Kommentar: Starre Hierarchien

Die Form der Hierarchie beruht auf einem konditionierten Verhaltensmuster, was sich weit in der Vergangenheit bis zum heutigen Tage durchzieht. Es ist ein Vertrag, der zwischen Mutter und Kind entsteht, der da heißt: „Du bist nur dann ‚gut’, wenn du so bist, wie ich mir das vorstelle.“

Das ist das Wesen der Macht – der Urmechanismus für zukünftiges Belohnen und Bestrafen ist damit implementiert. Ein Mensch erhebt sich über einen anderen.

Aus dieser Beziehung heraus erwächst ein junger Mensch, der sich den Vorstellungen anderer anpasst. Und um fortan „dabei sein“ zu können, gibt er die Verantwortung an andere ab, damit diese darüber entscheiden, was für einen „gut und richtig“ sein soll.

Damit einhergehend: ein unausgereift konditionierter Umgang mit der Vernunft. Vernunft ist der intuitiv getriggerte Prozess zwischen Geben und Empfangen. Empfangen ist in seiner maximalen Auswirkung das, was wir Krieg nennen.

Wahrgenommene Unvernunft bringt Misstrauen und damit verbundene Kontrolle und Vorgesetzte (Macht- und Führungsebenen in jeglicher Form) auf den Plan. Misstrauen ist jedoch nur ein nach außen projiziertes, eigenes mangelndes Selbstvertrauen – erstanden aus selbigem Vertrag.

Aus dem obengenannten Vertrag ergibt sich ein weiteres gesellschaftliches Verhalten: Projektion statt Selbstreflektion und damit die Suche nach Schuldigen und Verursachern und dem gewohntem Tamtam – u. a. der Krieg, um durch fremde Wertschöpfung und Ressourcen heimische Strukturen am Laufen halten zu wollen.

Mit der Abgabe der Verantwortung kommt darüber hinaus zum Tragen: Der Mensch gibt seinen eigenen, natürlichen Lernprozess auf und unterwirft sich dem artgerechten (siehe Vertrag) Lernen – der Hierarchie – mit fatalen Folgen.

Soviel kompakt zu Konditionierungen, Gewohnheiten, Konventionen und Ursachen der Hierarchie.

Die Auswirkungen dieser Konditionierungen bleiben auf jegliche Organisationsstrukturen und Ausbildungsformen nicht unbemerkt. Denn das projizierte Misstrauen führt zu einer sich weiter unterteilenden Weltvorstellung einzelner Dinge und Teile und der vereinbarten Vorstellung unabhängig voneinander existierender und wirkender Probleme.
Und der Mensch lernte (kollektiv vereinbart), Probleme dort lösen zu wollen, wo sie sicht- und spürbar in Erscheinung treten.

Wahrgenommene Probleme sind jedoch nur Symptome und aus Mangel an Wissen über Zusammenhänge und Wechselwirkungen, führt die Behandlung zu mehr und mehr organisatorischer Komplexität, in der sich der Mensch zunehmend selbst versklavt und ausbeutet – ein Phänomen ist bspw. das Burnout.

Man sieht also, dass es wenig nutzt, Burnout symptomhaft behandeln zu wollen, wenn die Organisation unzeitgemäß gestaltet ist.

Und dies mit nur einem Ausgang – Umdenken ist also angesagt.

Wer sich also dazu entschließt die Kurve bekommen zu wollen, mag sich mit nachfolgender Aussage beschäftigen:

„Ein Unternehmen ist ein offenes, dynamisch vernetztes Beziehungsmuster aus wechselseitigen Abhängigkeiten, kybernetischen, symbiotischen, synergetischen, energetischen und kausalen Wirkmechanismen.“

Der Unterschied zwischen hierarchischen und nicht-hierarchischen Organisationen beruht auf dem Vorhandensein von Selbstregelmechanismen, statt der üblichen Macht- und Führungsebenen – vereinfacht ausgedrückt.

Eine ins Auge gefasste Neuorientierung berührt in der Regel nachfolgende Ebenen eines Unternehmens: die Funktions-, die Informations- und Kommunikations- sowie die wertschöpfende Prozessebene.

Insgesamt sprechen wir von einer ökonomisch-ökologisch-gesellschaftlichen Systemthematik:

„Die Gesellschaft gewährleistet durch arbeitsteilige Wertschöpfung (Ökonomie) ihre Lebensgrundlagen, durch (normalerweise*) sinn- und vernunftvollen (ökologisch) Umgang mit den natürlichen Ressourcen (Natur).“

Wie man sieht, es gibt Lösungswege – wenn man sich dazu entscheidet.

Ausgangsartikel auf www.haufe.de: Organisationsentwicklung – Mittelständler halten an starren Hierarchien fest

* Durch die Aufrechterhaltung der Hierarchie entartet die „Sinnhaftigkeit“ zur Absurdität über die Zeit.