „Erwartungen“ haben und wer sie erzeugt (in der Regel nur man selbst).
      Was das Umfeld (Wer auch immer gemeint ist) macht oder meint machen zu müssen, ist ein Nebenschauplatz und wäre nur wieder Schuldverschiebung. Das Prinzip der Verdrängung, ist in vielen Handlungen mit eingebaut, ohne dass man es in der Regel erkennt. Man meide zunehmend Schuldzuweisung oder was andere zu tun hätten usw.

      Jammern, Klagen, Meckern, Wimmern und Greinen sind lediglich Selbsthaltestrategien und Scheinbewegungen.

      Nicht jedes dargebotene Problem ist eines, was man zu lösen hat. Darauf zu reagieren ist Selbstablenkung, Verdrängung und Beschäftigung. Es geht um die Arbeit an sich selbst in der eigenen Bewusstwerdung. Jegliches Verdrängungskonzept ist eine Form der Selbstentmachtung. Das Prinzip in sich selbst zu erkennen, ist bereits Zugfahrt genug.

      Der Zug, worum es geht, ist Bewusstwerdung, die müssen die schon selbst bei sich aufspringen, da kann man nicht einfach „mitjuckeln“, ohne an sich selbst zu arbeiten. Im Kern ist es jeden seine eigene Aufgabe. „Gehen Sie zurück auf Los“, ist ja ein Zurückgehen… also vorwärts. Eines noch. Am Anfang, wenn man sich bewusst für seinen Weg entscheidet – denn darum geht es – sind die Erkenntnisse nicht immer sofort bemerkbar.

      Wenn man Widerstand empfindet, hilft es den Sachverhalt erst einmal zu nehmen, wie er ist. Dabei half mir, das zu mir selbst laut zu sagen. Denn es handelt sich ja um eine Konditionierung, die man auch selbst umkonditionieren kann. Denn im Kern sind die Dinge so, wie sie sind. Und nicht wie wir sie gerne haben möchten (Gut) oder nicht haben möchten (Widerstand, negativ, Gegenwehr).

      Mit der Beschäftigung mit Themen (allgemein ausgedrückt) reciht es nicht, es nur zu lesen und im Verstand abzulegen. Denn es ist dann (langsam) wirksam, wenn man es wie Wasser trinkt, ohne die Moleküle einzeln kennen und begutachten zu wollen.

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