Bewegung – oder: Der sich entfaltende Mensch

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(v1.1*) Auf einem Blog stand die Tage eine ellenlange Liste „Merkel‘scher Ergebnisse“. Wer kommt da schon auf die Idee, dass das alles dazu gedacht ist, den trägen, unterwürfigen, arbeitswütigen, deutschen Geist mal in eine andere Richtung zu bewegen.

Das ist jetzt keine Fürsprache für gewohnte parteiideologische Ambitionen, denn die habe ich seit langem abgelegt.

Sicher wird hier und da gejaunert und alles als Unrecht empfunden. Das sind so Erscheinungsformen aus dem gesellschaftlich anerkannten Opferrepertoire.
Denn was bisher sicherstellte dass die „Beschützer“ auch ihren Rollen erfüllen konnten, steht der Veränderung nun im Wege. Schließlich wurde ja gefordert, dass sich etwas ändert. Dieses Mal ist es jedoch nicht einfach inhaltlicher Natur, sondern von fundamentaler.

Das Ältere klammert sich an das Gestern und predigt darüber tagtäglich. Die Betrachtung von Geschehnissen ist für viele der Ereignishorizont, wohin gegen einige wenige Akteure, die eine oder andere Aussage „über den gewohnten Tellerrand hinaus“ wagen.
Jene, die davon nichts wissen wollen, versuchen sich weiter an der Mehrung und Aufrechterhaltung des bisher Erreichten – mitunter auch der ihnen untergeordneten Strukturen.

Wer sich weiträumig innerhalb des Systems gewohnt umschaut, dem wird zunehmend auffallen, dass manches nicht mehr so richtig funktionieren mag, was nicht nur ihn beunruhigt.

Diese Beunruhigung liegt nur daran, dass er sich nie in der Situation sah, im Vorfeld schon mal die Konventionen und Traditionen näher zu betrachten und wenn, bewegt sich die Anpassung an Veränderung in gewohnten Bahnen aus vordringlicher Existenzsicherung. Der Ereignishorizont reicht bis zur Nasenspitze und beherrscht das Denken und Handeln.
„Accept for Value“, was im DPVM zusammen mit Tobias Sommer so um 2013/14 durchexerziert wurde, bekommt in 2020 neuen Aufwind. Dies aus der Situation heraus, dass jene „Experten“ es unterließen, sich mit den praktischen Erfahrungen anderer Akteure zu beschäftigen.
In den vielen Jahren sind mir nur sehr wenige begegnet, wo man sich gegenseitig einen Rat gab und so auf beiden Seiten eine Menge Zeit gespart werden konnte.
Das funktioniert dann am besten, wenn man den Fokus auf Entwicklung setzt und nicht auf Traktieren und Verteidigen. Denn mit dem Verteidigen, wird die Entwicklung ausgeblendet.

Wer kommt schon auf die Idee, dass dieses Verhalten anerzogen ist und seine Ursache in einer Bestrafung in der Kindheit zu finden ist, wo es danach „besser“ war, die Autorität darüber befinden zu lassen, was für einen selbst „gut und richtig“ sei, um so weiteren Bestrafungen zu entgehen.

„Neues = Bestrafung → Gestern war alles besser = Zugehörigkeit, Anerkennung, Belohnung, Sicherheit &c.“

An diesem Punkt wird klar, welche Auswirkung eine Bestrafung für eigenständige Entwicklung und damit verbundener Erfahrungen hat.

Wie kann sich der Mensch also befreien, vorausgeschickt, dass es hier nicht einfach um Geld und Besitztümer geht, sondern um seine geistige Befreiung, also eine rein mentale Angelegenheit.
Das Verhalten, immer beschäftigt sein zu wollen, ist dabei nur ein Anzeichen, sich nicht mit dem Thema der eigenen Entwicklung auseinandersetzen zu wollen.
Wobei Entwicklung sich auf die Denk- und Verhaltensweisen bezieht und inhaltliches Wissen nur indirekt etwas damit zu tun hat, auf das sich in der Regel jedoch mehr fokussiert wird. Die Denk- und Verhaltensweisen bestimmen darüber, wie die Dinge gesehen werden und wie mit Inhalten „gearbeitet“ wird.

Die Frage ist stets, was will man selbst erreichen? Was eine ehrliche Antwort zu sich selbst erfordert. Denn wer sich selbst etwas vormacht, der lässt sich auch von anderen etwas vormachen und macht auch anderen etwas vor – und die Zahl individuell-gesellschaftlicher Illusion gibt es da reichlich.

Die wesentlichen Illusionen sind: Das man mit Macht (über die Existenz anderer) etwas erreichen kann, das Geld etwas wert sei, dass man Eigentum hätte oder Besitz, dass einem etwas oder jemand gehören würde.
Denn dadurch geben sich die Gläubigen erst der Fremdbestimmung hin und öffnen Tür und Tor für Gezänk, Machtkämpfe und Kriege – also im Grunde genommen eine recht primitive Kultur, die sich vordringlich durch Haben und Besitzstand zum Ausdruck bringt, statt sich selbst entwickeln zu wollen.

Es geht um Authentizität, statt des üblichen „so tun, als ob.“
Wenn bspw. von „Patriotismus“ gesprochen wird, werden vielleicht wenige wirklich dahinterstehen, während sich der Rest mehr für Macht, Geld, Eigentum, Besitz, Hab und Gut und dessen Wahrung und Mehrung interessiert. Das kann also nichts werden.

Um von einer wie auch immer gearteten Lösung sprechen zu wollen, hat diese den Anspruch niemanden auszuschließen, somit kann man sich alle Lösungen, die sich auf kirchliche, staatliche und finanzielle Ideologien stützen, getrost ersparen.

Erst auf der Ebene des Menschseins, findet man sich wieder zusammen. Dabei ist es nicht von Vorteil auf jene zu zeigen, die bis jetzt gar nichts davon mitbekommen haben, um so nur eine Ausrede zu haben, selbst nichts machen zu müssen.
Und dass jeder, der sich die Frage stellt, was können wir denn tun, davon kann er auf diesem Blog mehr als genug erfahren.

Wer den Zwang verspürt, dass ihm das nicht ausreicht, sollte sich fragen, warum er so reagiert. Denn nicht selten ist das unwohl Gefühlte nur ein Gefühl seines „Ichs“, was ahnt, dass es nun im Fokus seiner eigenen Veränderung steht, während es lieber im Hintergrund die Fäden ziehen und unerkannt bleiben mag – eine Schutzfunktion, wie bspw. auch das „so tun, als ob“.

„Ich glaube, wenn alle sehen, was aus nur wenigen Menschen wird, die sich ihren Fähigkeiten voll und ganz öffnen, dann werden andere erwachen. Der Glaube an sich selbst, ist ansteckend. Wir geben einander die Erlaubnis, Superhelden zu sein. Anderenfalls werden wir niemals erwachen.“ „Mr. Glass“, Glass, 2019

Sich der eigenen Entwicklung zu widmen, über sich selbst bewusst werden, ist die wesentliche Aufgabe.

Die Zeit dafür hat man dann, wenn man sich Zeit dafür nimmt und noch einfacher geht es, wenn man sich offen und ehrlich zu sich dazu entscheidet. Dann kommt die dafür notwendige Zeit von ganz alleine. Lediglich wer allen im üblichen Rahmen gerecht werden will, der wird sich selbst die Zeit vorenthalten.

P.S. Es ist ein Unterschied, ob man etwas für „sich“ macht oder ob man etwas für sich macht.