Das Ende – oder: Was auf der Strecke bleibt, Teil 10: Das Opfer

Kaum jemand macht sich Gedanken darum, dass das System (in dem erlebt und mit dessen sicht- und spürbaren Symptomen er sich in der Regel auseinandersetzt oder medial vorgesetzt bekommt), die zentrale Aufgabe hat durch die gewohnte „Erziehung“ nur obrigkeitshörige Opfer in die Welt zu setzen, denen man erlaubt sich nicht als solche zu sehen.

Doch wer will schon ein Opfer sein? Niemand.

Wer die Beiträge der letzten Wochen gelesen hat, wird erkennen, dass dies auch nur eine anerzogene Rolle ist, für die man – wenn man brav und artig ist – belohnt wird. Und zwar von jenen Betreuern, die darüber befinden, was für einen „Gut und Richtig“ sein soll.

Wer schon mal Erfahrungen gemacht hat, etwas gegen eine Autorität unternehmen zu wollen, wird recht schnell erfahren, wo sie ihre Macht zur Schau stellt, u. a. indem sie einen strengen Blick auf Geld, Eigentum, Besitz, Hab und Gut des „Delinquenten“ wirft und/oder ihn „gerecht“ bestraft.

„Einen bestrafen und viele erziehen funktioniert nur, weil die Masse gleichgeschaltet ist.“

An diesem Punkt ist jeder, der tatsächlich daran glaubt, dass ihm etwas oder jemand gehört, Teil der kollektiv vereinbarten Betreuung. Das Liebgewonnene wird so zum Werkzeug der Fremdbestimmung.
Da der Entwicklungsprozess des Einzelnen damit beeinflusst, gesteuert werden kann. Und so wird aus der Betreuung eine Beherrschung.

„Du bist solange gut, solange mir das gefällt.“

„Der Mensch macht sich durch Verschiebung der Verantwortung selbst zum Sklaven und schafft sich so seine Herren, die ihm sagen, was er zu tun hat.“

Die Lösung liegt nicht darin, nun die garstigen Herrscher zu beseitigen und gegen gewogene auszutauschen.
Die Aufgabe besteht darin, die eigenen Verhalten zu hinterfragen, die eine „Steuerung“ überhaupt erst ermöglichen.

Das ist der einzige sinnvolle Weg aus der alten Ordnung.

Wer nun der Meinung ist, dass „wir“ und bereit in der neuen Ordnung bewegen, den kann ich hier beunruhigen, weil dass was jener gewohnt(!) wahrnimmt, ist lediglich die ausklingende und sich dabei zuspitzende alte Ordnung.

Die „Neue Ordnung“ funktioniert nach gänzlich anderen und nicht nach den gewohnten Prinzipien.

Wer Probleme mit der Vernunft und dem Gewissen anderer hat, mag sich mit diesem Gedanken auseinandersetzen: „Vernunft ist der intuitiv getriggerte Prozess zwischen bedingunglosem Geben und bedingungslosem Empfangen. Sie ist der Hort der Gerechtigkeit, des Friedens und der Freiheit. Gewissen ist jene Eigenschaft zu spüren, was rechtens ist.“

In dem Zusammenhang mag er sich mit dem Gedanken des Nehmens und des Kaufens auseinandersetzen.

Und genau diese Prinzipien stellen für diejenigen, die das erste Mal davon hören, ein „Problem“ dar, da diese für sie gleichzeitig eine fundamentale Veränderung ihrer Gewohnheiten bedeutet.

Im Grunde genommen steht die globale Gesellschaft mehr oder weniger bewusst diesem grundsätzlichen Wandel gegenüber, wobei sich die Mehrheit weiter nach dem gewohnten Komfortsofa sehnt, während so mancher Betreuer hofft oder alles unternimmt, um seine betreuten Schäfchen weiter betreuen zu können.

Ein Tipp für so manchen Beitragschreiber, der die Obdachlosen einer „unmenschlichen Politik“ anzulasten versucht: Es findet sich immer ein Platz, wo man einen Menschen bei sich unterbringen kann.

Die wesentliche Frage lautet demnach, ob man klagendes Opfer oder Gestalter ist. Dabei bleibt die Hinterfragung der eigenen Denk- und Verhaltensmuster oberste Priorität, denn diese beeinflussen Fühlen, Denken und Handeln.

Das Opfer bringt sich durch Klagen (kollektiv nennt sich das „demonstrieren“), Jammern und sich beschweren &c. zum Ausdruck.
Dies alles sind Scheinhandlungen ohne wirklich etwas zu verändern, weil sie nur Ventilfunktionen für das selbst geschaffene Leid sind. Zeit, diese Rolle zu verlassen.

Wer also noch der Meinung ist, andere müssten erst mal weg, der agiert fleißig nach den Prinzipien der alten Ordnung, die sich bereits selbst abschafft.

Wer mit einer solchen Einstellung auf den richtigen Moment wartet, wird vergeblich warten – um mit irgendetwas oder einer möglichst großen Menge davon Erfolg zu haben.
Nicht zu vergessen, dass das System nicht etwas ist, was im Außen zu ändern ist, sondern es die eigenen Denk- und Verhaltensmuster sind.

Wer bestrafen will, andere hasst, meint kämpfen zu müssen, wer Rache und Vergeltung mit sich herumträgt, wer andere weg haben will, weil er sie als „Feinde“ sieht, wer Angst hat, die anderen wollen ihm etwas „Böses“, während er sich für „unschuldig“ hält, der tut gut daran diese Opferverhalten abzulegen.

