Schaffen wir uns einen Buhmann

Am leichtesten ist ein Problem zu lösen, wenn man dazu gleich den passenden Verursacher ausmachen und benennen kann: „Die haben Schuld, jene haben Schuld.“
So strickt sich der gewohnte Denker sein einfaches Weltbild, um seinen eigenen geistigen Vorgarten „sauber halten“ zu wollen.

Eine so entstehende Liste der Beschuldigten ist letztlich so lang, dass sich irgendwann der Unschuldige selbst in einem stillen Eintrag empört wiederfindet.
Dabei ist es vollkommen gleich, in welcher Wissensdisziplin dies stattfindet. Letztlich sind alle Schuld, was wiederum bedeutet, dass niemand Schuld ist.

„Alles kehrt zu einem zurück: Man erntet, was man sät.“

Wenn man „Schuld“ mit „Aufgabe“ und „Herausforderung“ gleichsetzt und diese inhaltlich mit der Absicht der eigenen geistigen Entwicklung „befüllt“, erklärt sich damit auch die gewohnte Handlungsweise der Verdrängung und im Alten wird man für das Unbewusstbleiben sogar belohnt.
Wer also noch danach fragt, was ihm seine eigene Entwicklung nutzt, hat den (Un)Sinn seiner eigenen Frage noch nicht verstanden.
Nicht der ergebene Sklave ist der Feind der Freiheit, sondern der belohnte Sklave. „Feind“ ist in einer verbalen Auseinandersetzung lediglich jemand mit einer anderen Meinung, als die eigene – gewöhnlich.

„Willst du nicht mein Bruder sein…“

„Die Sprache ist das Fundament der Zivilisation. Sie schweißt ein Volk zusammen. Sie ist die erste Waffe, die bei einem Konflikt zum Einsatz kommt.“ Arrival, 2016

Da die Mehrheit der Menschen gewohnt außenorientiert aufgewachsen ist, also ihr die Hörig- und Manipulationsfähigkeit in der Tat in die Wiege gelegt und dieser Zustand niemals in Frage gestellt oder bewusst aufgehoben wurde, macht es natürlich Fetz, ihnen auch zu erzählen, wer der Böse ist und wenn sie zu hassen und auszugrenzen hat.

„Du bist solange gut, solange mir dies gefällt.“

„Die Theorie besagt, dass die Sprache, die man spricht, das Denken prägt.“ Arrival, 2016

„Merkel muss weg!“

Und da man es sich gegenseitig unterzujubeln versucht, dreht sich die kollektive Meinung im Kreise und man hält sich gegenseitig unten.
Aber wehe, wehe wenn jemand nicht der Meinung entspricht, wobei sich in diesem Fall die „Reichsgenossen“ nicht von den „Bundesgenossen“ unterscheiden.

Man kann sich natürlich gerne mit in den Kreisverkehr kollektiver Beschuldigung einreihen, wenn man sich dadurch einen erweiterten Erfahrungshorizont erhofft (In der Regel geschieht das unbewusst sowieso.), sollte jedoch nicht vergessen, dass die eigene „Nummer“ an der Stelle nicht zu Ende ist.

Bei allem Respekt: im Außen ist keine Lösung zu finden. Das „Außen“ ist lediglich ein Ergebnis, eine Auswirkung des Inneren. Und durch die Verdrängung, wird versucht, dieser Erkenntnis aus dem Wege zu gehen, weil es daran erinnert, dass wir die Aufgabe haben „etwas“ zu ändern und es nicht nur zu verdrängen (Widerstand, Kämpfen, Flucht).
Selbst wenn wir noch so statische Dinge zu schaffen wissen, ruht in allem der Wandel, der uns leise an das Leben und seine Veränderungen und damit verbundene Anpassungen erinnert – so wie Menschen in unser Leben treten, damit wir uns an die Liebe erinnern.

