Von der Organisation von Raum und Zeit

Schlimmstenfalls hat der Mensch heute weder Raum noch Zeit und bewegt sich fortwährend zwischen diesen beiden, ihn zunehmend aufreibenden „Mahlsteinen“.
Im Kern hat er es selbst in der Hand und es liegt stets in seiner Entscheidung, ob er weiter Opfer oder selbst auch Gestalter sein mag – ob alles so bleibt, bis es letztlich vergeht oder ob er sich anders entscheidet.
In der Regel lässt ihn die Angst jedoch weiter an den vorhandenen Unsäglichkeiten eines organisatorisch überfrachteten Lebens festhalten, da die betreffenden Strukturen seine Lebensgrundlagen gewährleisten oder „sichern“ sollen.

Dabei ist das als unangenehm Erlebte, stets ein Werk seines Geistes – entstanden über die Zeit – entstanden aus Festhalten und Bewahren.
Die in der Regel vorhandene Vorstellung über eine notwendige „Organisation“ ist dabei nicht etwas, wo man einfach andere „beauftragt“, „beaufsichtigt“, „kontrolliert“ und beschuldigt oder bestraft, wenn das Ergebnis nicht dem entspricht, oder es nicht so funktioniert, wie man es sich selbst vorgestellt hat.

„Beschuldigung und Bestrafung“, damit sich dies anschließend wieder „regelt“ – fortgeführt ein Kreislauf, mit nur einem Ausgang.

„Sind Sie schon organisiert, oder o(h)rganisieren Sie noch?“

Raum ist hierbei die im Außen abgebildete, innere Ordnung, die auf den „Erzeuger“ zurückreflektiert – nicht selten über eine Verzögerung. Er erstickt an seiner eigenen, wahrgenommenen Kompliziertheit, die er sich einst zur „Sicherung“ schuf.

Der wahrgenommene Druck erwächst darüber hinaus auch aus einem übergelagerten stattfindenden Wandel, dem er sich nicht mehr so anpassen kann, wie dies jedoch notwendig wäre.

Ein Unternehmer wunderte sich, dass er immer alle Probleme auf den Tisch bekam und verteilte darauf fleißig immer „Zigarren“ an die Mitarbeiter.
Er erwartete gleichzeitig Übernahme der Verantwortung für die jeweilie Aufgabe, jedoch auch die Hörigkeit seiner Mitarbeiter (Und wie erkennbar ist, bewegt sich die Mehrheit in einer kollektiven Glocke der Manipulationsfähigkeit und der Vorstellung willkürlicher Verantwortungslosigkeit).
Die Ursache mehrheitlicher Probleme im Unternehmen fanden sich in einem unausgereiften Produkt (mangelnde Organisation im Produkt selbst) und eine nahezu fehlende Organisation der Abläufe im Unternehmen.
Das Unternehmen löste sich in der Form auf – notwendige Anpassungen wurden vom Unternehmer selbst verhindert, da er im Kern an der Machtstruktur glaubte festhalten zu müssen.

So am Rande: Das ganze System (Matrix, alte Weltordnung) funktioniert auch nur solange, wie alle im Außen unterwegs sind, nur haben wollen und Schuldige suchen. Da bekommt das ‚Geld‘ als ‚Schuldschein‘ plötzlich auch eine andere Bedeutung.

„Bringe Ordnung in dein Leben.“

Mangel an Zeit beruht nicht selten auf der Tatsache, dass einmalige Tätigkeiten mehrmals von unterschiedlichen Personen wiederholt erledigt werden, bis ein Prozessergebnise erzielt wird.
Mangel an Zeit beruht auf einer organisatorischen Überfrachtung der eigentlichen Abläufe und der Vorstellung, diese irgendwie zentral „kontrollieren und manipulieren“ zu wollen.

Der Kontrollzwang erwächst aus der Vorstellung, dass „andere“ nicht fähig sind, ihre Aufgaben zu erfüllen.

„Menschen brauchen Führung!“ „Wenn man dort, wo Ingenieure benötigt werden, Bäcker und Metzger machen lässt, mag das zutreffend sein.“

Man sieht hier, welche Bedeutung es hat, sich seiner eigenen Wissens, Fähigkeiten und Könnens bewusst zu sein.

