Problemwälzen gefällig?

Vor geraumer Zeit telefonierte ich mit einer Frau, die sich nicht nur für das Neue interessiert, sondern es auch erkennt und seine Bedeutung anzuwenden weiß. Bei sich fiel ihr jedoch auf, dass sie sich in der Kommunikation mit anderen vordringlich wieder in der Betrachtung und Kommunikation von Problemen (im Außen) bewegt.

Woher kommt dieses Verhalten?

Die Ursache findet sich zum einen in der (Selbst)Konditionierung der bedingten Zugehörigkeit in eine Gruppe oder Gemeinschaft. Zeitlich findet es seine Wurzeln und Implementierung in der Kindheit bei der Definition familärer Beziehungen und Ordnungen (Hierarchie). Denn solange man, wie alle anderen „Probleme“ postet, solange erhält man auch die notwendige Aufmerksamkeit – man gehört dazu. Ansonsten erfolgt die Bestrafung durch Liebesentzug.

„Das Schaf gehört zur Schafherde, wenn es sich wie ein Schaf verhält.“

Verbunden damit, das kindheitliche, (selbst)konditionierte Verhalten für das Aussprechen systemfremder (also Lösungsschritte oder gar Lösungsmuster) nicht bestraft zu werden. Denn bei der Gewohnheit mag alles gern beim Alten bleiben.

„Wohnhaft beginnt im Kopf.“

In einem System, dessen Unzulänglichkeiten ebenfalls expontiell zunehmen, liegen Lösungsmuster jedoch stets außerhalb der Konventionen, familärer, gemeinschaftlicher, gesellschaftlicher und – in unserem globalen Fall sogar – zivilisatorischer Vorstellungen.

Hinzukommt, dass wir es auf einer überlagernden Ebene mit dem Prinzip der Resonanz zu tun haben: Gleiche Konditionierungen ziehen sich an. Das ist die eigentliche „Gleichschaltung der Massen“.
Verhalten werden zudem selten hinterfragt, man reagiert „gewohnt“ – mechanisch. Gebahnte Verhaltensmuster haben nicht selten ihre Besitzer hervorragend im Griff.

Nun steht man aber vor dem Problem, diese Konventionen überwinden zu müssen, was zwangsläufig zur Folge hat, dass man Ignoranz, Ablehnung, Bedrohung, Ausgrenzung und Stigmatisierung ausgesetzt ist. (Interessant ist, wenn die Ausgegrenzten andere stigmatisieren. Dann ist klar, dass nicht weit genug gedacht wurde.) Es scheint also ein ganz normaler Ablauf zu sein. Mit dem Internet gehört der Scheiterhaufen zur Vergangenheit. Ohne das Internet, hätten wir bereits einen gesellschaftlichen Aufstand der Gewalt der Unwissenden.

Denn das ganze beruht auf der irrigen Vorstellung, dass man Liebe und Aufmerksamkeit von anderen benötigt. Das ist die eigentliche, gesellschaftliche Selbsthaltung.

In dem Moment, wenn man sich von der Problembeschäftigung abzukoppeln beginnt, weil man erkennt, es zu nichts mehr führt, beginnt der Abnabelungsprozess und damit oben genannte Gruppenverhalten.

Doch ist dieser Abnabelungsprozess notwendig, denn erst durch das öffentliche Bekenntnis positioniert man sich gegenüber der Gemeinschaft bisheriger Denk- und Verhaltensmuster. Das ist der eigentliche Wandel des Einzeln im Ganzen.

„Ihr U-Boote, ahoi.“

An dieser Stelle mag ich darauf hinweisen, dass es keine Standardlösung gibt, die man schnell mal schnell kopieren kann, um sich aus der gegebenen Situation herauszuwinden – möglichst so, dass man alles beim Alten hält, während sich alles zugleich verändert. Das ist lediglich eine Selbstillusionierung.

„Frau Meier? Drei Musterschreiben zur Souveränität bitte ans Finanzamt schicken, danke.“

Ich selbst schreibe jene Sachverhalte auf, die mir in meiner Beobachtung aufallen, damit sich der Einzelne für sich Gedanken machen mag.

Diese Gedanken sind dazu ausgelegt, sich in die Selbstreflektion und Beobachtung zu begeben, die bisher durch eine Projektion (Schuldzuweisung und Polarisierung) konditioniert erfahren und angewandt wurde.

Am besten geht dies, wenn man das Aktuelle (auf Konventionen und Verhaltensmuster hin) beobachtet es mit seinen Erinnerungen und Erfahrungen vergleicht, um eine Ähnlichkeit, ein Muster durch Überlagerung erkennen zu können. Langsam wird mir klar, dass „Mengenlehre“ und „Bool’sche Algebra“ ein Werkzeug sind, um so Veränderungen in komplexen Situationen wahrnehmen zu können.

Erinnerungen und Erfahrungen sind demnach dazu gedacht, um unseren eigenen Wandelprozess bewusst erfahren zu können. Sie sind nicht dazu gedacht, dass wir uns daran festklammern, um das Erfahrene mit allen Mitteln beibehalten zu wollen.

Wer sich ausschließlich auf Recht und Gesetz, Hab und Gut und dessen Anwendung und Verteidigung beruft, bewegt sich gewohnt innerhalb künstlicher Prinzipien und Konventionen. Aus denen er sich nur herauslösen kann, wenn er erkennt, dass das System und seine Mechanismen dazu gedacht ist, die Verantwortung durch den Einzelnen verhindern zu wollen.

Dies zu überwinden, ist die eigentliche Aufgabe, um die nächste „Level“ zu erreichen und danach geht es weiter.

Die Besetzung, die wir erfahren ist ebenfalls eine symbolische, als Hinweis damit wir uns selbst befreien. Selbst ist der Einzelne. Und dies geschieht nicht durch „Verdammung der Besetzer“ und ihrer „Handlanger“.