Der Grund, warum ich kaum noch (längere) Kommentare zu irgendwelchen Beiträgen schreibe – ungeachtet, dass die Kommentarfunktion nicht immer eingeschaltet ist: Jeder mag seine eigenen Erfahrungen machen, solange und sooft er möchte – bis er es irgendwann erkennt oder auch nicht.

„Mit der Wahrnehmung eines Problems (Symptoms), ist der Denkprozess noch lange nicht abgeschlossen.“

Denn letztlich bestimmt der Einzelne für sich, wie lange er in einem bestimmten Thema verweilt – selbst wenn andere ihn als „Reichsbürger“ oder was auch immer bezeichnen mögen – wobei wir wieder beim „Buhmann“ wären.
Oder der Hearts-Fear-Empfänger, der gegenüber der Gesellschaft als „Schmarotzer“ und „Parasit“ der Gesellschaft zu gelten hat oder der Linke, der Rechte, die Russen, die Amerikaner, der Ausländer, die Kirche, der Papst, der Teufel, die Regierung, die Partei, der Weihnachtsmann, der Moslem, der Jude – wer oder was auch immer.

Ob das noch die nächsten 100 Jahre so weitergehen mag? Sinn macht dieses Verhalten schon lange nicht mehr.

„An der polnisch-russischen Grenze steht sich der Amerikaner und der Russe so nahe gegenüber, dass der Amerikaner mehr um den Diebstahl seiner Raketen fürchten muss, als im Gefecht mit den Kommunisten umzukommen.“

Und damit der politische Körper (die Wertschöpfer) weiter schön fleißig ist, wirft man ihm geschaffene Randgruppen vor, die dann als Prellbock, Wutfänger und Leinwand dienen, damit er seine eigenen Unsäglichkeiten hinprojizieren kann – im Glauben, sich durch beschweren, erleichtert zu haben – er letztlich doch nur verdrängt hat.

Irgendwann hatte ich die Schnauze gestrichen voll, als ich mir das ganze Tamtam auf allen Seiten angeschaut hatte und beschloss – zumindest für mich – das Ganze sozusagen nur noch als „Laborumgebung zur Erkenntnisgewinnung“ heranzuziehen.

Da bin ich auch gerne mal der Buhmann. Die einen nennen mich „Reichsbürger“, was ich nicht bin und die anderen vermuten, ich sei Jude, wovon ich selbst nichts weiß.

Das ist letztlich vollkommen nebensächlich, wenn es um die Entwicklung von Lösungsmustern geht und es auf der einen Seite eine Beschreibung des Ist-Zustandes des Systems notwendig macht, verliert auf dem Weg zur Erkenntnis das gewohnte Terrain der Rechthabereien zunehmend an Bedeutung, bzw. geht soweit, dass große Teile in der Betrachtung zu Werkzeugen einer vergangenen Epoche verpuffen.

Wenn Deutschland der „Feind der Welt“ sein soll, bedeutet das wiederum, dass die Aufgabe des Anders-, Um-, und Weiterdenkens einfach bei uns liegt und damit auch die Erkenntnis, dass es nicht mit Friedensvertrag und dem Schild „Deutsches Reich“ am Schafsgehege getan ist. Punkt.

„Die Theorie besagt, dass die Sprache, die man spricht, das Denken prägt.“ Arrival, 2016

An dieser Stelle würde man meinen, spricht der Verfassungsschutz aus mir. Warum ich auch nicht beim Bundesnachrichtendienst bin, habe ich immer damit beantwortet, dass der Mossad besser bezahlt. 😀

Wie gesagt, dient die Schaffung eines „Buhmanns“ lediglich dazu, den eigenen geistigen Vorgarten „sauber halten“ zu wollen.

Es gibt nichts Schlimmeres für den Menschen als Veränderung, wenn er in der Vergangenheit für seiner eingebrachten Gedanken und damit verbundene Veränderungen bestraft und ausgegrenzt wurde.

„Das ist Unsinn. Das haben wir immer schon so gemacht.“

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