Um aus der geistigen Falle wahrgenommener Unsäglichkeiten den ersten Schritt herauszutreten, gilt es sich zunächst zu diesem ersten Schritt zu entscheiden. Und um sich selbst nichts vorzumachen, auch dabei zu bleiben.

Es gilt zu verstehen, dass Raum und Zeit „Nebeneffekte“ eines Ursache-Wirkungsprinzips sind. Zeit nehmen wir hierbei als Verzögerung war. Und umso mehr Prozesse mit involviert sind, umso größer ist die Verzögerung. Und bei alledem haben wir es auch noch mit einer nicht-linearen Entwicklung zu tun. Man kennt ja das Phänomen: Alles fertig, jedoch ein kleines Teil fehlt. Stillstand. Angst. Eskalation. Denn Zeit ist Geld.

Sind in den Abläufen zudem viele Menschen involviert, führt dies nicht selten zu Machtkämpfen, Grabenkriegen, Experimenten, Resignation und Schuldzuweisungen.

Kommen zusätzliche Aufgaben hinzu und bleiben andere dabei unerledigt, so ist dann irgendwann einfach Schluss. Man selbst knickt unter der Last sich auftürmender Aufgaben zusammen und „leidet“ unter organisatorischer Insuffizienz.

Das auftretende Phänomen bezeichnet man in der Regel mit „Burnout“ – ein Ergebnis unzeitgemäßer Organisation. Dass hier nebenbei die Wirksamkeit der Unternehmung auf dem Spiel steht, sei hier nur am Rande erwähnt.

In einer Designer-Schmiede ging es um die Anbringung von Umleimern aus Kupfer, Messing und Edelstahl (40*3mm) an Tischplatten. Das Material sollte mit einer „amorphen“ Bürstenoberfläche versehen werden. Aufgrund der Beobachtung der gewohnt manuell stattfindenden Oberflächenbearbeitung einige Tage vorher, hätte der Teilprozess ca. 16 Stunden in Anspruch genommen. Durch den Bau und Einsatz einer Vorrichtung wurde der gesamte Vorgang auf ca. 2,5 Stunden plus 30 Minuten für den Bau der Vorrichtung verkürzt.

Ein Unternehmen plante die Einführung eines CAD-Systems um den bisherigen Prozess von manuell auf digital zu transformieren. In einem Telefonat wurde ein bekanntes CAD-System (AutoCAD) empfohlen, weil in der Regel auch darauf geschult wird. Insgesamt hätten die Kosten bei max. 25.000 DM gelegen. Das Unternehmen meldete sich einige Wochen später und man hatte sich ein High End-System aus der Autoindustrie angeschafft. Kosten ca. 87.000 DM.
Dazu war ein neuer Mitarbeiter für 1.700 DM pro Monat unter anderem mit der Frage eingestellt worden, ob er „CAD“ könne. Dieser bejaht die Frage.
Als der „Papierkram“ erledigt war, führte man den Mitarbeiter zur CAD-Anlage. Der schaute nur noch, da das CAD-System in 3D arbeitete und er dies nicht bedienen könne.
So wurde der Mitarbeiter auf einige Kurse geschickt, die zusätzlich einige tausend Mark an Kosten bedeuteten. Irgendwann kam der Moment, wo er gefragt wurde, welches CAD-Programm er denn beherrsche. Er sagte: „AutoCAD“. Am Ende wurden die Zeichnungen mit seinem von zuhause mitgebrachten CAD-Programm für 200 DM vorübergehend realisiert.
Eine Anfrage bei einem anderen Unternehmen, was gewohnt mit dem High End-System arbeitete, lag der Monatslohn des Mitarbeiters bei 4.500 DM.

Man sieht, wie sehr sich Freiraum durch falsche Entscheidungen in einen Engpass (mit weiteren Auswirkungen) entwickelt. Raum ist Geld.

Man kann behaupten: Organisation ist strukurell Raum und Zeit übergeordnet.

„Alles eine Frage der Reflexe!“ Jack Burton, Big Trouble in Little China

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