Hinweisend, dass die Mehrheit der vom und für Menschen geschaffene Kategorien, ein Fiktion sind und der Trennung und Abkehr vom Leben selbst dienen.

Solange also an den gewohnten Denk- und Verhaltensmustern festgehalten wird, braucht man sich keine Mühe zu machen, irgendetwas ausdenken zu wollen, denn es führt zu nichts mehr – außer der Erkenntnis, wie es nicht funktioniert.

Diese Erkenntnis mag jeder gerne für sich machen, wollen. Ich selbst habe mir die vielen Erfahrungen aus Dialogen und Erkenntnissen unter dem Aspekt der eigene Entwicklung dazu genutzt, um zwischen Informationen die ins Alte verweisen (unter anderem die fortlaufende Problemorientierung und Aufzählung von Feindbildern) und welche „Puzzleteile“ aus der Nummer herausführen. Und die sind alle unter diesem Wust von Informationen zu finden.

Die wesentliche Entscheidung, die der Mensch mit sich selbst und vor allem ehrlich zu sich selbst zu beantworten hat, ob er sich zu entwickeln bereit ist und welchen Preis er dafür zu zahlen bereit ist. Hinweisend, dass nur innerhalb der alten Ordnung Geld, Eigentum, Besitz, Hab und Gut eine Bedeutung haben.

Ein „so tun als ob“, die Diskussion über die verdrehten Vorstellungen von Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit oder wer mal wieder das immer kleiner werdende Komfortsofa gefährdet sieht, tut gut daran, diese Verhalten abzulegen.

„Würden Sie ein Oper bringen?“ „Ja, meinen Nachbarn.“ „Nein. Ich meinte: Würde Sie selbst ein Opfer bringen?“ „Ja, meinen Nachbarn. Sagen Sie mir nur wohin ich ihn bringen soll.“

Der ganze Sermon ist nur dazu gedacht ist, sich als Einzelner selbst entschieden über sich hinaus zu entwickeln und die gezeigten „Probleme“ (Symptome/Phänomene) als Herausforderungen(!) zu sehen, die Zusammenhänge zu erkennen und damit verbundene Ursachen zu regeln.

Ursachen, die in der Regel bei den gewohnten Denk- und Verhaltensmuster zu finden sind, die jenes System verkörpern, mit dessen sicht- und spürbaren Auswirkungen sich die Mehrheit im Außen nicht selten kämpferisch auseinandersetzt.
An dieser Stelle die Empfehlung, die eigene Entwicklung als Herausforderung zu betrachten, statt als notwendiges Übel. Hinweisend, dass ein „so tun, als ob“ nicht der Schlüssel aus der „Nummer“ ist und nur nach hinten losgeht.

Im Alten führt das Prinzip (geschürt von der Unvernunft) „vom mehr des Selben“ zum Zusammenbrauch, den wohl so mancher lieber den Vorzug gibt, als sich entwickeln zu wollen. Die anerzogene Verdrängung sorgt dafür, dass sich die Forderung, dass sich etwas ändern muss, so in die Länge gezogen wird, während gehofft wird, selbst nicht von der Veränderung betroffen zu sein – also ein „so tun, als ob“.

Wie des Öfteren geschrieben: Während das, was gerne als „Eliten“ beschrieben wird, weiß wie die Masse funktioniert, will die Masse selbst nicht wissen, wie sie funktioniert. (Dabei lässt man sie im Glauben, schlau genug zu sein.)

Erfahrungen in Dialogen haben gezeigt, in dem Moment, wenn die Veränderung den angesprochenen Einzelnen betrifft, verfällt er in der Regel in ein als „normal“ angesehenes Verdrängen.

„Wie willst du das denn den anderen beibringen?“

Ich kann es nicht oft genug wiederholen: Kampf, Widerstand, Flucht, Ignorieren, Ab- und Ausgrenzen, „Unglaube“, Beratungsresistenz &c., sind lediglich Verdrängungskonzepte. All diese werden dann mit einer vorgeschobenen Feindbildprojektion (also der Akt, dass das Gegenüber als „Feind“ gesehen wird) gerechtfertigt.

Auf diese Weise entsteht ein realer „Feind“, der Täter und damit auch das Opfer. Da keiner das Opfer sein will, kommt es zum Kampf. Derjenige der überlebt, hat nicht gewonnen. Er hat sich lediglich gegen das Leben vergangen – wie auch das Opfer, was sich mit seinem Verhalten gegen das Leben vergangen hat.

Täter und Opfer sind zwei Rollen in eines in innerer Trennung „dahinlebenden“ Menschen.

Die alte Ordnung in Frage zu stellen, ist zunächst eine rein mentale Angelegenheit, denn das System ist ein Regelwerk aus anerzogenen (konditionierten) und gesellschaftlich vereinbarten, mentalen Programmen, mit denen der Einzelne herumläuft, die sein Fühlen, Denken und Handeln und die Art, wie er Dinge und Sachverhalte bewertet beeinflussen. Ohne diese zu hinterfragen, kann man sich den Gedanken an Lösungen erst mal ersparen.

Erkannt, wo die wesentliche Aufgabe liegt? Jedenfalls nicht, dass die anderen erst weg müssen, denn die „funktionieren“ genauso verdreht. Alle sind hier solange Opfer und Täter gleichzeitig, solange die Opferrolle nicht selbst erkannt und in Frage gestellt wurde.

P.S. Wissen Sie, warum diese Gedanken gerne heruntergespielt werden,weil sie jeden direkt und selbst betreffen. Auch das ist eine Form der Verdrängung.

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